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17.07.2015

Milliardendeal: Magna schluckt mit Hengeler schwäbischen Getriebespezialisten

Der kanadische Autozulieferer-Riese Magna will den schwäbischen Getriebe-Spezialisten Getrag übernehmen. Wenn die Kartellbehörden zustimmen, soll Magna Ende des Jahres neuer Eigentümer werden. 2,45 Milliarden Euro muss der Konzern dann einschließlich der bestehenden Verbindlichkeiten von 700 Millionen Euro zahlen. Die Gründerfamilie Hagenmeyer zieht sich mit dem Verkauf komplett aus dem Unternehmen zurück.

Peter Weyland

Peter Weyland

Das Unternehmen aus Untergruppenbach bei Heilbronn beschäftigt 13.500 Mitarbeiter in neun Ländern in Europa, Asien und Nordamerika. Getrag ist Spezialist für Getriebe für PKW und leichte Nutzfahrzeuge. Hauptgesellschafter sind bislang die THI Investment GmbH und die Hagenmeyer Beteiligungs GmbH.

2014 kam Getrag auf einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro. Hinzu kommen Umsätze aus den Gemeinschaftsfirmen mit Ford – Getrag Ford Transmissions – und Getrag Asia Pacific, ein Joint Venture mit den chinesischen Autobauern Jiangling und Dongfeng. Die Erlöse belaufen sich so insgesamt auf rund drei Milliarden Euro.

Getrag beliefert unter anderem BMW, Daimler, Renault und Volvo. Einen Börsengang der Getrag hatte Geschäftsführer Mihir Kotecha 2012 als Alternative zu einem Verkauf des Unternehmens geprüft. Der Zulieferer war 2009 – während der weltweiten Wirtschaftskrise – mit einer Bürgschaft vom Land gestützt worden.

Magna ist ein Lieferant von Kfz-Zubehör und weltweit nach Bosch die Nummer Zwei in der Branche. Der Konzern ist mit 133.000 Mitarbeitern in 29 Ländern vertreten und kam im vergangenen Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 36,6 Milliarden Euro. Magna will mit dem Zukauf vor allem sein Getriebegeschäft weiter ausbauen.

Adrian Bingel

Adrian Bingel

Berater Magna International
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Peter Weyland, Dr. Karsten Schmidt-Hern (beide Federführung, M&A), Dr. Matthias Scheifele (Steuern), Dr. Johannes Tieves (Finanzierung), Dr. Hans-Joachim Liebers (Arbeitsrecht), Dr. Jan Bonhage (Öffentliches Recht; Berlin), Patrick Wilkening (IP; Düsseldorf); Associates: Dr. Christin Posdziech, Dr. Johannes Baumann, Dr. Daniel Spitze, Loretta Lang (alle M&A), Dr. Martin Mohr, Lisa Friedsam (beide Steuern), Dr. Carolin Raspé (Öffentliches Recht; Berlin), Dr. Miriam Peter (Finanzierung), Dr. Matthias Rothkopf, Dr. Eva Frankenberger (beide IP; Düsseldorf), Eckbert Müller, Anne Broll (beide Arbeitsrecht)
Commeo (Frankfurt): Dr. Jörg-Martin Schultze, Dr. Dominique Wagener, Isabel Oest; Associates: Dr. Thiemo Engelbracht, Christoph Krüger (alle Kartellrecht)
Inhouse Recht (Cham/Schweiz): Thomas Schultheiss (General Counsel)

Berater Getrag
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Christian Cascante, Dr. Adrian Bingel (beide Federführung. Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Alexander Werder (Stuttgart), Dr. Stefan Mayer (Frankfurt; beide Steuerrecht), Dr. Burkhard Hildebrandt (Öffentliches Recht; Düsseldorf), Prof. Dr. Gerhard Röder (Arbeitsrecht), Dr. Eva Reudelhuber, Dr. Kai Birke (beide Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Johannes Niewerth (Immobilienrecht; Berlin), Dr. Herwig Lux (Gewerblicher Rechtsschutz); Associates: Nico Holtkamp, Maike Sauter, Dr. Markus Martin, Lucie von Haller, Dr. Jan Stenger, Christian Zimmermann (Hamburg; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Markus Wystrcil (Steuerrecht), Dr. Dennis Amschewitz (Gewerblicher Rechtsschutz), Dr. Jacob von Andrae (Öffentliches Recht; Düsseldorf), Stefan Kleimaier, Florian Stark (beide Arbeitsrecht), Nikolos Tsagareli (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Fabian Kutz (Immobilienrecht; Berlin)
Oppenländer (Stuttgart): Prof. Dr. Albrecht Bach, Dr. Ulrich Klumpp, Dr. Donata Beck (alle Kartellrecht)

Berater THI / Hagenmeyer
Inhouse Recht (Untergruppenbach): Dr. Christoph Becker

Hintergrund: Magna mandatierte Hengeler nicht zum ersten Mal. Die Kanzlei beriet den Autozulieferer beispielsweise 2012 bei der Übernahme des Pumpenherstellers Ixetic. Für die internationale Transaktion griff Hengeler auf Kontakte aus seinem internationalen Best-Friends-Netzwerk zurück: Das Team um Weyland arbeitete – neben dem European General Counsel von Magna – mit Bonelli Erede Pappalardo aus Mailand und Slaughter and May aus London zusammen. In Schanghai ist Hengeler zwar länger mit einem Büro vertreten, berät aber nicht nach chinesischem Recht und setzte deshalb hier auf die Beratung der chinesischen Kanzlei Jun He. Für die kartellrechtliche Beratung setzt Magna auf die Frankfurter Kartellrechtsboutique Commeo, die sich 2010 als Team von Baker & McKenzie abgespalten hatte. Magna gehörte auch schon während der Zeit bei Baker zu den Mandanten der anerkannten Praxis um Schultze. Das Team war ebenfalls beim Komplex um die Opel-Rettung im Einsatz.

Für Oppenländer-Partner Bach und sein Team steht ein Gutteil der Arbeit mit der fusionsrechtlichen Kontrolle der Transaktion noch an.

Gleiss Lutz stand in anderen Transaktionen auch mehrfach an der Seite von Magna, beispielsweise in dem Komplex um die dramatische Opel-Rettung, bei dem der Einstieg durch Magna letztlich scheiterte. Beim aktuellen Milliardendeal stand die Kanzlei nun auf der anderen Seite. Die Mandatierung kam durch zwei Empfehlungen zustande: M&A-Partner Bingel und THI-Inhouse-Mann Christoph Becker kennen sich aus früheren Mandaten, Partner Cascante wurde von Dietrich Becker empfohlen, der für die Investmentbank Perella Weinberg tätig ist, die beim aktuellen Deal als Financial Advisor auftrat. Bei der Transaktion setzte Gleiss Lutz international auf die Unterstützung durch die italienische Kanzlei Chiomenti, MacFarlanes aus Großbritannien und Paul Weiss aus den USA. (Eva Lienemann)

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