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27.05.2014

P+S-Pleite: Nordic Yards sichert sich Werften mithilfe von Dechert

Die in Wismar ansässige Werftengruppe Nordic Yards übernimmt zum Juni den Stralsunder Teil der P+S-Werften aus der Insolvenz. Für die Volkswerft Stralsund zahlt der russische Nordic-Eigner Witali Jussufow dem Vernehmen nach 6,5 Millionen Euro.

Federico Pappalardo

Federico Pappalardo

Der Kaufvertrag wurde seit Ende April verhandelt, vor zwei Wochen hatte sich beim Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann noch ein weiterer Bieter aus Lettland gemeldet, der allerdings nicht zum Zug kam. Das Land Mecklenburg-Vorpommern als größter Gläubiger hatte seine Zustimmung zum Verkauf von einer Beschäftigungsgarantie abhängig gemacht, die mittelfristig 500 Arbeitsplätzen sichern soll.

Berater Nordic Yards
Dechert (München): Federico Pappalardo (Federführung; M&A), Dr. Olaf Fasshauer (Immobilienrecht), Prof. Dr. Jürgen Meyer-Lindemann (Brüssel/Düsseldorf), Clemens Graf York von Wartenburg (Brüssel/Frankfurt; beide Kartell-/Beihilferecht); Associate: Carina Klaes-Staudt (M&A/Immobilienrecht)

Insolvenzverwaltung
Brinkmann & Partner (Hamburg): Berthold Brinkmann (Insolvenzverwalter), Dr. Tobias Brinkmann, Dr. Matthias Wolgast (alle Insolvenzrecht)

Berthold Brinkmann

Berthold Brinkmann

Hintergrund: Berthold Brinkmann ist seit August 2012 Verwalter der P+S-Werften, die in Stralsund und Wolgast angesiedelt sind. Bereits vor einem Jahr gelang der Verkauf der Wolgaster Peene-Werft an die Bremer Lürssen-Gruppe. Lürssen hatte 2012 auch einen Teil der ebenfalls von Brinkmann verwalteten insolventen Sietas-Werften in Hamburg erworben. Als Berater von Lürssen war CMS Hasche Sigle aktiv.

Die staatlichen Beihilfen für die Werft vor und während der Insolvenz sind Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Philipp Werner und Dr. Boris Uphoff von McDermott Will & Emery vertreten das Land Mecklenburg-Vorpommern in einem laufenden Staatshaftungsprozess. Der Zulieferer KLH Selck, vertreten von Matthias Mück von M&B Rechtsanwälte in Rostock, will Schadensersatz vom Land. Es geht um den Vorwurf, dass Zulieferer im Vertrauen auf eine vom Land zugesagte Bürgschaftszusage an die Werft geliefert haben und später einen Forderungsausfall hinnehmen mussten, weil das Land sich doch gegen die Rettungsbeihilfe entschieden habe.

Ein weiterer Streit betrifft ein Sanierungsgutachten von KPMG aus dem Jahr 2009, dessen Inhalt verschiedene Altgesellschafter der Werften infrage stellen. Soweit bekannt, zieht der Insolvenzverwalter allerdings seinerseits die Altgesellschafter zur Verantwortung.

Dechert-Partner Pappalardo ist erfahren bei Transaktionen mit Restrukturierungshintergrund und beriet 2009 bereits Igor Jussufow, den Vater des Nordic-Eigners Witali Jussufow. Damals übernahm der einstige russische Energieminister die Traditionswerft Wadan, die ebenfalls von einem Brinkmann-Anwalt verwaltet wurde. (Markus Lembeck, Parissa Kerkhoff)

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