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02.12.2013

Mehrere Transaktionen: ThyssenKrupp kämpft sich mit Linklaters und Hengeler vor

ThyssenKrupp kommt bei der Lösung für seine verlustreichen Übersee-Stahlwerke voran und besorgt sich frisches Geld am Kapitalmarkt. Zugleich hat der Konzern mit der Entflechtung vom finnischen Wettbewerber Outokumpu begonnen.

Ralph Wollburg

Ralph Wollburg

ArcelorMittal und Nippon Steel & Sumitomo Metal übernehmen das US-Werk in Alabama. Der Kaufpreis beträgt 1,55 Milliarden US-Dollar. Für die brasilianische Produktionsstätte erzielte der Essener Konzern zugleich einen sechsjährigen Liefervertrag mit dem Käuferkonsortium.

Zudem nehmen Arcelor und Nippon dem brasilianischen Werk bis 2019 jährlich zwei Millionen Tonnen Rohstahlblöcke ab. Damit wird das Werk über mehrere Jahre zu mindestens 40 Prozent verlässlich ausgelastet. Zuletzt hieß es, dass ThyssenKrupp das Werk verkaufen will und der brasilianische Stahlkonzern CSN hierfür als Favorit gilt.

Einen Rückschlag erleidet ThyssenKrupp dagegen beim Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum an Outokumpu. Die Essener erhielten 2012 neben dem Kaufpreis einen Anteil von 29,9 Prozent an Outokumpu, zudem gewährten sie den Finnen einen Kredit in Höhe von einer Milliarde Euro. Nun nimmt ThyssenKrupp ein Edelstahlwerk im italienischen Terni und den Spezialhersteller VDM zurück. Dafür erlässt der Konzern den Kredit, künftig will er sich von seinem Anteil und den finanziellen Verbindungen zu Outokumpu komplett trennen.

Die EU-Kommission hatte Outokumpu vorgeschrieben, die beiden Vermögenswerte zu verkaufen. Speziell die Auflage bezüglich des italienischen Werks hing mit der fusionskontrollrechtlichen Freigabe des Inoxum-Deals zusammen. Der Lösung, die Outokumpu nun gewählt hat, muss die EU-Kommission noch zustimmen.

Die Transaktion zwischen ThyssenKrupp und ArcelorMittal sowie Nippon muss unter anderem kartellrechtlich genehmigt werden. Kurz nach den Transaktionen gab ThyssenKrupp eine Kapitalerhöhung um zehn Prozent bekannt. JP Morgan und Commerzbank begleiteten die Emission.

 

Transaktion Übersee-Werke

Berater ArcelorMittal
Shearman & Sterling (New York): Peter Lyons, George Karafotias (London; beide M&A, Doug McFadyen (Steuern), Doreen Lilienfeld (Vergütung von Führungskräften/Pensionsverpflichtungen), Samuel Waxman (IP M&A), Jason Pratt (Umweltrecht), Gabrielle Wong (Finanzierung; London); Associates: Rory O’Halloran, Nader Dabbo, Ed Mullen, Michael Dockery, Christopher Tomlinson, Cecilia Ferreira (beide London; alle M&A), Jennifer Stadler (Vergütung von Führungskräften/Pensionsverpflichtungen)
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton: Mark Leddy, Jeremy Calsyn, Daniel Culley (alle Washington), Dr. Stephan Barthelmeß (Brüssel), Tilman Kuhn (Köln); Associate: Jacopo Figus Diaz (Brüssel; alle Kartellrecht)
Inhouse Recht (Chicago): Paul Liebenson (General Counsel), Marc Jeske (Associate General Counsel), Katherine Sams (Senior Legal Counsel), Anne van Ysendyck (Kartellrecht; London) – aus dem Markt bekannt

Berater Nippon
Sullivan & Cromwell (New York): Robert DeLaMater (Gesellschaftsrecht), Steven Holley, Juan Rodriguez (London; beide Kartellrecht), Nader Mousavi (IP; Palo Alto), Ronald Creamer (Steuern), Eric Queen, Bradley Smith, Axel Beckmerhagen (London; alle Kartellrecht), Matthew Brennan (Umweltrecht), Rebecca Coccaro (Arbeitsrecht; Washington); Associates: Jinhee Chung, Rosita Lee, Amaris White (alle Corporate), Michael Engel (Kartellrecht; London), Kevin Salinger (Steuern)

Berater ThyssenKrupp
Linklaters: Dr. Ralph Wollburg (Federführung), Achim Kirchfeld (beide Düsseldorf), Pieter Riemer (Amsterdam), Scott Sonnenblick (New York; alle Corporate), Dr. Carsten Grave (Düsseldorf), Thomas McGrath, Antonia Sherman (alle Wettbewerbs-/Kartellrecht), Gordon Warnke, Sean McKeever (alle New York), Oliver Rosenberg (Düsseldorf; alle Steuern), Alberto Luzárraga (Corporate Finance; São Paulo); Associates: Kristina Klaaßen (leitende Associate), Dirk Horcher, Dr. Alexander Jüngst (alle Düsseldorf), Andrew Cohn, Nandini Sur, Clara Pang (alle New York; alle Corporate)
Lefosse (São Paulo): Christian Roschmann (Corporate), Bruno Carramaschi, Gustavo Haddad; Associates: Ana Couto (alle Steuern), Mirella Abe, Rodrigho Cunha (beide Corporate)
Inhouse Recht (Duisburg): Jürgen Strunck (Deputy Head Legal Steel Europe; Steel Americas), Katharina Schulz-Press

 

Transaktion Edelstahlwerk in Terni und VDM

Berater ThyssenKrupp
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Maximilian Schiessl, Dr. Christian Schwandtner, Dr. Georg Seyfarth, Dr. Christian Wentrup (alle M&A), Dr. Nikolaus Vieten, Dr. Daniel Weiß (beide Finanzierung; beide Frankfurt), Dr. Reinhold Ernst (Kapitalmarktrecht), Dr. Martin Klein (Steuern; Frankfurt)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Martin Klusmann (Kartellrecht)
Inhouse Recht (Essen): Dr. Martin Schlag – aus dem Markt bekannt
Inhouse Steuern: Thomas Kadelka – aus dem Markt bekannt

Berater Outokumpu
Skadden Arps Slate Meagher & Flom (London): Scott Simpson, Sandro de Bernadini (beide M&A), Mark Darley (Bankrecht), Matthias Jaletzke (M&A), Johannes Kremer (Bankrecht; beide Frankfurt), Frederic Depoortere, Jim Venit (beide Kartellrecht; beide Brüssel)

 

Kapitalerhöhung

 Wolfgang Groß

Wolfgang Groß

Berater ThyssenKrupp
Hengeler Mueller: Dr. Wolfgang Groß (Frankfurt), Dr. Reinhold Ernst (Düsseldorf; beide Kapitalmarktrecht)
Inhouse Recht (Essen): Isolde Würz, Dr. Vanessa Gregor-Bröcker – aus dem Markt bekannt

Berater JP Morgan
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Oliver Seiler (Kapitalmarktrecht), Gernot Wagner (US Corporate Finance); Associates: Dr. Camilla Kehler-Weiß, David Rath (beide Kapitalmarktrecht)

Berater Commerzbank
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Bernd Singhof, Dr. Kathrin Mehler

 

Hintergrund: Sullivan-Partner DeLaMater ist seit vielen Jahren für Nippon Steel tätig und beriet beispielsweise im Zusammenhang mit dessen Beteiligung beim brasilianischem Stahlunternehmen Usiminas. Er arbeitete früher für Sullivan in Tokio, mittlerweile ist er in New York tätig.

Auch Shearman berät häufig ArcelorMittal bei internationalen Deals. Die Kanzlei war sogar vor der Fusion jeweils für Arcelor und Mittal Steel tätig. Deutsche Anwälte waren aufseiten der Käufer nicht involviert.

Linklaters hat seine Beziehung zu ThyssenKrupp zuletzt intensiviert und bei der Veräußerung der beiden Übersee-Werke beraten. Kontakte zu ThyssenKrupp pflegen seit Jahren die beiden anerkannten Düsseldorfer Partner Wollburg (mehr…) und Kirchfeld (mehr…), die beide einst von Freshfields Bruckhaus Deringer zu Linklaters gekommen sind (mehr…).

Hengeler kam für ThyssenKrupp sowohl bei der Kapitalerhöhung als auch bei der Entflechtung von Outokumpu zum Einsatz. Die Kanzlei beriet schon zum ursprünglichen Verkauf von Inoxum. Freshfields und Skadden waren ebenfalls bereits damals involviert (mehr…).

ThyssenKrupp hat indessen zum Oktober eine neue Struktur für ihre Rechtsabteilung implementiert. Teil der Neuerungen ist eine Verlagerung von Rechtsfunktionen in die operativen Töchter. So wechselte der Kartellrechtsexperte Dr. Thomas Lampert im Zuge der Umstrukturierung aus der zentralen Rechtsabteilung zur stark international aufgestellten ThyssenKrupp-Tochter Elevators. Dort wurde er Leiter der Rechtsabteilung. (Parissa Kerkhoff, Antje Neumann)

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