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12.03.2014

Zuschlag für Nürburgring: Capricorn sticht HIG mithilfe von McDermott aus

Der Nürburgring bekommt einen neuen Eigner. Der Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn übernimmt alle Vermögenswerte der insolventen Traditionsrennstrecke. Dies teilten die Ringsanierer Prof. Dr. Dr. Thomas Schmidt und Jens Lieser mit. Hauptgläubiger ist das Land Rheinland-Pfalz. Das Transaktionsvolumen liegt bei über 100 Millionen Euro, wovon bis zu 25 Millionen Euro als Neuinvestition veranschlagt sind.

Uwe Goetker

Uwe Goetker

Dem Verkauf ging ein europaweiter Investorenprozess voraus. Auch der Private-Equity-Fonds HIG European Capital Partners war mit im Rennen, noch während der Gläubigerversammlung gab ihm das Bundeskartellamt sogar offiziell grünes Licht für eine Übernahme. HIG hatte sich laut ‚Wirtschaftswoche‘ mit dem britischen Investmentbanker Meyrick Cox sowie Markus Graf Oeynhausen-Sierstorpff zusammengetan, dem auch die private Rennstrecke ‚Bilster Berg‘ im Teutoburger Wald gehört. Zudem hatte der zuletzt skandalgebeutelte Automobilclub ADAC im November ein Angebot abgegeben, das aber schon bald als aussichtslos galt.

Die Entscheidung für Capricorn fiel nun nach der Tagung des Gläubigerausschusses, zu dem Vertreter der Arbeitsagentur, der Arbeitnehmer, der benachbarten Kommunen und die Landesförderbank ISB gehören. Währenddessen waren bis zuletzt immer weiter Angebote für den Nürburgring eingegangen. Capricorn stellt vor allem Autoteile für den Motorsport her. Das noch junge Unternehmen hat mehr als 350 Mitarbeiter, rund 100 davon arbeiten in einem Werk am Nürburgring.

Im Sommer 2012 war der Nürburgring in die Insolvenz in Eigenverwaltung gerutscht, nachdem eine notwendige Rettungsbeihilfe bei der EU-Kommission nicht rechtzeitig genehmigt wurde. Zuvor scheiterte der Versuch, den Bau eines Freizeitparks am Nürburgring mithilfe privater Investoren zu finanzieren. Nach dem geplatzten Deal hatte das Land Rheinland-Pfalz weitere Gelder in den Ausbau gesteckt und sich um die Rettung des Projekts bemüht.

Volker Balda

Volker Balda

An das Debakel schlossen sich ein Untreueprozess und ein EU-Beihilfeverfahren an. Capricorn hat das Recht vom Kaufvertrag zurückzutreten, falls die EU-Kommission die Beihilfen als verboten einstuft und die Haftung auf einen neuen Eigner überträgt.

Berater Capricorn
McDermott Will & Emery (Düsseldorf): Dr. Uwe Goetker (Insolvenzrecht/Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Jan Hückel (Gesellschaftsrecht/M&A; beide Federführung), Volker Teigelkötter (Arbeitsrecht), Sebastian von Lossow (Gesellschaftsrecht/M&A), Martina Maier (Beihilferecht; Brüssel), Dr. Ulrich Flege (Immobilienrecht), Kian Tauser (Steuern; Frankfurt); Associates: Philipp Kutscher (Gesellschaftsrecht), Steffen Woitz (Gewerblicher Rechtsschutz; München)
Scholtka & Partner (Berlin): Dr. Dominik Greinacher (Öffentliches Recht)

Berater HIG Capital
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Jochen Ellrott (Federführung; Corporate/Restrukturierung); Associates: Dr. Natascha Doll, Mirko Masek
Kirkland & Ellis (München): Dr. Björn Holland (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Jens Lieser

Jens Lieser

Berater Ringsanierer
KPMG Law (Frankfurt): Dr. Volker Balda (Federführung; M&A/Corporate), Dr. Stefan Zajonz (Immobilienrecht), Dr. Martin Trayer (Arbeitsrecht), Christian Krohs (Kartellrecht; Köln), Zoe Wipfler, Mark Dudenhöfer; Associates: Hilke Schmitt, Sebastian Schütz, Max Kleissler, Justus Gross, Erik Emmerling (alle M&A/Corporate), Steffen Bertsch (Immobilienrecht), Dr. Peter Sieben (Öffentliches Recht; Stuttgart), Julia Jakobs (Arbeitsrecht), Gerrit Rixen (Kartellrecht; Köln), Peter Plennert (Hamburg), Julia Ohlerich (Frankfurt; beide M&A/Corporate; Frankfurt)
Müller-Wrede & Partner (Berlin): Gabriele Quardt, Christoph von Donat (beide Beihilferecht)

Sanierung Nürburgring
Lieser (Koblenz): Jens Lieser (Sachwalter), Dr. Alexander Jüchser
König (Trier): Prof. Dr. Dr. Thomas Schmidt (Sanierungsgeschäftsführer)

Hintergrund: Die Mandatsbeziehung zwischen Capricorn und McDermott ist neu und kam über einen Kontakt des Düsseldorfer Arbeitsrechtspartners Teigelkötter zustande. McDermott-Beihilferechtlerin Maier war bereits für das Land Rheinland-Pfalz und die Nürburgring GmbH tätig, bevor das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Das Mandat ist abgeschlossen gewesen, bevor McDermott die Arbeit für Capricorn aufnahm.

Thomas Schmidt

Thomas Schmidt

Der von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gesteuerte Verkaufsprozess startete Anfang 2013, nachdem sich die Sanierer und die Betreibergesellschaft des Nürburgrings über die Rückgabe der Rennstrecke sowie der Immobilien am Nürburgring geeinigt hatten. KPMG begleitete mit Dirk Lohrmann aus der KPMG AG in Frankfurt auch die Steuerfragen.

Schon bei der Einigung zur Rückgabe der Rennstrecke und auch später beim Angebot des ADAC setzten die Ringsanierer auf dieselben Kanzleien wie heute. Zusätzlich waren Martini Mogg Vogt für Gesellschaftsrecht und White & Case für kartellrechtliche Fragen dabei.

Der ADAC hat inzwischen eine europarechtliche Beschwerde bei der EU-Kommission gegen den Verkaufsprozess eingereicht. Dabei setzt er ebenso auf Freshfields wie schon bei der Abgabe des Angebots, das ein Düsseldorfer Team der Kanzlei begleitete. Die Anwälte aus dem Büro beraten den Club im Zuge der Aufklärung der jüngsten Skandale zudem auch in Compliance-Fragen.

Freshfields arbeitete mit Chinese Walls, um die Arbeit an der Seite des ADAC und HIG zu trennen. HIG gehört zum Mandantenkreis des Hamburger Freshfields-Büros, das den Finanzinvestor etwa beim Erwerb des Chemikalienherstellers Haltermann beriet.

Etabliert ist auch die Beziehung von HIG zu Kirkland & Ellis, mit der der Investor 2013 bei der Eliteschule St. Gilgen einstieg und 2011 beim Dualen System Deutschland. Obwohl die Kanzlei mit Transaktionen bei Sanierungsfällen sehr vertraut ist, war sie hier, soweit bekannt, ausschließlich für das Kartellrecht zuständig. (Parissa Kerkhoff)

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