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14.08.2014

Berggruen steigt aus: Signa erhält Karstadt mit McDermott komplett

Der österreichische Investor René Benko übernimmt Karstadt über seine Unternehmensgruppe Signa komplett. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen soll Benko zuvor gebeten haben, ihn als Gesellschafter abzulösen. Der Kaufpreis beträgt einen Euro, so Berggruen Holdings. Signa will sich nun auf die Sanierung des 17.000 Mitarbeiter starken Unternehmens konzentrieren. Das Kartellamt gab grünes Licht.

Jens Ortmanns

Jens Ortmanns

Signa Retail erhält sämtliche Anteile der Berggruen Holdings an der Sparte Karstadt Warenhaus mit ihren 83 traditionellen Filialen sowie Berggruens verbliebene Beteiligung an den Sparten Karstadt Premium und Karstadt Sports. Der Rückzug von Berggruen betrifft hier sowohl das operative Einzelhandelsgeschäft als auch die Beteiligung an einzelnen Karstadt-Immobilien.

Berggruen hatte den insolventen Karstadt-Konzern 2010 ebenfalls für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen. 2013 sicherten sich Benko und sein Unternehmen Signa bereits die Mehrheit am operativen Geschäft der Sparten Sport und Premium. Kurz darauf beteiligte Benko den israelischen Investor Beny Steinmetz an den Geschäften.

Benkos Signa Holding und die BSG Real Estate von Steinmetz halten seither jeweils 37,55 Prozent an beiden Geschäftsbereichen. Grundlage für die aktuelle Übernahme der Berggruen-Anteile durch Signa ist allerdings nicht die ursprünglich vereinbarte Call-Option aus dem vergangenen Jahr, sondern ein komplett neu ausgehandeltes Vertragswerk.  

Berater Signa
McDermott Will & Emery (Düsseldorf): Dr. Jens Ortmanns (Immobilienrecht), Dr. Matthias Kampshoff (Gesellschaftsrecht/Restrukturierung; beide Federführung), Sebastian von Lossow; Dr. Jan Hückel (beide Gesellschaftsrecht), Dr. Kian Tauser (Steuern; Frankfurt/München), Annette Keller (Steuern; München), Philipp Werner (Kartellrecht; Brüssel), Dr. Oliver Lieth (Finanzrecht); Associates: Dr. Marc Oberhardt, Dr. Thomas Ammermann, Dr. Christine Gömöry, Dr. Thomas Gennert (beide Gesellschaftsrecht), Dustin Schwerdtfeger (Finanzierung), Gregor Lamla, Dr. Anja Zelfel (beide Immobilienrecht), Dr. Christian Schuster (Steuern; München), Claus Färber, Steffen Woitz (beide Gewerblicher Rechtsschutz; München)

Nikolaus Arnold

Nikolaus Arnold

Berater René Benko
Arnold (Wien): Dr. Nikolaus Arnold – aus dem Markt bekannt

Berater Nicolas Berggruen
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Nils Koffka (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Christian Ruoff (Steuerrecht), Dr. Peter Niggemann (Kartellrecht; Düsseldorf); Associates: Olaf Ehlers, Dr. Philipp Dohnke (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Sabrina Raatz (Kartellrecht; Düsseldorf)

Hintergrund: McDermott berät die österreichische Signa bereits seit etwa drei Jahren in Deutschland. So setzte das Unternehmen schon beim Einstieg in die ersten beiden Karstadt-Sparten auf die Kanzlei. Der Kontakt kam über den Düsseldorfer Immobilienrechtler Ortmanns zustande. Mittlerweile beschäftigt Signa aber über das Immobilienrecht hinaus alle drei McDermott-Standorte.

Die Wiener Kanzlei Arnold gilt als Hauptberaterin von René Benko. JUVE-Recherchen zufolge war Partner Nikolaus Arnold dieses Mal aber nur für Benko persönlich und nicht für Signa tätig. Das könnte mit Benkos Verurteilung zu einer einjährigen Bewährungsstrafe zusammenhängen, die das Oberlandesgericht Wien erst vor wenigen Tagen bestätigte. Verurteilt worden war Benko wegen verbotener Intervention in einer Steuersache. Er kündigte in österreichischen Medien an, sich gegen das Urteil zu wehren.

Nils Koffka

Nils Koffka

Verteidigt wurde der Immobilienunternehmer in dem OLG-Verfahren vom Wiener Strafverteidiger Dr. Dieter Böhmdorfer. In den Vorinstanzen vertraute er JUVE-Recherchen zufolge auf Dr. Ernst Schillhammer. Signa teilte nach dem Richterspruch mit, dass die Verurteilung keine Auswirkungen auf die Geschäftsabläufe haben werde. Benko hatte sich bereits vor einiger Zeit aus dem operativen Geschäft von Signa zurückgezogen.

Freshfields hatte Berggruen und dessen Holding schon im Bieterverfahren um die Warenhäuser des insolventen Karstadt-Konzerns begonnen zu begleiten. (Laura Lotz, Marcus Jung)

Artikel aktualisiert am 21. August 2014.

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