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03.11.2014

Nürburgring wird russisch: Göddecke begleitet NR Holding beim Einstieg

Der Nürburgring hat einen zahlungskräftigen Investor gefunden. Wie die Ringsanierer Prof. Dr. Dr. Thomas Schmidt und Jens Lieser mitteilten, steigt die NR Holding des russischen Milliardärs Viktor Kharitonin bei Capricorn Nürburgring (CNBG) ein. Die zweite und dritte Kaufpreisrate ist bereits bei den Verwaltern eingegangen.

Marc Gericke

Marc Gericke

Ursprünglich hatten im März der Düsseldorfer Automobilzulieferer Capricorn und der Mitinvestor GetSpeed für 77 Millionen Euro den Zuschlag erhalten. Zuletzt wurde allerdings bekannt, dass der Capricorn-Chef Robertino Wild die zweite vereinbarte Kaufpreisrate über fünf Millionen Euro nicht aufbringen konnte. Unter anderem soll die Deutsche Bank, die Kreditmittel zur Verfügung stellte, ihre Finanzierungszusage zurückgezogen haben. Zum Monatsbeginn hatte Wild die Capricorn-Anteile an CNBG dann an einen Treuhänder abtreten müssen.

Investor Kharitonin übernimmt die Mehrheit von CNBG, daneben bleibt GetSpeed weiterhin Mitgesellschafter. Kharitonin ist Großaktionär des russischen Arzneimittelherstellers Pharmstandard. Sein Vermögen, welches das US-Wirtschaftsmagazin Forbes auf über eine Milliarde US-Dollar schätzt, verwaltet er über diverse Holdings mit Sitz auf Zypern.

Erst vor wenigen Wochen hatte die EU-Kommission ihr Beihilfeverfahren im Zusammenhang mit dem Nürburgring abgeschlossen. Brüssel erklärte die staatlichen Subventionen für die Rennstrecke für unzulässig, insgesamt ging es um 456 Millionen Euro. Den Verkauf des Nürburgrings an CNBG billigte die Kommission dagegen.

Berater NR Holding
Göddecke (Siegburg): Marc Gericke (Federführung), Hartmut Göddecke, Patrick Elixmann

Gerhard Schmidt

Gerhard Schmidt

Berater Ringsanierer
Weil Gotshal & Manges (Frankfurt): Prof. Dr. Gerhard Schmidt, Dr. Christian Tappeiner – aus dem Markt bekannt
Müller-Wrede & Partner (Berlin): Christoph von Donat (Beihilferecht) – aus dem Markt bekannt

Berater GetSpeed
Dechert (München): Federico Pappalardo (Gesellschaftsrecht/M&A),  Dr. Olaf Fasshauer (Finanzierung), Prof. Dr. Hans Meyer-Lindemann (Kartellrecht; Brüssel) – aus dem Markt bekannt

Sanierung Nürburgring
Lieser (Koblenz): Jens Lieser (Sachwalter), Dr. Alexander Jüchser
König (Trier): Prof. Dr. Dr. Thomas Schmidt (Sanierungsgeschäftsführer)

Hintergrund: Eine Überraschung ist die Beteiligung der Siegburger Kanzlei Göddecke aufseiten des Käufers NR Holding. Sie ist bundesweit vor allem als Prozessvertreterin für Kapitalanleger bekannt. In dem konkreten Mandat wurde Göddecke direkt von der ausländischen Mandantin angesprochen, das Team unter Federführung von Gericke begleitete in den letzten Oktobertagen die Übertragung der Geschäftsanteile innerhalb der CNBG. Die vorherige Legal Due Diligence soll das Käufervehikel intern gestemmt haben.

JUVE-Recherchen entschieden sich die Ringsanierer zudem dazu, eine neue Kanzlei für die Suche nach einem Ersatzinvestor einzubinden. Das ursprüngliche Verkaufsverfahren, aus dem Capricorn als Gewinner hervorging, hatte noch KPMG Law betreut. Das Team um den Frankfurter Partner Dr. Volker Balda war nun in Fragen, die den alten Kaufvertrag angingen, zwar weiterhin eingebunden.

Allerdings hatte Weil Gotshal JUVE-Informationen zufolge nach einem Pitch im Frühsommer den Auftrag erhalten, die Sanierer bei der weiteren Zukunft des Nürburgrings zu beraten. So betreute ein Team um den Frankfurter Weil-Partner Schmidt den aktuellen Deal mit dem russischen Milliardär Kharitonin. Schmidt ist besonders erfahren mit Transaktionen im Sanierungszusammenhang. Die Financial Due Diligence oblag weiterhin der WP-Gesellschaft KPMG.

Capricorn hatte sich in dem vorausgegangenen Investorenprozess mit McDermott Will & Emery durchgesetzt. Mitstreiter waren HIG European Capital Partners, die auf Freshfields Bruckhaus Deringer vertraut hatten, und der US-Konzern Nexovation, der ein Team um Dr. Alexander von Bergwelt von Norton Rose Fulbright mandatiert hatte.

Laut einer in der ,Allgemeinen Zeitung Mainz‘ veröffentlichten E-Mail soll Nexovation über einen US-Anwalt aus Nashville bereits 2013 bis zu 300 Millionen Euro für den Nürburgring geboten haben. Mitte September traf eine Nexovation-Delegation mit Norton Rose-Anwälten die rheinland-pfälzische Landesregierung. Weiterhin stehen hier mögliche Klagen gegen das Bundesland im Raum. (Marcus Jung, Parissa Kerkhoff)

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