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25.01.2015

Kollateralschaden: Milliarden-Deal zwischen Cleary-Mandantin Gazprom und BASF abgeblasen

Ursprünglich sollte das 2012 vereinbarte Geschäft längst unter Dach und Fach sein. Nun haben Gazprom und BASF den umfangreichen Asset-Tausch kurz vor Weihnachten komplett abgeblasen. Grund sei die angespannte politische Lage im Verhältnis zu Russland, wie BASF mitteilte. Die Aktivitäten, die BASF ins Tauschgeschäft einbringen wollte, trugen im Jahr 2013 rund zwölf Milliarden Euro zum Umsatz bei.

Hermann Schmitt

Hermann Schmitt

Der Deal sah vor, dass Gazprom die Kontrolle über das bisher gemeinsam mit der BASF betriebene Erdgashandels- und Speichergeschäft übernimmt. Zudem hätte das russische Unternehmen 50 Prozent an der Tochter Wintershall Noordzee übernommen. Im Gegenzug hätte BASF Anteile an zwei Öl- und Gasfeldern in Sibirien erhalten, die beide Konzerne gemeinsam erschließen wollten. Gazprom und Wintershal wollen nun das Erdgashandelsgeschäft  wie gehabt als Gemeinschaftsunternehmen fortführen.

Die Beziehungen zwischen Russland und der EU sind derzeit angespannt. Die EU hatte Russland wegen des Ukraine-Konflikts mit scharfen Wirtschaftssanktionen belegt. Noch Anfang Dezember hatte BASF-Vorstandschef Kurt Bock betont, das geplante Tauschgeschäft mit Gazprom werde bis zum Jahresende abgeschlossen.

Wegen der Absage des Geschäfts musste BASF seine Prognose für das Ergebnis vor Steuern und Zinsen im laufenden Jahr korrigieren. Das geplante Geschäft mit dem staatsnahen Gazprom-Konzern ist nicht der einzige Broken Deal im Energiesektor, der auf die russische Rolle in der Ukraine-Krise zurückzuführen ist. Nach dem Stopp der transeuropäischen Erdgasleitung South Stream hatte Gazprom Anfang Dezember einen Strategiewechsel für Europa beschlossen. Ziel ist nun nicht mehr, in den Endkundenmarkt in Westeuropa einzusteigen.

Berater Wintershall
White & Case (Moskau): Dr. Hermann Schmitt, Alan Burke, Harvey Nugent, Ekaterina Kamkina, Victoria Gorbunova
WilmerHale (Berlin): Ulrich Quack, Dr. Oliver Fleischmann (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Gazprom
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton (Moskau): Russell Pollack (Corporate/M&A), Robbert Snelders (Brüssel; Regulierung/Fusionskontrolle), Dr. Oliver Schröder (Corporate/M&A), Dr. Daniel Weyde (Steuern; beide Frankfurt), Dr. Tilman Kuhn (Kartellrecht; Köln); Associates: Mikhail Suvorov, Nikolay Krasnikov, Richard Watkins, Alexey Koshelev (alle Corporate/M&A), Niklas Maydell, Aude de Crayencour (alle Regulierung/Fusionskontrolle), Anna Rolova (alle Brüssel), Katharina Klooz (Köln; beide Kartellrecht), Boris Witt (Corporate/M&A; Frankfurt), Ines Bahlmann, Jens Hafemann (Frankfurt; beide Steuern)

Hintergrund: Die Beraterkonstellation ist noch die gleiche wie 2012, als der ursprüngliche Deal vereinbart wurde. (Ulrike Barth)

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