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11.09.2014

Media-Saturn-Machtkampf: Noerr und Clifford ringen für Kellerhals und Metro um Lösung

In den Machtkampf um Europas größten Elektronikhändler Media-Saturn kommt Bewegung. Die Gesellschafter Metro und Mitgründer Erich Kellerhals, die seit Jahren erbittert streiten, suchen nun jenseits des Gerichtssaals eine Lösung.

Gerald Reger

Gerald Reger

Vor einigen Wochen hatten Medien bereits berichtet, dass verschiedene Modelle geprüft werden, die auf eine Trennung der zerstrittenen Gesellschafter hinauslaufen. Den Berichten zufolge hat Kellerhals die Investmentbank Morgan Stanley damit beauftragt, auf Investorensuche zu gehen. Kellerhals prüft danach auch die Chance, dem Metro-Konzern dessen Anteil von 78 Prozent abzukaufen. Eine andere Variante soll die Ausgliederung bei Metro und ein anschließender Spin-off sein. Im zweiten Fall könnte Kellerhals Anteile anderer Aktionäre zukaufen. Öffentlich hat der 74-Jährige bereits erklärt, dass er seinen Einfluss behalten und stärken möchte.

Auf der anderen Seite lotet Metro mit Hilfe der Deutschen Bank verschiedene Möglichkeiten aus und prüft offenbar ebenfalls alle Varianten. Dazu gehören der Zu- oder Verkauf von Anteilen, ein Börsengang oder eine Abspaltung der Tochter.

Arndt Stengel

Arndt Stengel

Der Streit der Gesellschafter beschäftigt Media-Saturn seit Jahren. Media-Saturn-Mitgründer Kellerhals besitzt 22 Prozent der Anteile an dem Konzern und hat mittels der Gesellschafterversammlung Vetorechte bei grundlegenden Entscheidungen. Wie weitgehend diese Rechte sind, ist heftig umstritten. Mit dem Mehrheitsanteil von 78 Prozent versucht der Metro-Konzern seit 2011, über einen neu eingerichteten Beirat mit Majorität durchzuregieren. Die Einrichtung des Beirats war möglich geworden, weil keiner der Media-Markt-Gründer mehr operativ tätig ist. Das OLG München und ein Schiedsgericht hatten grundsätzlich entschieden, dass die Einrichtung des Gremium rechtens war.

Den Wert der größten Elektronikkette Europas taxieren Marktkenner auf rund fünf Milliarden Euro.

Vertreter Metro
Clifford Chance
(München): Dr. Arndt Stengel (Gesellschaftsrecht) – aus dem Markt bekannt
Bub Gauweiler & Partner (München): Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Bub, Franz Enderle, Dr. Peter Gauweiler (alle Prozessrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Düsseldorf): Dr. Dieter Haag Molkenteller (General Counsel), Dr. Winfried Richardt (Federführung; Leiter Corporate Recht), Bernd Steffes-mies

Vertreter Kellerhals
Noerr (München): Dr. Gerald Reger (Federführung), Dr. Dieter Schenk (beide Gesellschaftsrecht) – aus dem Markt bekannt
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Martin Schockenhoff (Federführung), Dr. Rüdiger Zeller (Hamburg), Dr. Eric Wagner, Dr. Thorsten Gayk (alle Prozessrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Vor allem auf der Metro-Seite gab und gibt es einige interessante Entwicklungen während der Auseinandersetzung mit Kellerhals. Prozessrechtlich hatte der Konzern zunächst Hengeler Mueller mandatiert, dann übernahm jedoch Bub Gauweiler das Mandat. Offenbar spielten für diese Entscheidung die guten Beziehungen der Münchner Kanzlei in der bayerische Justiz eine wichtige Rolle. Pikant: Metro-Aufsichtsratsmitglied Jürgen Fitschen soll damals den Mandatierungswechsel befürwortet haben. Der heutige Deutsche Bank-Chef musste sich später selbst mit Bub Gauweiler im Streit mit der Kirch-Gruppe auseinandersetzen.

Für die jetzt notwendige komplexe gesellschaftsrechtliche Beratung schied Hengeler Mueller – trotz der guten Beziehung zum Metro-Anteilseigner Haniel – aufgrund dieser Vergangenheit aus. Überdies ist ihr außergewöhnlich enges Verhältnis zu der von Metro beauftragten Deutschen Bank seit der Causa Kirch zumindest teilweise belastet. So erhielt Clifford den Zuschlag für die Corporate-Beratung. Allerdings geht der Mandatierung von Clifford eine lange Beziehung voraus. Hengeler Mueller, namentlich Dr. Andreas Austmann, berät Metro jedoch weiterhin in aktien- und gesellschaftsrechtlichen Fragen, auch in Bezug auf Media-Saturn.(Volker Votsmeier)

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