Artikel drucken
14.11.2013

Nürburgring: ADAC steigt mit Freshfields in den Bieterkampf ein

Der ADAC hat ein Angebot für den Kauf des Nürburgrings abgegeben. Mit der zunächst noch unverbindlichen Offerte ist der zweitgrößte Automobilclub der Welt offiziell in das Bieterverfahren um die Eifelrennstrecke eingestiegen. Insgesamt soll es Presseberichten zufolge rund 30 ernst zu nehmende Interessenten für die insolvente Rennstrecke geben, der ADAC ist allerdings der erste namentlich bestätigte darunter.

Wolfram Rhein

Wirtschaftsprüfer bewerten den kompletten Nürburgring mit 120 Millionen Euro, die Verkäufer erhoffen sich aber deutlich mehr. Verbindliche Angebote können bis Jahresende abgegeben werden. Im ersten Quartal 2014 wollen der Sanierungsgeschäftsführer Prof. Dr. Dr. Thomas Schmidt von der Trierer Sozietät König und der Sachwalter Jens Lieser von der Koblenzer Kanzlei Lieser den Zuschlag erteilen. Das Geld würde nahezu vollständig dem Land Rheinland-Pfalz als Hauptgläubiger zufließen. Einige der Bieter sind wie der ADAC lediglich an der Rennstrecke interessiert, andere bieten für den gesamten Komplex, zu dem auch ein angeschlossener Freizeitpark gehört.

Durch das Angebot erhält der ADAC nun Einblick in die Geschäftsdaten des Nürburgrings. Ob er letztlich auch ein verbindliches Angebot abgeben wird, steht noch nicht fest. Der 18 Millionen Mitglieder starke Automobilclub ist mit dem Nürburgring eng verbunden, etwa über seinen Truck Grand Prix und sein 24-Stunden-Rennen. 2012 nahm der ADAC erstmals mehr als eine Milliarde Euro an Mitgliedsbeiträgen ein.

Der Nürburgring hatte im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet (mehr…). Er hatte sich für seine Eigentümer, das Land Rheinland-Pfalz (90 Prozent) und den Landkreis Ahrweiler (10 Prozent), zu einem Finanzdesaster entwickelt, das Gegenstand mehrerer Prozesse ist. Seit 2006 ist die hinter der Strecke stehende GmbH bilanziell überschuldet. Neben den größten Verlustbringern, den Formel-1-Rennen, trugen der Bau eines angeschlossenen überdimensionierten Freizeitparks und einer Einkaufsmeile dazu bei. Die von Gläubigern angemeldeten Forderungen sollen sich auf mehr als 550 Millionen Euro belaufen, die SPD-geführte Landesregierung hatte das Projekt mit mehr als 400 Millionen Euro subventioniert.

Der von der Wirtschaftsprüfungsgeselllschaft KPMG gesteuerte Verkaufsprozess begann im Frühjahr dieses Jahres, nachdem sich die Sanierer und die Betreibergesellschaft des Nürburgrings rückwirkend über die Rückgabe der Rennstrecke sowie der Immobilien am Nürburgring geeinigt hatten (mehr…)

Berater ADAC
Inhouse (München): Roswitha Mikulla-Liegert (Leiterin Justiziariat)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Wolfram Rhein (Corporate/Restrukturierung), Dr. Peter Niggemann (Kartellrecht)
Meyersrenken & Rheingantz (Köln): Henning Meyersrenken

Berater Sanierer/Sachwalter
Martini Mogg Vogt (Koblenz): Dr. Ottmar Martini, Sascha Unger (beide Gesellschaftsrecht)
KPMG Law (Frankfurt): Dr. Volker Balda, Hilke Schmitt (beide Corporate/M&A) – aus  dem Markt bekannt
Müller-Wrede & Partner (Berlin): Gabriele Quardt, Christoph von Donat (beide Beihilferecht) – aus  dem Markt bekannt
White & Case (Hamburg): Dr. Börries Ahrens (Kartellrecht) – aus  dem Markt bekannt

Hintergrund: Ein Freshfields-Team um Wolfram Rhein hatte den ADAC zuletzt schon begleitet, als er mit der Deutschen Post ein viel beachtetes Joint Venture zum Betrieb einer Fernbuslinie einging. Die Kanzlei steuerte nun die wesentlichen Themen zur Struktur des unverbindlichen Angebots bei, neben gesellschaftsrechtlichen Aspekten beinhaltetet dies auch Restrukturierungs- und Beihilferechtsthemen. Der Kölner Namenspartner und Corporate-Experte Meyersrenken begleitet den ADAC Nordrhein ebenfalls schon länger und trat hier nach außen für die Abgabe des Angebots auf.

Die Koblenzer Kanzlei Martini Mogg Vogt ist im Nürburgring-Komplex schon lange tätig. Sie arbeitete zunächst für die Nürburgring GmbH und später, als insolvenzrechtliche Fragen aufgekommen waren, auch für das Land. Nach der Pleite der Rennstrecke stellte sich Namenspartner Martini an die Seite der Sanierer und beriet diese beispielsweise bei Verhandlungen mit der Betreibergesellschaft. Auch Müller-Wrede ist in dem Komplex schon länger dabei und begleitet die beihilferechtlichen Themen. Für die Corporate/M&A-Fragen haben die Verkäufer JUVE-Recherchen zufolge den Rechtsberatungsarm der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG eingeschaltet. Das Mutterhaus steuert den Verkaufsprozess. (René Bender)

  • Teilen