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17.03.2015

Letzte Lösung: Weil Gotshal-Mandantin Lone Star gibt DüsselHyp in Hände des BdB

In der deutschen Bankenbranche hat erstmals seit der Finanzkrise wieder eine Pleite direkt bevorgestanden: Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) rettet deshalb die Düsseldorfer Hypothekenbank (DüsselHyp) zum zweiten Mal binnen sieben Jahren. Sie ist wegen ausfallgefährdeter Anleihen der österreichischen Skandalbank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) in Not geraten.

Deswegen springt der BdB ein, dessen Mitglied die DüsselHyp ist, und übernimmt die Bank. Dies beschloss der BdB gestern. Der bisherige Düsselhyp-Eigentümer, der US-Finanzinvestor Lone Star, hätte Presseberichten zufolge gut 100 Millionen Euro in die DüsselHyp stecken müssen, um die Schieflage zu beseitigen, soll demzufolge dazu aber nicht bereit gewesen sein.

Das Nachfolgeinstitut der HGAA, die staatliche HETA Asset Resolution, hatte vor wenigen Tagen angekündigt, ausstehende Schulden bis Ende Mai 2016 nicht mehr zu bedienen. Die DüsselHyp trifft dies von allen deutschen Banken am schwersten: Ende 2013 hatte sie HGAA-Bonds im Wert von 348 Millionen Euro im Portfolio. Zwar gilt die DüsselHyp mit einer Bilanzsumme von rund elf Milliarden Euro als nicht systemrelevant. Eine Abwicklung wollte der BdB aber offenbar nicht riskieren. Zur Erklärung: Die DüsselHyp refinanziert sich in erster Linie über Pfandbriefe – besicherte Anleihen, die als praktisch risikofrei gelten. Zweifel an der Solidität des Pfandbriefmarkts wären für die Branche fatal.

Der BdB hatte die DüsselHyp schon im Zuge der Finanzkrise von 2008 gerettet. 2010 veräußerte er das Institut dann Lone Star. Im vergangenen Sommer hatte Lone Star dann angekündigt, die DüsselHyp an ein Konsortium aus dem Investor Attestor Capital sowie Patrick Bettscheider, Gründer und Ex-Chef der Frankfurter Investmentbank Mainfirst, zu verkaufen. Dieser Deal wurde angesichts der Probleme mit den Hypo-Papieren jedoch nicht abgeschlossen. Attestor und Bettscheider seien gebeten worden, vom Kaufvertrag zurückzutreten, um den Weg für einen Einstieg des BdB freizumachen, so Presseberichte. Bettscheider hat erst am Freitag den Zuschlag zur Übernahme der staatlichen österreichischen Kommunalkredit Austria erhalten.

Die DüsselHyp ist nicht die einzige deutsche Bank, die hohe Forderungen gegen die HGAA hat. So fordert die Bad Bank der deutschen Hypo Real Estate, die FMS Wertmanagement, 200 Millionen Euro plus Zinsen und hat deshalb vor dem Landgericht Frankfurt als erste Bank überhaupt gegen den HGAA-Schuldenschnitt Klage eingereicht. Hintergrund ist auch hier der Zahlungsstopp und die nicht erfolgte Tilgung einer Anleihe. Daneben hat etwa auch die NordLB inklusive ihrer Immobilienfinanzierungstochter Anleihen in Höhe von 380 Millionen Euro in den Büchern.

Berater BdB
Inhouse Recht (Einlagensicherungsfonds; Berlin): Dr. Jan Böttcher (Abteilungsdirektor), Dirk Cupei, Dr. Hilmar Zettlel – aus dem Markt bekannt
Freshfields Bruckhaus Deringer:  Dr. Wessel Heukamp (Gesellschaftsrecht/M&A; München), Wilfried Schäfer (Steuern), Dr. Alexander Glos (Bankaufsichtsrecht; beide Frankfurt), Dr. Frank Röhling (Kartellrecht; Berlin); Associates: Peter Haberrecker, Laura Greimel (beide Gesellschaftsrecht/M&A; beide München), Andre Happel (Steuern; Frankfurt), Dr. Anselm Lenhard, Alexander Pospischil (beide Bank-/Finanzrecht; beide München), Bertrand Guerin (Kartellrecht; Berlin)

Berater Lone Star
Weil Gotshal & Manges (Frankfurt): Dr. Uwe Hartmann (Corporate/Restructuring) – aus dem Markt bekannt

Berater DüsselHyp
Inhouse Recht (Düsseldorf): Andreas Landwehr – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Dass nicht Latham & Watkins sondern Freshfields den BdB und dessen Einlagensicherungsfonds berät, überrascht. Denn die Mandatsbeziehung zwischen dem Verband und Latham gilt als außergewöhnlich eng. Insbesondere Partner Uwe Eyles begleitet den BdB und dessen Töchter laufend, so schon im Zuge der Finanzmarktkrise etwa bei Rettungsmaßnahmen für die Hypo Real Estate und die DüsselHyp. Auch beim Verkauf der DüsselHyp vor knapp fünf Jahren stand er dem BdB mit seinem Team zur Seite.

Allerdings kennt auch Freshfields den BdB aus gemeinsamer Zusammenarbeit gut. So ist bekannt, dass der Frankfurt Partner Schäfer dem Verband seit Jahren in Steuerfragen zur Seite steht. Hinsichtlich einer Beratung über dieses Gebiet hinaus war bisher aber nichts Wesentliches bekannt.

Intern begleitete beim Einlagensicherungsfonds des BdB ein großkanzleierfahrener Anwalt die Transaktion. Böttcher arbeitete bis zum Juli 2014 als Associate in der Finanzierungspraxis von DLA Piper.

Weil Gotshal hatte Lone Star beim Erwerb der DüsselHyp 2010 zur Seite gestanden. Der Frankfurter Corporate-Partner Hartmann begleitete den Investor schon bei zahlreichen Deals, unter anderem Ende 2013 beim Verkauf von Corealcredit an die Aareal Bank.

Sernetz Schäfer hatte im vergangenen Jahr zusammen mit Paul Hastings den Investoren Bettschneider und Attestor Capital beim anvisierten Kauf der DüsselHyp zur Seite gestanden und beriet nun bezüglich des Rücktritts vom Deal. Bei dem kürzlichen Kauf der Kommunalkredit Austria setzt Bettschneider dagegen auf die beiden Wiener Kanzleien Binder Grösswang und Denk Kaufmann. (René Bender)

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