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14.05.2014

Verkauf abgebrochen: HRE muss Depfa mit Inhouse-Hilfe in die Abwicklung schicken

Der Verkauf der deutsch-irischen Depfa Bank ist gescheitert. Stattdessen wird das staatseigene Institut nun in der Bad Bank der Hypo Real Estate Holding (HRE) abgewickelt. Dies teilte der Lenkungsausschuss der Finanzmarktstabilisierungsanstalt FMSA mit. Zur Begründung führte er an, dass eine Abwicklung einen höheren Wert erbringe als ein Verkauf. Zuvor hatte der Bund eine 320 Millionen Euro schwere Offerte des Finanzinvestors Leucadia und des Versicherers MassMutual abgelehnt.

Alexander Rang

Die HRE hatte den Verkaufsprozess ihrer Tochter im Spätsommer vergangenen Jahres eingeleitet und kam damit Auflagen der EU-Kommission nach, wonach die Privatisierung der Depfa bis Ende 2015 erfolgen muss. Die Citigroup begleitete das Bieterverfahren. Zahlreiche Kaufinteressenten, darunter auch die Investoren Apollo, Mead Park Management, Third Point sowie Och-Ziff/Blackstone waren im Rennen. Ab Januar 2014 verhandelte die HRE zusammen mit der FMSA mit einem kleineren Kreis von Bietern.

Nachdem der Verkauf gescheitert ist, soll die Depfa nun durch die FMS Wertmanagement übernommen und abgewickelt werden. Die Bad Bank war 2010 gegründet worden, um die Risikopositionen der gesamten HRE-Gruppe zu verwalten.

Der Immobilienfinanzierer HRE hatte den Staatsfinanzierer Depfa 2007 für 5,7 Milliarden Euro übernommen. Im Zuge der Finanzkrise geriet dieser 2008 in Schwierigkeiten und brachte damit auch seine Mutter HRE in eine existenzbedrohende Lage. Lediglich mit diversen staatlichen Rettungspaketen konnte die HRE gestützt werden und wurde in der Folge verstaatlicht. 2010 übernahm der Bund dann Vermögenswerte der Depfa in Höhe von 131 Milliarden Euro. Inzwischen betrage das Kernportfolio der deutsch-irischen Bank noch 34 Milliarden Euro.

Berater HRE/ Depfa
Inhouse Recht (HRE; Unterschleißheim): Dr. Nils Wunderlich (Federführung), Dr. Heiner Bendfeld (Leiter Recht)
Inhouse Recht (Depfa; Dublin): Nick Pheifer
Arthur Cox (Dublin) – aus dem Markt bekannt
Hengeler Mueller (Frankfurt): Alexander Rang – aus dem Markt bekannt
Gleiss Lutz (Hamburg): Dr. Fred Wendt (Federführung); Associates: Dr. Urszula Nartowska, Christian Zimmermann (alle Gesellschaftsrecht)
Linklaters (Brüssel) – aus dem Markt bekannt
Allen & Overy (Luxemburg) – aus dem Markt bekannt
Shearman & Sterling (New York) – aus dem Markt bekannt

Berater SoFFin/FMSA
Inhouse Recht (Frankfurt): Bernd Giersberg (Leiter Recht)
William Fry (Dublin): Shane Kelleher – zum irischen Recht
Hogan Lovells (Frankfurt): Dr. Tim Brandi (Gesellschaftsrecht/M&A; Bankaufsichtsrecht) – zum deutschen Recht

Berater FMS Wertmanagement
Inhouse Recht (München): Dr. Peter Schad (Leiter Recht) – aus dem Markt bekannt
Mason Hayes & Curran (Dublin): Daragh Bohan – aus dem Markt bekannt
WilmerHale
(Berlin): Martin Seyfarth – aus dem Markt bekannt

Berater Leucadia /Mass Mutual
A&L Goodbody (Dublin): Alan Casey – aus dem Markt bekannt
Simmons & Simmons (Düsseldorf): Dr. Hans-Hermann Aldenhoff (Federführung), Michael Bormann (Gesellschaftsrecht/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater Mead Park Management
A&L Goodbody (Dublin): Eithne Fitzgerald (Gesellschaftsrecht/M&A)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Matthias-Gabriel Kremer (Federführung), Philip Richards (London; beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Andreas von Bonin (EU-Beihilferecht/-Kartellrecht; Brüssel), Jonathan Shann, Alan Newton (beide London), Bernhard Kaiser (alle Finanzrecht), Mark Kalderon (Bankaufsichtsrecht; London); Associates: Dr. Andreas Stefanski, Sarah-Jane Mulryan (London; beide Gesellschaftsrecht/M&A), Thomas Wilson (EU-Beihilferecht/-Kartellrecht; Brüssel), Thomas Capon, Philip O’Mara (beide London), Alexander Ruschkowski (alle Finanzrecht)
Arendt & Medernach (Luxmeburg): Guy Harles – zum luxemburgischen Recht
Sullivan & Cromwell (New York): Mitchell Eitel, Jared Fishman – zum US-Recht

Berater weitere Bieter: Nicht bekannt

Hintergrund: Da die Depfa ihren Sitz in Dublin hat und viele Aspekte dem irischen Recht unterliegen, waren nahezu alle größeren irischen Kanzleien an dem Bieterverfahren beteiligt. Da der lokale Wirtschaftskanzleimarkt sehr klein ist, waren die Rollen auf Verkäufer und Bieterseite schnell verteilt. Arthur Cox hatte die HRE bereits 2007 beim Kauf der Depfa beraten. William Fry ist dem Vernehmen nach erstmals für den SoFFin tätig gewesen. Unter den Kaufinteressenten agierte A&L Goodbody mithilfe unterschiedlicher Teams und sogenannten Chinese Walls für mindestens zwei der Bieter.

Hans-Hermann Aldenhoff

Lange war Shearman die Hauskanzlei des Immobilienfinanzierers HRE, sie steuerte 2007 auch den milliardenschweren Zukauf der Depfa. Im aktuellem Verkaufsprozess waren jedoch nur die US-Anwälte der Sozietät beteiligt. Zum deutschen Recht lag die Federführung bei dem jungen Hengeler-Partner Rang aus Frankfurt.

Hengeler konnte sich in den vergangenen Jahren entscheidend für das M&A-Mandat bei der HRE positionieren. Mit ihrer Arbeit beim Aufbau der Ersten Abwicklungsanstalt (EAA) der WestLB im Rücken, betreute die Kanzlei 2010 die Gründung der HRE-Bad-Bank FMS Wertmanagement sowie die Auslagerung der Risikopositionen. Den Weg dahin ebneten auch Linklaters und  Freshfields Bruckhaus Deringer. Beide Kanzleien berieten die Bundesregierung im Rahmen der Finanzmarktstabilisierung sowie beim seinerzeit umstrittenen Enteignungsgesetz.

Die FMSA setzte mit Hogan Lovells auf eine bewährte Beraterin, der Frankfurter Partner Brandi hat den Bankrettungsfonds bereits mehrfach beraten.

Simmons kam über die jahrelangen Beziehungen zur US-Investmentbank Jefferies in das Mandat. Diese war zum Jahresende 2012 mit dem Finanzinvestor Leucadia fusioniert, dem letztlich verbliebenen Bieter für die Depfa-Bank. Freshfields setzte sich dem Vernehmen nach bei der Beteiligungsgesellschaft Mead Park Management in einem Pitch durch. (Marcus Jung)

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