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31.01.2014

Strauss: Kirkland und McDermott begleiten Sanierung, Ringstmeier wird Sachwalter

Die rheinländische Warenhauskette Strauss Innovation hat gestern beim Amtsgericht Düsseldorf ein Schutzschirmverfahren beantragt, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Das Gericht ernannte noch am vergangenen Abend mit Andreas Ringstmeier den Sachwalter. Dem mehr als 1.400 Mitarbeiter starken Unternehmen verbleiben nun zwei Monate, um einen Sanierungsplan in Eigenregie zu erstellen.

Andreas Ringstmeier

Gemeinsam mit der Geschäftsführung von Strauss Innovation, den Arbeitnehmervertretern und den Gläubigern wird Ringstmeier die Sanierung des Unternehmens begleiten. Die Unternehmensführung begründete den Schritt der Eigenverwaltung mit „den größtmöglichen Chancen“, die sich in der aktuellen Situation und mit den Möglichkeiten ergeben, die das junge Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) bietet. So übernimmt die Bundesagentur für Arbeit in den kommenden drei Monaten die Zahlung der Gehälter der Strauss-Mitarbeiter.

Strauss ist bundesweit mit 95 Filialen präsent. Ursprünglich als Familienunternehmen für Kurz- und Weißwaren gegründet, hatte Strauss in den 1990er-Jahren stark expandiert. 2008 stieg der Finanzinvestor EQT im Rahmen einer Kapitalerhöhung bei Strauss ein (mehr…). Später ging das Unternehmen an Sun European Partner, dem europäischen Teil von Sun Capital (mehr…).

Finanziert wird Strauss hauptsächlich durch den US-Investor als alleinigen Eigner, daneben gibt es finanzierende Banken. Sun Capital war auch bei Neckermann engagiert. Der Versandhändler ging Mitte 2012 in die Insolvenz (mehr…).

Berater Sun Capital
Kirkland & Ellis (München): Dr. Bernd Meyer-Löwy (Federführung; Restrukturierung)

Berater Strauss-Geschäftsführung
McDermott Will & Emery (Düsseldorf): Dr. Matthias Kampshoff; Associates: Dr. Marc Oberhardt, Philipp Kutscher, Dr. Thomas Gennert (alle Restrukturierungs-/Insolvenzrecht)

Berater Warenlieferanten und deren Kreditversicherer
Görg (Köln): Dr. Carsten Müller-Seils (Poolverwalter)

Berater Banken: nicht bekannt

Matthias Kampshoff

Matthias Kampshoff

Berater Arbeitnehmervertreter: nicht bekannt

Sachwaltung Strauss
Ringstmeier & Kollegen (Köln): Andreas Ringstmeier (Sachwalter), Dr. Ruth Rigol (Insolvenz-/Arbeitsrecht), Dr. Mark Boddenberg (Insolvenzrecht)

Hintergrund: Bereits beim Einstieg in Strauss setzte Sun Capital auf Kirkland & Ellis, für arbeitsrechtliche Fragen kam die Münchener Spezialkanzlei Altenburg hinzu. Auch im Rahmen der Neckermann-Insolvenz war Kirkland aufseiten der US-Amerikaner zu sehen, als eine Neckermann-Tochtergesellschaft den Eigner wechselte (mehr…).

Ringstmeier hat bereits vor der Reform des Insolvenzrechts 2012 Erfahrung mit Verfahren in Eigenverwaltung gesammelt. So war er 2005 als Insolvenzverwalter der damaligen Agfaphoto tätig, wo seinerzeit der bekannte Kölner Insolvenzexperte Hans-Gerd Jauch von Görg in die Geschäftsführung berufen worden war (mehr…).

Über den Kontakt zwischen Ringstmeier und Jauch kam nun Görg-Partner Müller-Seils als Poolverwalter für die Warenlieferanten von Strauss ins Spiel. Er bündelt ihre Eigentumsvorbehaltsrechte. Soweit bekannt sind die Banken und Arbeitnehmervertreter noch nicht mit externen Anwälten aufgetreten. McDermott ist hier aufgrund einer Empfehlung erstmals für Strauss tätig geworden.

In den vergangenen Jahren begleitete Ringstmeier als Insolvenzverwalter Tochtergesellschaften des Briefzustellers Pin (mehr…) sowie den Supermarktinvestor Deikon (mehr…). In beiden Verfahren handelte es sich um Unternehmen, die wie Strauss Innovation über ein dichtes Filialnetz verfügen. Äußerst prominent ist zudem seine Rolle als Vertreter der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz in einer Schadensersatzklage gegen das Bankhaus Sal. Oppenheim (mehr…). (Marcus Jung, Parissa Kerkhoff)

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