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11.02.2015

Sportrechtevermarkter: Chinesen kaufen Infront mit Reed Smith

Die chinesische Wanda-Gruppe hat die Mehrheit am Schweizer Sportrechtevermarkter Infront Sports & Media übernommen. Der Verkäuferin, die Beteiligungsgesellschaft Bridgepoint Capital, erhält dafür 1,05 Milliarden Euro. Die neuen Eigentümer halten damit 68,5 Prozent an Infront.

Laut Medienberichten soll es bis zuletzt weitere Interessenten für Infront gegeben haben, darunter mindestens einen weiteren chinesischen Konzern. Hinter dem Käufer steht eine der reichsten Familien Chinas. Infront war 2002 nach der Pleite der Kirch-Gruppe entstanden und hatte zunächst zu den Portfolio-Unternehmen der Bremer Industriellenfamilie Jacobs gehört. 2011 stieg dann Bridgepoint ein und bezahlte seinerzeit 550 Millionen Euro inklusive bestehender Verbindlichkeiten.

Das Schweizer Unternehmen arbeitet eng mit dem Weltfußballverband Fifa zusammen und betreute etwa die Vermarktung der asiatischen TV-Rechte für die Weltmeisterschaften 2014 und 2018. Infront-Chef Philippe Blatter ist zugleich ein Neffe von Fifa-Präsident Sepp Blatter. In Deutschland ist das Unternehmen vor allem über seinen Manager, den früheren Fußballprofi und Nationalspieler Günter Netzer, bekannt. In der Bundesliga hat das Unternehmen langfristige Vermarktungsverträge geschlossen, unter anderem mit Schalke 04 und Werder Bremen.

Berater Wanda
Reed Smith: keine Nennungen

Berater Bridgepoint
Latham & Watkins (Paris): Olivier du Mottay, François Mary (beide Federführung)
Niederer Kraft & Frey (Zürich): Keine Nennungen
Clifford Chance: keine Nennungen

Berater Infront
Inhouse Recht (Zug): Dr. Thomas Oehninger (General Counsel)
Homburger (Zürich): Dieter Gericke (Corporate/M&A), Reto Heuberger (Steuern); Associate: Marco Toni (Corporate/M&A)

Hintergrund: Über die Mandatsbeziehung zwischen Wanda und Reed Smith ist nur wenig bekannt. Jedoch betreute die Kanzlei zusammen mit Freshfields Bruckhaus Deringer den Börsengang der Immobiliensparte Dalian Wanda in Hongkong. Firmengründer Wang Jianlin gilt als sehr sportaffin. So ist seine Unternehmensgruppe Hauptsponsor der chinesischen Fußballprofiliga. Außerdem stieg Wang vor wenigen Wochen als Minderheitsgesellschafter beim spanischen Traditionsklub Athletico Madrid ein.

Bridgepoint arbeitet mit diversen internationalen Kanzleien zusammen. So betreute ein Freshfields-Team die Interessen des Finanzinvestors bei dessen Ausstieg beim Sulzbacher Feinchemiekonzern Cabb. Auf der Gegenseite agierte damals Clifford für den Käufer Permira. Aber ihre Private-Equity-Praxis war ebenfalls für Bridgehouse tätig. 

Das Kanzlei-Duo Latham und Niederer Kraft hatte Bridgepoint bereits 2011 bei der kompletten Übernahme von Infront beraten. Auf diese internationale Aufstellung vertraute die Beteiligungsgesellschaft nun wieder. Für die Verkäufer, die Jacobs Holding AG und die Junkermann-Gruppe, waren damals Shearman & Sterling sowie die beiden Schweizer Top-Kanzleien Lenz & Staehelin und Homburger tätig. Bei dem Buy-out wurde der damalige Minderheitsgesellschafter, der Sportrechtehändler Dr. Martin Steinmeyer, von der Münchner Kanzlei Wirsing Haas Zoller beraten.

Bei ihren Vermarktungsdeals mit Bundesligavereinen sowie bei TV-Rechten setzte Infront auf seine Inhouse-Anwälte aus Zug. (Marcus Jung)

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