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19.10.2015

Geldautomaten: US-Konzern will Wincor Nixdorf mit Sullivan & Cromwell schlucken

Der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf aus Paderborn steht vor einer Übernahme durch seinen Konkurrenten Diebold. Das US-Unternehmen bietet 1,73 Milliarden Euro in bar und Aktien. Beide Konzerne teilten mit, noch sei die Transaktion nicht verbindlich vereinbart, es liefen aber gegenseitige Due-Diligence-Prüfungen.

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Carsten Berrar

Dass die Unternehmen sich in diesem frühen Stadium bereits mit Ad-hoc-Meldungen aus der Deckung wagen, dürfte der Sorge geschuldet sein, ansonsten Kapitalanleger zu vergrätzen. Denn bereits seit dem Frühjahr gibt es Gerüchte, dass beide Unternehmen über eine Fusion verhandeln. Wincor Nixdorf hatte entsprechende Medienberichte zunächst dementiert. Am Freitag löste dann offenbar eine Onlinenachricht des ‚Manager Magazin‘, wonach Wincor Nixdorf die auf Transaktionen spezialisierte PR-Agentur Hering Schuppener engagiert habe, die Ad-hoc-Meldung vom Wochenende aus.

Wincor Nixdorf und Diebold sind auf dem Weltmarkt für Geldautomaten und Kassensysteme die Nummern zwei und drei hinter dem Branchenprimus NCR, ebenfalls ein US-Konzern. NCR kam zuletzt auf rund fünf Milliarden Euro Umsatz, ungefähr so viel wie die beiden Verfolger zusammen. Geografisch ergänzen sich Wincor Nixdorf und Diebold: Beide sind in ihren jeweiligen Heimatmärkten stark, aber im Gebiet des Noch-Wettbewerbers kaum vertreten. Beide stecken in harten Umstrukturierungen, unter anderem weil die Verlagerung des Bankgeschäfts aus den Filialen ins Internet Automatenhersteller unter Druck setzt.

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Annica Lindegren

Das nun bekanntgegebene Angebot von Diebold sieht vor, dass Anteilseigner der im MDax notierten Wincor Nixdorf 52,50 Euro je Aktie erhalten. Das sind fast 40 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Freitag.

Berater Diebold
Inhouse Recht (North Canton, Ohio): Jonathan Leiken (Chief Legal Officer)
Sullivan & Cromwell (New York): Frank Aquila (Federführung/M&A), Catherine Clarkin (Kapitalmarktrecht), Samuel Seymour (Compliance/Regulierungsfragen), Steven Holley, Juan Rodriguez (London; beide Kartellrecht), Dr. Carsten Berrar (Federführung deutsches Recht), York Schnorbus (beide M&A), Dr. Max Birke (Bank- und Finanzrecht; alle Frankfurt)
Jones Day (New York): Charles Bensinger, Johannes Perlitt, Annica Lindegren (beide Frankfurt; alle Bank- und Finanzrecht)

Berater Wincor Nixdorf
Inhouse Recht (Paderborn): Martin Kühle (General Counsel)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Stephan Waldhausen (Federführung), Dr. Gregor von Bonin (beide Corporate), Dr. Uta Itzen (Kartellrecht); Associate: Dr. Lucas Schweitzer

Berater Banken
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Maximilian Schiessl, Dr. Bernd Wirbel (beide M&A), Dr. Johannes Tieves (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt. Für beide Unternehmen bedeutet der geplante Megadeal auch eine Premiere auf Beraterseite. Sullivan & Cromwell war erstmals für Diebold tätig, dasselbe gilt für Freshfields an der Seite von Wincor Nixdorf. Entscheidend für die Mandatierung der Kanzleien dürfte der Track Record bei öffentlichen Übernahmen gewesen sein. Sullivan und Freshfields stehen sich unter anderem auch bei der geplanten Übernahme der Deutsche Wohnen durch Vonovia (ehemals Deutsche Annington) gegenüber.

Jones Day und Diebold verbindet eine langjährige Mandatsbeziehung, insbesondere in den Bereichen Corporate, Litigation und Finanzierungen. Der New Yorker Partner Bensinger beriet das Unternehmen, das seinen Hauptsitz wie Jones Day im US-Bundesstaat Ohio hat, bereits häufiger zu Finanzierungsthemen. Für den Deutschland betreffenden Teil des Wincor-Nixdorf-Deals wurden Perlitt und Lindegren aus dem Frankfurter Büro hinzugezogen. 

Aufgrund der Marktposition der Unternehmen, Zweiter und Dritter weltweit, wird neben der laufenden Due Diligence auch das Kartellrecht eine wichtige Rolle bei dem Deal spielen. Sullivan hat in Deutschland keine Kartellrechtler. Anmeldungen bei der EU-Kommission oder beim Bundeskartellamt werden aus dem Londoner Büro gesteuert, wo im Kartellrecht mit Axel Beckmerhagen auch ein deutschsprachiger Counsel tätig ist. Das Partnerduo Holley (New York) und Rodriguez (London) steuern häufiger gemeinsam weltweite Anmeldungen, zuletzt etwa bei der Fusion von Korn Ferry und Hay Group.

Bei der Finanzierung des Deals setzte Diebold auf Credit Suisse und JP Morgan, Wincor Nixdorf auf Goldman Sachs. In den USA ließen sich die Banken auf Diebold-Seite von Simpson Thacher & Bartlett beraten, in Deutschland von Hengeler. Der Frankfurter Finance-Partner Tieves verfügt über beste Kontakte zu JP Morgan, unter anderem beriet er die Bank 2014 bei der Übernahme von Diana durch Symrise. (Marc Chmielewski)

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