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17.04.2015

ThyssenKrupp-Sparte: Lindsay Goldberg macht mit Gleiss Lutz Rennen um VDM Metals

Der Finanzinvestor Lindsay Goldberg übernimmt die Edelstahlsparte VDM Metals von ThyssenKrupp. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen, jedoch erzielt der Dax-Konzern eigenen Angaben zufolge damit einen positiven Effekt bei seinen Netto-Finanzschulden und Pensionsverpflichtungen in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags in Euro. Die Transaktion führt zu einer Buchwertberichtigung um 100 Millionen Euro.

Fred Wendt

Fred Wendt

Laut dem ,Handelsblatt‘ soll Lindsay Goldberg bis zu 500 Millionen Euro für VDM Metals investiert haben. Der Verkauf unterstützt die weitere strategische Neuausrichtung von ThyssenKrupp. Der Abschluss des Deals steht noch unter Vorbehalt der Zustimmung durch die Aufsichtsräte sowie der zuständigen Wettbewerbsbehörden. 

Lindsay Goldberg ist ein Private-Equity-Fonds aus den USA, der bei seinen Investitionen in Europa durch Lindsay Goldberg Vogel (LGV) beraten und vertreten wird. Chairman von LGV ist seit 1999 Prof. Dr. Dieter Vogel, der als ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG die Fusion mit dem Krupp-Teil verantwortete. Im Bieterwettkampf um die Sparte hatten zwei Interessenten das Nachsehen: der Luxemburgische Stahlkonzern Aperam und ein Konsortium bestehend aus der US-Investmentfirma The Gores Group und dem ehemaligen Schmolz + Bickenbach-Chef Benedikt Niemeyer.

Der Transaktion waren intensive Gespräche mit dem Betriebsrat von VDM und der Gewerkschaft IG Metall vorangegangen, die eine Garantie für die Standorte und die rund 2.000 Arbeitsplätze gefordert hatten. Laut der Gewerkschaft IG Metall wurde mit LGV eine Vereinbarung bis Ende September 2019 erzielt. Bis dahin sollen alle Standorte fortgeführt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende September 2016 ausgeschlossen, danach muss die Gewerkschaft hinzugezogen werden. Die Tarifverträge bleiben weiter gültig.

ThyssenKrupp hatte 2012 schon einmal versucht VDM zu verkaufen: Das Unternehmen mit Sitz in Werdohl ging im Rahmen des Verkaufs der Inoxum-Edelstahlsparte an den finnischen Edelstahlhersteller Outokumpu. ThyssenKurpp musste VDM allerdings Anfang 2014 wieder von den Finnen im Tausch gegen einen Milliardenkredit zurücknehmen.

Berater Lindsay Goldberg
Gleiss Lutz: Dr. Fred Wendt, Dr. Urszula Nartowska (beide Corporate/M&A; beide Federführung), Dr. Johann Wagner (Steuerrecht; alle Hamburg), Frank Schlobach (Finance; Frankfurt), Dr. Stefan Lingemann (Arbeitsrecht; Hamburg/Berlin), Dr. Andreas Neun (Öffentliches Recht; Berlin), Dr. Iris Benedikt-Buckenleib (Kartellrecht; München), Dr. Jacob von Andreae (Öffentliches Recht; Düsseldorf), Dr. Charlotte Beck (Arbeitsrecht; Berlin); Associates: Christian Zimmermann (Corporate/M&A), Dr. Jens Wrede (Steuerrecht; beide Hamburg)
Cravath Swaine & Moore (Newy York): Richard Hall (Federführung; Corporate), Dr. Robin Landis (Kartellrecht) – zum US-Recht

Berater ThyssenKrupp
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Stephan Waldhausen (Federführung), Dr. Anselm Raddatz (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Alexander Glos (Gesellschafts- und Aufsichtsrecht; Frankfurt), Dr. Martin Klusmann, Dr. Uta Itzen (beide Kartellrecht), Dr. Norbert Schneider (Steuerrecht; Köln), Dr. Mario Hüther (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Peter Lyons, Doug Bacon (beide New York), Alexander Doorman (Peking; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Juliane Ziebarth (Kartellrecht), Dr. Hans-Jörg Schulze (Umweltrecht); Associates: Dr. Philipp Pütz, Dr. Nicholas Günther, Jana Upschulte, Dr. Sophia-Antonia Bir (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Timo Kost (Gesellschafts- und Aufsichtsrecht; Frankfurt), Dr. Holger Dann, Dr. Stefan Schmitz (beide Steuerrecht; beide Köln), Dr. Andreas Thümmler (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt),) Paul Humphreys (New York), Chen Mimi, Dai Zhang (beide Peking; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Emmanuel Bénard, Christel Cacioppo, Sarah Rohmann (alle Arbeitsrecht; alle Paris)
Inhouse Recht (Essen): Keine Nennungen

Berater VDM Metals-Betriebsrat
Apitzsch Schmidt Klebe (Frankfurt): Prof. Dr. Marlene Schmidt

Berater Aperam
DLA Piper (Hamburg): Dr. Benjamin Parameswaran (Federführung; Corporate), Dr. Konrad Rohde (Steuerrecht; Frankfurt), Volker von Alvensleben (Arbeitsrecht), Cristina Villafrade; Associate: Sebastian Decker (beide Corporate) – aus dem Markt bekannt

Investorengruppe The Gores Group/Niemeyer
Linklaters (Frankfurt): Dr. Ralph Drebes (Federführung); Associate: Dr. Jonas Hermann (beide Corporate) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Der Hamburger Gleiss-Partner Wendt hat Lindsay Goldberg Vogel bereits in der Vergangenheit bei Deals zur Seite gestanden. Die prominenteste Transaktion war die Milliarden-Übernahme von Klöckner & Co. 2005, vor drei Jahren begleitete er dann den Kauf von Weener Plastik.

Stephan Waldhausen

Auch der Düsseldorfer Freshfields-Partner Waldhausen begleitete ThyssenKrupp bereits früher, so etwa 2011 beim Verkauf der zivilen Schiffbauaktivitäten von ThyssenKrupp Marine Systems an den britischen Investor Star Capital. Beim Inoxum-Verkauf war die Kanzlei aber nur kartellrechtlich beteiligt, den Corporate-Part hatte Hengeler Mueller übernommen.

Der Kontakt zwischen DLA und Aperam geht soweit bekannt auf die guten Kontakte des Hamburger Partners Parameswaran zur Mittal-Familie zurück, die an dem Luxemburger Unternehmen beteiligt ist. Parameswaran berät Aperam bei verschiedenen internationalen M&A-Angelegenheiten, insbesondere mit Indien-Bezug. (Christine Albert, Marcus Jung)

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