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12.05.2014

Vorerst gerettet: Paragon steigt mit Dentons bei Weltbild ein, Verlagsgruppe bleibt erhalten

Die insolvente Augsburger Verlagsgruppe Weltbild steht vor der Rettung. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Paragon Partners übernimmt die Mehrheit an dem kirchlichen Verlag, Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bleibt stellvertretend für die Gläubiger als Minderheitsgesellschafter an Bord. Dies sieht der Vorvertrag zwischen dem Insolvenzverwalter aus Neu-Ulm und dem Finanzinvestor vor.

Andreas Ziegenhagen

Die Vereinbarung beinhaltet die Gründung einer neuen Gesellschaft. In diese sollen laut dem Insolvenzverwalter sämtliche Betriebsteile überführt werden, also die bundesweit 220 Filialen sowie die Auslandsgesellschaften in der Schweiz und in Österreich. Paragon steigt im Wege einer Kapitalerhöhung bei der neuen Gesellschaft ein, bei der auch die Interessen der Gläubigerbanken durch Geiwitz gewahrt bleiben.

Hinter dem 2004 gegründeten Investor Paragon stehen mehrere Corporate-Finance-Berater aus dem Umfeld der früheren Unternehmensberatung Arthur Andersen und des Private-Equity-Hauses Triton. Eigenen Angaben zufolge investiert Paragon vor allem in Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand.

Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags im Januar hatte der Weltbild-Konzern über 6.800 Mitarbeiter, davon arbeiteten alleine am Stammsitz Augsburg über 2.300. Gesellschafter der Verlagsgruppe sind zwölf katholische Bistümer, der Verband der Diözesen Deutschlands und die Soldatenseelsorge Berlin. Noch Ende April hatte Insolvenzverwalter Geiwitz angekündigt, 53 Weltbild-Filialen von insgesamt 220 zu schließen. Von dieser Maßnahme sollten 293 Mitarbeiter betroffen sein. Nach der heutigen Vorstellung des Konzepts dürften diese Pläne überholt sein.

Berater Paragon
Dentons (Berlin): Andreas Ziegenhagen, Dr. Bernd Schumann – aus dem Markt bekannt
Naegele (Stuttgart): Dr. Sebastian Frahm (Arbeitsrecht)

Insolvenz- und Sachwaltung Weltbild
Schneider Geiwitz & Partner (Neu-Ulm): Arndt Geiwitz (vorläufiger Insolvenzverwalter Weltbild), Christian Plail (Sachwalter Weltbild Plus; Augsburg), Dr. Hans Machreich (Federführung Vertragsgestaltung/Gesellschaftsrecht), Margit Fink  (Arbeitsrecht), Ulrich Honold, Oliver Brückner (beide Steuerrecht), Peter Wieland (M&A), Gertrud Stemberger (Gesellschaftsrecht; Augsburg), Dr. Andreas Schrettl  (Vertragsrecht; München)

Berater Gläubigerausschuss: Nicht bekannt

Hintergrund: Paragon zählt zu den langjährigen Mandanten der Berliner Kanzlei Raue. So beriet ein Team um Partner Prof. Dr. Andreas Nelle den Investor etwa 2012 beim Kauf der B2B -Lieferanten-Suchmaschine “Wer liefert was?”. In der Folge konnte sich aber auch die Dentons-Vorgängerkanzlei Salans an der Seite der Beteiligungsgesellschaft positionieren, insbesondere beim Käufen aus der Insolvenz, wie etwa dem Erwerb des Motorrad- und Motorradzubehörhändlers Polo. Soweit bekannt, berät die Stuttgarter Arbeitsrechtsboutique Naegele die Münchner Investorengruppe seit Jahren in Teilgebieten des Arbeitsrechts.

Der anerkannte Sanierungsexperte Arndt Geiwitz stand seit Mitte 2012 vor allem als Insolvenzverwalter der Drogeriekette Schlecker im Blickpunkt. Anfang dieses Jahres ernannte ihn das Amtsgericht Augsburg dann zum vorläufigen Insolvenzverwalter von Weltbild. In der Folge gelang es Geiwitz – unter anderem mithilfe eines größeren Linklaters-Teams – die Verflechtungen zwischen Weltbild und der Münchner Buchhändlerkette Hugendubel zu lösen. Mit der Kanzlei arbeitet Geiwitz seit der Schlecker-Insolvenz zusammen. Dabei lag der Schwerpunkt auf dem Verkauf von Schlecker-Auslandsbeteiligungen. In Deutschland greift der Insolvenzverwalter üblicherweise auf die Anwälte seiner eigenen Kanzlei zurück. (Marcus Jung)

 

 

 

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