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25.12.2014

Aktienrückkauf: Latham begleitet Rhön bei ungewöhnlicher Andienungsstruktur

Das Rhön-Klinikum hat rund 66 Millionen eigene Aktien im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro zurückgekauft. Die sehr hohe Ausschüttung an eine zudem sehr heterogene Aktionärsstruktur sollte möglichst kursschonend und steuerbegünstigt erfolgen. Der Rückkauf bediente sich dabei einer innovativen Struktur, die in Deutschland erstmals genutzt wurde.

Henning Schneider

Henning Schneider

Ziel der Transaktion war es unter anderem, die Aktionäre an dem Gewinn zu beteiligen, der sich aus dem Verkauf der Rhön-Kliniken an Fresenius ergab. Ein börslicher Andienungshandel ergänzte das öffentliche Rückkaufangebot. Aktionäre konnten dadurch ähnlich wie bei einem Bezugsrechtehandel ihre Andienungsrechte veräußern, wenn sie das Angebot nicht annehmen wollten. Zudem konnten Aktionäre, die überproportional andienen wollten, Andienungsrechte hinzukaufen. Dies öffnete den Weg zu größeren Veränderungen in der Struktur der Anteilseigner.

Unter diesen hatten zuletzt einige Großaktionäre, etwa der Medizintechnikkonzern B.Braun (etwa 18 Prozent) und die private Klinikkette Asklepios (mehr als fünf Prozent), andere Interessen als Unternehmensgründer Eugen Münch verfolgt. Rhön entwickelte die Struktur gemeinsam mit der Frankfurter Börse, die Bundesfinanzaufsicht BaFin erteilte schon grünes Licht. Die Andienungsquote lag letztlich bei 98 Prozent.

Berater Rhön
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Henning Schneider (Federführung; M&A), Dr. Dirk Kocher (Aktien-/Kapitalmarktrecht), Dr. Götz Wiese (Steuern); Associates: Dr. Andreas Lönner (Aktien-/Kapitalmarktrecht), Dr. Philipp Lukas (Steuern)

Berater Rhön-Aufsichtsrat
Seufert (München): Dr. Bernhard Lambrecht, Dr. Johannes Gruber – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Latham ist bei Rhön in der jüngeren Vergangenheit zusehends stärker in die Verantwortung gerückt. Bei dem ersten, gescheiterten Kaufangebots des Wettbewerber Fresenius hatte die Sozietät noch vor allem den Rhön-Aufsichtsrat beraten. Bei der zweiten Offerte, bei der Fresenius und Rhön durch einen überraschenden Vorstoß durch die Hintertür die Widerstände gegen die ursprünglich geplante Transaktion ins Leere laufen ließen, übernahm Latham dann die entscheidende Beraterrolle an Rhöns Seite.

Der Hamburger Partner Schneider gilt bei Transaktionen im Gesundheitswesen als sehr erfahren. Seufert kennt den Rhön-Konzern schon länger gut und war in der Vergangenheit immer wieder eingebunden. So begleitete die Sozietät einen Streit um die Besetzung des Aufsichtsrats gegen den Großaktionär B. Braun. (René Bender)

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