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10.12.2013

Kauf von N24: Springer beschert Morrison & Foerster erstes deutsches Prestigemandat

Der Axel Springer-Verlag will den Nachrichtensender N24 von einer Gruppe von Managern übernehmen. N24 soll im Springer-Konzern mit der Zeitungsgruppe ‚Die Welt‘ zusammengeführt werden, dadurch entstünde eine der größten multimedialen Redaktionen in Deutschland. Der Markt spekuliert nun über einen Kaufpreis in mittlerer zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe für den Sender, der 2011 mit 300 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 89 Millionen Euro kam.

Christoph Wagner

Für Springer ist es der zweite Versuch, ins Fernsehgeschäft einzusteigen: Den 2006 geplanten 4,2 Milliarden Euro schweren Kauf von ProSiebenSat.1 hatten die Medienkonzentrationsbehörde KEK sowie das Kartellamt untersagt. N24 gehörte nach seiner Gründung vor 13 Jahren rund ein Jahrzehnt zu ProSiebenSat.1, bis dann im Sommer 2010 eine Gruppe um den N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann und den früheren Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust per Management-Buy-out übernahm. Die langjährige Mutter gehört auch künftig zu den Hauptkunden von N24.

Springer wandelt sich seit einiger Zeit radikal, das lange vorwiegend auf Printprodukte fokussierte Unternehmen verlagert seine Aktivitäten zunehmend zu Multimedia-Angeboten. Für Aufsehen sorgte Springer bei seinem Umbau zuletzt im Sommer dieses Jahres, als sich der Konzern von traditionsreichen Publikationen wie dem ‚Hamburger Abendblatt‘, der ‚Berliner Morgenpost‘ oder der Fernsehzeitschrift ‚Hörzu‘ trennte und diese für 900 Millionen Euro an die Funke-Gruppe verkaufte (mehr…), die hinter der ‚WAZ‘ steht.

Die zusammengelegten Redaktionen von ‚Die Welt‘ und ‚N24‘ sollen künftig die Inhalte für alle digitalen Kanäle und die Printangebote von ‚Die Welt‘ produzieren. Erst müssen aber die Wettbewerbsbehörden dem Deal noch zustimmen.

Berater Springer
Morrison & Foerster (Berlin): Dr. Christoph Wagner (Federführung; M&A/Medienrecht), Hanno Timner (Arbeitsrecht), Dr. Clemens Waitz (M&A), Kristina Ehle (IP/Commercial); Associates: Dr. Sebastian Schwalme, Dr. Harm-Randolf Döpkens, Karoline Boullay, Dr. Jens Hackl, Dr. Felix Helmstädter, Dr. Hilmar Hamm – aus dem Markt bekannt
Freshfields Bruckhaus Deringer (Berlin): Dr. Helmut Bergmann (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht
(Berlin): Dr. Harck-Oluf Nissen (Corporate/M&A; Leiter Corporate), Dr. Susanne Stollhoff (Medienrecht)
Inhouse Steuern (Berlin): Alexis Laszlo (Leiter Steuern)

Norbert Rieger

Norbert Rieger

Berater N24-Gesellschafter
Milbank Tweed Hadley & McCloy
(München): Dr. Norbert Rieger (Federführung; Gesellschaftsrecht), Dr. Rolf Füger (Steuerrecht), Dr. Alexander Rinne (Kartellrecht), Dr. Andrea Eggenstein (Gesellschaftsrecht; Frankfurt); Associates: Christina Correll, Carlo Scheiternig (beide Gesellschaftsrecht), Dr. Matthias Schell (Steuerrecht)

Hintergrund: Für Morrison & Foerster ist es das erste Prestigemandat seit deren Deutschland-Start (mehr…). Zu verdanken hat sie es Christoph Wagner, der erst im Sommer bei Hogan Lovells ausschied (mehr…) und nun seit einigen Wochen unter der Flagge der US-Kanzlei berät. Die Mandatierung ist alles andere als selbstverständlich, schließlich konnte in den vergangenen Jahren vor allem Milbank für sich beanspruchen, Springer in Corporate-Fragen zu beraten. Zuletzt sicherte sich Hengeler Mueller das Mandat für die Beratung beim Verkauf zahlreicher Printprodukte an die Funke-Gruppe.

Für Wagner dürfte diesmal vor allem gesprochen haben, dass er mit der Beratung rund um das Fernsehgeschäft seit Jahren vertraut ist. So war der Medien- und Transaktionsexperte – damals noch als Partner bei Hogan & Hartson Raue – auch mit von der Partie, als ProSiebenSat.1 vergeblich versuchte, mit Springer zu fusionieren (mehr… und mehr…). Vor allem aber begleitete er in den vergangenen Jahren durch seine Arbeit für News Corp., der Mehrheitsaktionärin von Sky, die Entwicklung des Bezahlsenders. Erst kürzlich war er etwa auch beteiligt, als Sky die Produktionsgesellschaft Plazamedia erwarb (mehr…).

Bei Mandaten rund um Sky stand Wagner regelmäßig Milbank gegenüber. Das Münchner Büro der US-Kanzlei verfügt nicht nur zu Springer über enge Kontakte, sondern auch zum Bezahlsender Sky, ebenso wie zu ProSiebenSat.1. So betreute Milbank den Sender bei dessen Fusionsplan mit Springer. Vor dem Hintergrund der langjährigen Verbindungen zu Springer als auch der eingespielten Kontakte zur Ex-N24-Mutter ProSiebenSat.1 war es fast zu erwarten, dass Milbank in irgendeiner Form zum Zug kommen würde. Dass die Kanzlei nun durch die N24-Gesellschafter mandatiert wurde, beruht vor allem auf der engen Verbindung des Münchner Partners Rieger zu N24-Geschäftsführer Rossmann, den er seit fast zwei Jahrzehnten gut kennt. (René Bender, Simone Bocksrocker)

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