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12.09.2014

Stellenabbau: Benko vertraut bei Karstadt-Sanierung auf Seitz

Nach der Übernahme des Warenkonzerns Karstadt durch den Immobilieninvestor René Benko steht dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern ein harter Sanierungskurs bevor. Das Unternehmen wird möglicherweise verlustreiche Filialen schließen, Presseberichten zufolge sollen bis zu 30 Kaufhäuser davon betroffen sein. Mehrere Tausend der über 17.000 Karstadt-Mitarbeiter würden dann ihren Arbeitsplatz verlieren.

Stefan Seitz

Stefan Seitz

Der neue Aufsichtsrat der Warenhauskette Karstadt trat gestern zum ersten Mal nach der Benko-Übernahme zusammen. Im Zuge der Sitzung stellte Finanzvorstand Miguel Müllenbach das geplante Sanierungskonzept vor. Das Management habe festgestellt, dass die seit 2011 verfolgte Strategie wirtschaftlich fehlgeschlagen sei. Eine Fortführung würde die Verluste mittelfristig weiter ansteigen lassen, heißt es in einer Pressemitteilung des Konzerns. Details des Sanierungskonzepts sind bisher nicht bekannt. Die sollen nun bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 23. Oktober mit den Arbeitnehmervertretern besprochen werden.

Fest steht allerdings, das die drei Premiumhäuser des Konzerns – das KaDeWe in Berlin, das Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg – nicht vom Sparkurs betroffen sind. Künftig sollen die drei Häuser unter dem neuen Namen „The KaDeWe Group“ auftreten. Laut Medienberichten will Benko expandieren und denkt über die Eröffnungen weiterer Häuser in Frankfurt, Wien und Prag nach.

Berater Signa Group/René Benko
Seitz (Köln): Dr. Stefan Seitz, Stefan von Broich, Dr. Joachim Trebeck; Associates Dr. Patrick Esser, Dr. Jeremy Bister, Christoph Martens

Berater Karstadt Gesamtbetriebsrat
Apitzsch Schmidt Klebe (Frankfurt): Wolfgang Apitzsch

Berater Ver.di
Decruppe & Kollegen (Köln): Hans Decruppe

Hintergrund: Die Beteiligten setzen auf erfahrene und zum Teil langjährige Berater. Seitz beriet die Karstadt Warenhaus-Sparte bereits bei Tarifverhandlungen unter dem ehemaligen Eigentümer Nicolas Berggruen. Nun konnte sie sich auch bei Neu-Eigentümer Benko platzieren und übernimmt darüber hinaus auch die Vertretung bei den Tarifverhandlungen für die Sport- und Premium-Kaufhäuser. Die Kanzlei beriet zuletzt die Modefirma Esprit bei Verhandlungen zum Unternehmenstarifvertrag und die Baumarktkette Praktiker bei deren Sanierungsprozess.

Auch die Arbeitnehmerseite setzt auf bewährte Vertreter: Ver.di-Anwalt Decruppe ist bekannt für seine besondere Kompetenz in Tarifverhandlungen. Er berät die Gewerkschaft bereits seit 2004 in tarifrechtlichen Angelegenheiten im Zusammenhang mit Karstadt. 

Der Gesamtbetriebsrat vertraute zum wiederholten Mal auf den bekannten Frankfurter Arbeitnehmeranwalt Wolfgang Apitzsch. Dieser beriet zuletzt etwa die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Thyssen Krupp im Zusammenhang mit Mitbestimmungsrechten, sowie den Konzernbetriebsrat des Autobauers Opel. (Laura Bartels)

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