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16.10.2014

Immobilien-IPO: TLG wagt mit Sullivan und Freshfields Sprung an die Börse

Der Gewerbeimmobilienkonzern TLG hält trotz des gegenwärtigen Abwärtstrends an den Kapitalmärkten an seinem für die kommende Woche anvisierten Börsengang fest. Mithilfe eines Konsortiums um JP Morgan und die UBS peilt das erst vor zwei Jahren privatisierte Berliner Unternehmen ein Emissionsvolumen von bis zu 451 Millionen Euro an.

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Carsten Berrar

Der Löwenanteil des Geldes geht an den Finanzinvestor Lone Star, der TLG Immobilien im Zuge der Privatisierung für 1,1 Milliarden Euro vollständig übernommen hatte. Die Beteiligung von Lone Star sinkt auf rund 40 Prozent. TLG Immobilien selbst sollen 100 Millionen Euro aus einer mit dem Börsengang verbundenen Kapitalerhöhung zufließen. Das Geld will der aus einer Tochter der Treuhandgesellschaft stammende Konzern in Zukäufe investieren. Weitere Finanzmittel sollen aus Verkäufen eigener Immobilien kommen.

Im Juni hatte TLG 188 Objekte zum Verkauf gestellt, deren Wert auf rund 170 Millionen Euro veranschlagt worden sind. Insgesamt wird der Wert des TLG-Immobilienportfolios auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Die Schulden liegen bei 700 Millionen Euro.

Berater TLG Immobilien
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Thorsten Deblitz (General Counsel)
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar, Dr. Krystian Czerniecki

Berater Banken
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Rick van Aerssen, Dr. Andreas König
Inhouse Recht (JP Morgan; London): Mark Williams
Inhouse Recht (UBS; Frankfurt): Clemens Taupitz

Berater Lone Star
Allen & Overy: Dr. Oliver Seiler (Frankfurt), Dr. Hans Diekmann (Düsseldorf)

Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Hintergrund: TLG setzte erstmals überhaupt auf Sullivan & Cromwell, deren Eigenkapitalmark-Praxis zu den angesehensten hierzulande zählt – speziell in der Immobilienbranche. So begleitete sie auch die letzten beiden großen Börsengänge von Immobilienkonzernen: der LEG Immobilien und der Deutschen Annington. Zudem stand Sullivan der Deutsche Wohnen bei mehreren großen Transaktionen zur Seite.

Die Beziehung zur Deutsche Wohnen war dabei so etwas wie der Ausgangspunkt für den stärkeren Fokus auf die Beratung von klassischen Unternehmen, nachdem die Sozietät viele Jahre vorwiegend Banken bei Kapitalmarktdeals begleitete. Inzwischen ist die Praxis diversifizierter, wie unlängst die Arbeit am IPO von Rocket Internet und des Dachpfannenherstellers Braas Monier unterstreicht.

Mit Freshfields treffen die Sullivan-Anwälte sehr regelmäßig bei bedeutenden Deals zusammen, wobei sich die Arbeit an der Seite von Emittenten und Banken munter abwechselt. So beriet Freshfields etwa zuletzt Zalando bei deren IPO und Sullivan die Banken, beim Börsengang der Deutsche Annington war es umgekehrt.

Der TLG-Eigner Lone Star hatte beim Erwerb von TLG vor zwei Jahren auf Noerr und deren anerkanntes Immobilienteam gesetzt. Nun wählte der US-Investor mit Allen & Overy eine ebenfalls sehr anerkannten Kapitalmarktpraxis, die insbesondere aus London schon häufiger für ihn gearbeitet hat. So beriet Allen & Overy vor zwei Jahren beim Kauf eines milliardenschweren Pakets von Immobilienkrediten der untergegangenen Investmentbank Lehman Brothers. (René Bender)

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