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22.06.2015

Autohäuser: Chinesen werden mithilfe von Allen & Overy größter Mercedes-Händler

Eine deutsche Tochter des chinesischen Konzerns Lei Shing Hong (LSH) übernimmt 15 ostdeutsche Verkaufsfilialen Daimlers und wird damit zum bundesweit größten Händler der Marke. In Ostdeutschland bleibt lediglich die Berliner Verkaufsfiliale in Daimler-Hand. In den verkauften Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern arbeiten mehr als 1.000 Mitarbeiter, die LSH übernehmen will.

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Michael Ulmer

Der Stuttgarter Autobauer Daimler arbeitet schon seit Längerem mit LSH zusammen, nach Kooperationen in Asien übernahm der chinesische Vertriebsspezialist Ende des vergangenen Jahres bereits drei Mercedes-Benz-Standorte in Thüringen. Das Unternehmen mit Sitz in Hongkong ist nach eigenen Angaben bereits jetzt der weltgrößte Mercedes-Händler, mit 179 Standorten vor allem in Asien und Australien.

Daimler baut den Vertrieb seiner Nobelmarke Mercedes weitreichend um. Hierzulande hat der Stuttgarter Autobauer 63 seiner 158 eigenen Autohäuser mit 4.400 Mitarbeitern zum Verkauf gestellt, die für etwa die Hälfte des Pkw-Markenabsatzes in Deutschland stehen. Davon sind inzwischen 41 verkauft, unter anderem Standorte in Bielefeld, Saarbrücken und Wiesbaden. Die nun verkauften 15 Standorte im Osten sind das bisher größte Paket.

Gegen den Umbau der Daimler-Vertriebsstruktur und die anstehenden Verkäufe hatte es in der vergangenen Monaten einigen Protest gegeben. Für die Autohäuser in Westdeutschland wurden mit dem Betriebsrat und der IG Metall umfangreiche Absicherungen für die Arbeitsplätze und die Sozialleistungen vereinbart, Kündigungen wurden etwa bis 2023 ausgeschlossen. Für die ostdeutschen Niederlassungen, die in der eigenen Vertriebsgesellschaft MBVG organisiert sind,  wurde zur Absicherung der Arbeitsplätze ein Zukunftstarifvertrag abgeschlossen. Dieser Tarifvertrag geht nun ebenfalls auf LSH über.

Berater Lei Shing Hong
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Michael Ulmer (Federführung), Dr. Asmus Mihm (Steuerrecht), Tobias Neufeld (Arbeitsrecht; Düsseldorf), Dr. Christian Hilmes (Immobilienrecht; Hamburg); Associates: Dr. Marco Niehaus (Corporate/M&A), Gunnar Harlacher (Steuerrecht), Yukiko Hitzelberger-Kijima, Chinh Nguyen (beide Arbeitsrecht; beide Düsseldorf)

Berater Daimler
Skadden Arps Slate Meagher & Flom (München): Dr. Bernd Mayer, Dr. Holger Hofmeister, Dr. Ulrich Ziegler (alle Corporate/M&A), Dr. Thorsten Götz (Kartellrecht); Associate: Jörg Neubauer (Corprate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Stuttgart): Dr. Klaus Schartel, Dr. Florian Hofer, Dr. Wolfgang Bauder – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Für Allen & Overy war es das zweite Mandat von Lei Shing Hong, nachdem der Frankfurter Partner Ulmer den chinesischen Mischkonzern auch schon bei der Übernahme der drei Thüringer Niederlassungen vor einigen Monaten beraten hatte. Die Sozietät hatte sich in einem Pitch durchgesetzt, der Kontakt war über das Büro der Sozietät in Hongkong entstanden.

Die Verbindung zwischen Skadden und Daimler ist demgegenüber weit älter. In den USA begleitete die Sozietät den Autobauer schon vor vielen Jahren, hierzulande verbesserten sich die Kontakte nach dem Zugang eines Teams von Baker & McKenzie vor elf Jahren, zu dem auch Mayer gehörte. Seither beriet auch die deutsche Praxis Daimler mehrfach, so etwa im Rahmen von Ermittlungen der US-Börsenaufsicht und auch als das Unternehmen 2007 seine US-Tochter Chrysler verkaufte. Dies war allerdings die letzte größere Transaktion, bei der Skadden die Stuttgarter begleitete. In den vergangenen Jahren mandatierte der Konzern regelmäßig auch andere Kanzleien, so etwa unlängst White & Case beim Kauf des Anbieters der bekannten Taxivermittlungs-App MyTaxi.

In arbeitsrechtlichen Fragen soll Daimler JUVE-Informationen zufolge Gleiss Lutz hinzugezogen haben. (René Bender)

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