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01.12.2014

Umstrukturierung: E.on verabschiedet sich mit Linklaters von Gas, Kohle und Atom

E.on steigt aus dem Geschäft mit konventionellen Energien aus. Die Energieerzeugung aus Kohle, Gas und Atomstrom will das Unternehmen 2016 in eine eigene Gesellschaft abspalten und an die Börse bringen. 20.000 Mitarbeiter sind betroffen. Der bislang größte deutsche Energiekonzern will sich künftig auf das Geschäft mit Ökostrom konzentrieren. 

Ralph Wollburg

Ralph Wollburg

Die Mehrheit an der neu zu formenden Gesellschaft sollen die bisherigen E.on-Aktionäre halten. Den Rest will der Versorger schrittweise an die Börse bringen. Der Konzern lagert in die neue Gesellschaft auch jene Rückstellungen aus, die für den Rückbau und den Abriss der Atomkraftwerke anfallen.

Zu dem abgespalteten Teil sollen auch der globale Energiehandel sowie die Bereiche Exploration und Produktion gehören. Offen ist, was aus der Gas- und Ölförderung in der Nordsee wird. E.on will danach im Kern mit knapp 40.000 Mitarbeitern Ökostrom erzeugen, die verbleibenden Strom- und Gasnetze betreiben und das Vertriebsgeschäft weiterführen. Mit der Abspaltung reagiert der Energiekonzern auf den Preisverfall in den Segmenten Atom, Kohle und Gas.

Zugleich wurde bekannt, dass E.on sein Spanien- und Portugalgeschäft für 2,5 Milliarden Euro an den australischen Investor Macquarie verkauft. Später soll auch der kuwaitische Staatsfonds Wren House beteiligt werden. Zudem wurde der Düsseldorfer Konzern seinen Anteil an zwei US-amerikanischen Windparks los, er ging an Enbridge aus Kanada.

Berater E.on
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Staffan Illert – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Düsseldorf): Karl-Heinz Feldmann (Leiter Legal & Compliance), Dr. Patrick Wolff (Corporate)

Hintergrund: Linklaters-Partner Wollburg hat erst vor einem Jahr den Stahlkonzern ThyssenKrupp gemeinsam mit Hengeler Mueller bei einer großen Umstrukturierung begleitet, bei der es um eine Lösung für die verlustreichen Übersee-Stahlwerke ging und um die Entflechtung vom finnischen Wettbewerber Outokumpu.

Linklaters kam aufseiten von E.on bei Transaktionen allerdings vor allem in Bezug auf die Brasilien-Expansion zum Zuge. Bei den größeren Schritten in ihrem Deinvestment-Programm vertraute die Rechtsabteilung von E.on bislang anderen Kanzleien. So stand Hengeler dem Konzern zur Seite, als er sein Erdgasnetzes an Macquarie verkaufte. Linklaters beriet Macquarie bei dem damaligen Deal. Auch bei dem aktuellen Kauf des iberischen Geschäfts ist Linklaters Madrid für die Australier tätig.

Zu Freshfields Bruckhaus Deringer hat der Düsseldorfer Energiekonzern ebenfalls eine sehr eingespielte Beziehung. So beriet die Kanzlei E.on zuletzt beim Verkauf der EVG-Anteile an First State und begleitet das Unternehmen umfassend zu den Klagen bezüglich des Atomausstiegs. 

Marktgerüchten zufolge ordnet der Konzern allerdings gerade sein Berater-Panel neu, nachdem im vergangenen Jahr bereits Inhouse einige Umstrukturierungen abgeschlossen wurden. (Ulrike Barth)

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