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10.07.2015

Hauck & Aufhäuser: Fosun übernimmt Privatbank mit Clifford Chance

Erstmals geht eine deutsche Bank mehrheitlich an einen chinesischen Investor: Fosun hat 80 Prozent der Anteile an der Traditionsbank Hauck & Aufhäuser erworben. Zu den bisherigen 75 Anteilseignern gehören vor allem deutsche Unternehmerfamilien wie Riegel („Haribo“) oder Mast („Jägermeister“), ebenso Solarworld-Eigentümer Frank Asbeck. 80 Prozent der Aktionäre haben dem Verkauf bereits zugestimmt, willigt der Rest ebenfalls ein, fließen 210 Millionen Euro als Kaufsumme.

Stefanie Tetz

Stefanie Tetz

Ein Verkauf von Hauck & Aufhäuser stand seit einer Aufsichtsratssitzung Anfang Januar 2015 als ausgemachte Sache. Fosun ist seit längerem als strategischer Investor in Europa auf Einkaufstour: Der an der Börse in Hongkong gelistete Mischkonzern ist unter anderem an dem französischen Ferienveranstalter Club Med, dem Modeunternehmen Tom Tailor und am Reisekonzern Thomas Cook beteiligt. Über Hauck & Aufhäuser erhofft sich Fosun einen besseren Zugang zur größten europäischen Volkswirtschaft.

Fosun ist in der Bankwirtschaft kein Unbekannter. An der BHF-Bank hält der Investor knapp 20 Prozent. Erst kürzlich sorgte Konzern-Chef Guo Guangchang für Aufsehen, als er sich gegen die Ablösung von Björn Robens als Chef der BHF-Bank sträubte. Guangchang konnte sich allerdings nicht gegen die Mehrheitseignerin RHJI durchsetzen. Ob Fosun nach dem verlorenen Machtkampf seine Beteiligung bei der BHF-Bank aufrecht erhält, ist derzeit unklar. Die Spekulationen reichen von einem kompletten Rückzug der Chinesen bis zur Übernahme der BHF-Bank.

Hauck & Aufhäuser entstand 1998 aus der Fusion von Georg Hauck & Sohn Bankiers aus Frankfurt und dem Münchner Bankhaus H. Aufhäuser. Die Bank konzentriert sich auf das Privatkundengeschäft und ist in der Anlageberatung und Vermögensverwaltung für Mittelständer und freie Vermögensverwalter tätig. Zum Jahresende 2013 verwaltete die Bank in den Kundendepots 27,1 Milliarden Euro. Seit 2010, seinerzeit stiegen die Unternehmerfamilie Mast und Solarworld-Gründer Asbeck ein, befindet sich die Bank vollständig im Privatbesitz.

Berater Fosun
Clifford Chance: Dr. Stefanie Tetz (Corporate; München), Dr. Marc Benzler (Banking & Capital Markets; Frankfurt), Dr. André Schwanna (alle Federführung; Corporate: Frankfurt), Marc Besen (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Stefan Simon (Arbeitsrecht; Frankfurt), Burkhard Schneider, Heiko Heppner (beide Litigation; Frankfurt), Gwendolyn Müller (Corporate; München), Dr. Ute Brunner-Reumann (Banking & Capital Markets; Frankfurt), Kelly Gregory, Glen Ma (beide Corporate; beide Shanghai); Associates: Dr. Dimitri Slobodenjuk (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Philipp Schäuble (Arbeitsrecht; München), Christian Eli, Dr. Paul Hauser (beide Litigation; beide Frankfurt), Regina Goebel (Corporate; München), Dr. Stefan Ueding, Dr. Christian Hissnauer (alle Banking & Capital Markets; alle Frankfurt)

Christian Weber

Christian Weber

Berater Hauck & Aufhäuser
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Christian Weber (Leiter Rechtsabteilung), Dr. Sebastian Taschke

Berater Mast-Jägermeister
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Mandatsbeziehung zwischen Fosun und Clifford besteht schon länger und kam über das Büro in Shanghai zustande. Die Münchner Partnerin Tetz und der Shanghaier Partner Ma formten nicht zum ersten Mal ein deutsch-chinesisches Team. So standen beide bereits mehrfach bei Großinvestments aufseiten des chinesischen Unternehmen Jiangsu Jinsheng Industry: 2013 bei der Teilübernahme der Textilmaschinensparte des Schweizer Mischkonzerns Oerlikon, sowie zwei Jahre zuvor bei dessen Beteiligung an dem Werkzeugmaschinenhersteller EMAG.

Fosun mandatierte bei Transaktionen in Deutschland diverse Kanzleien. Beim Einstieg in die BHF-Bank war es ein Team von Gleiss Lutz, hingegen Latham & Watkins beim Kauf von Tom Tailor. Erst Ende Juni kaufte Fosun über eines seiner Portfoliounternehmen, den portugiesischen Versicherer Fidelidade, rund neun Prozent am Argrarbetreiber KTG. Den Käufer betreute hier ein deutsch-chinesisches Team von Hengeler Mueller

Aufseiten der Privatbank begleitete General Counsel Weber den Deal federführend Inhouse. Er leitet den Bereich Recht bei der Privatbank seit 2009 und war zuvor bei der Commerzbank. Freshfields-Partner Seibt berät die Familie Mast (Jägermeister) laufend. Im Hintergrund dürften auch Anteilseigner wie die Familie Riegel oder auch die Aktionäre Asbeck und der Industrielle Jürgen Heraeus auf externe Berater gesetzt haben. (Eva Lienemann)

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