Artikel drucken
14.10.2015

Immobilien: Vonovia plant mit Freshfields und Herbert Smith Deutsche Wohnen-Übernahme

Die Übernahmewelle im deutschen Immobilienmarkt reißt nicht ab: Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia will den zweitgrößten Anbieter Deutsche Wohnen für knapp neun Milliarden Euro übernehmen. Damit entstünde ein Immobilienkonzern mit mehr als einer halben Million Wohnungen. Es wäre die dritte Übernahme eines Konkurrenten durch den Bochumer Konzern in weniger als zwölf Monaten.

Rick van Aerssen

Rick van Aerssen

Vonovia ist mit 370.000 Wohnungen der größte Vermieter des Landes, Deutsche Wohnen folgt mit rund 142.000 Wohnungen auf Platz zwei. Vonovia bietet den Deutsche Wohnen-Anteilseignern für je elf Deutsche Wohnen-Aktien 83,14 Euro in bar und sieben Vonovia-Anteilsscheine. Inklusive Prämien und der Übernahme von Schulden liege das Transaktionsvolumen bei 14 Milliarden Euro, heißt es in einer Pressemitteilung des Konzerns. Finanziert wird die Transaktion von JP Morgan und Bank of America Merrill Lynch.

Mit dem Angebot reagiert Vonovia auf die Übernahmepläne der Deutsche Wohnen. Die hatte im September angekündigt, mit der LEG – der Nummer drei in der Immobilienbranche – fusionieren zu wollen. Das Management von Vonovia macht allerdings explizit zur Bedingung für sein Angebot, dass die Aktionäre der Deutsche Wohnen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 28. Oktober die Übernahme der LEG ablehnen. Vonovia will die Transaktion auch ohne die Zustimmung des Deutsche Wohnen-Managements durchziehen. Die Entscheidung liege bei den Aktionären, heißt es weiter.

Für den Bochumer Konzern ist es bereits die zweite große Übernahme innerhalb weniger Monate. Erst Ende vergangenen Jahres hatte Vonovia, die damals noch unter Deutsche Annington firmierte, für knapp vier Milliarden Euro den Konkurrenten Gagfah geschluckt. Auch das jüngste Übernahmeangebot verstärkt den Konzentrationsprozess, den die Immobilienbranche schon seit einiger Zeit durchläuft: Bereits 2013 hatte die Deutsche Wohnen die Konkurrentin GSW übernommen, im Juni dieses Jahres übernahm Vonovia – kurz nach dem Gagfah-Zusammenschluss – die Süddeutsche Wohnen und Alstria griff nach Deutsche Office.

Berater Vonovia
Inhouse Recht (Bochum): Dr. Thomas Görgemanns (General Counsel), Dr. Fabian Heß (M&A), Daniel Löhken (Finanzierung), Bernd Gremm (Corporate)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt)): Rick van Aerssen, Dr. Andreas Fabritius, Dr. Gregor von Bonin (Düsseldorf; alle Federführung), Dr. Thomas Bücker, Dr. Ferdinand Fromholzer (München), Michael Levitt (New York), Mark Strauch, Dr. Peter Versteegen (Hamburg), Silke Beiter (München; alle Gesellschafts-/Kapitalmarktrecht), Thijs Flokstra, Dr. Christoph Gleske, Dr. Mario Hüther, Yorck Jetter (alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Martin Schiessl, Job van der Pol (beide Steuerrecht; Amsterdam), Dr. Thorsten Kleine (Immobilienrecht; Köln), Dr. Thomas Müller-Bonanni (Arbeitsrecht), Dr. Burkhard Richter (Kartellrecht; beide Düsseldorf); Associates: Aurélio de Sousa, Thilo Diehl, Dr. Mesut Korkmaz, Dr. Sabrina Kulenkamp, Dr. Andreas Stefanski, Kyle Miller, Matthias Döll, Johanna Hauser, Dr. Lucas Schweitzer, Florian Sippel, Dr. Tingting Weinreich-Zhao (alle Gesellschafts-/Kapitalmarktrecht), Dr. Anselm Lenhard, Christina Zapf, Nine Scheenjes, Dr. Roland Schmidtbleicher, Dr. Matthias Thom (alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Alina Hoppe (Hamburg), Sebastian Röger, Bob van Kasteren (alle Steuerrecht; Amsterdam), Stephan Werner (Immobilienrecht; München), Dr. Tobias Pukropski (Kartellrecht; Düsseldorf)
Herbert Smith Freehills (Frankfurt): Dr. Markus Lauer; Associate: Julius Brandt (beide Corporate/M&A)

Berater Deutsche Wohnen
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar – aus dem Markt bekannt

Berater JP Morgan und Bank of America Merrill Lynch
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Marc Benzler (Bank- und Kapitalmarktrecht), Dr. Felix Mühlhäuser, Olaf Mertgen (beide Steuerrecht), Barbara Mayer-Trautmann (München), Dr. Bettina Steinhauer, Dr. Mattias von Buttlar (alle Finanzierung), Dr. André Schwanna, Dr. Christian Vogel (beide Corporate; Düsseldorf), Matthew Grigg (Finanzierung; London); Associates: Dr. Stefan Ueding (Bank- und Kapitalmarktrecht), Dirk Brouwers (Finanzierung), Dr. Jochen Buckel (Düsseldorf), Moritz Petersen (beide Corporate), Gregory Chartier, Joe Bao (beide Finance; beide London)

Hintergrund: Freshfields und Vonovia sind sich bereits beim Zusammenschluss von Deutscher Annington und Gagfah begegnet. Allerdings stand das Team um Partner van Aerssen damals aufseiten der Gagfah. Nun ist Freshfields erstmals für den neu entstandenen Konzern Vonovia tätig. Deutsche Annington setzte damals auf Sullivan & Cromwell und Allen & Overy.

Sullivan ist auch dieses Mal beteiligt. Allerdings berät Partner Berrar die Deutsche Wohnen, für die er – ebenso wie für Vonovia (Deutsche Annington) – seit mehreren Jahren tätig ist. Zuletzt stand er dem Wohnungskonzern etwa bei der geplanten Übernahme der LEG bei.

Zu Berrars Team gehörte bis Mai dieses Jahres auch Counsel Markus Lauer. Er wechselte im Frühjahr als Partner zu Herbert Smith. Für Sullivan war er auch an der Übernahme von GSW durch die Deutsche Wohnen und dem Zusammenschluss von Gagfah und Annington beteiligt. Nun vertraute ihm Vonovias General Counsel Görgemanns auch unter neuer Flagge.

Das Team um Clifford-Partner Benzler stand bereits bei der Gagfah-Übernahme aufseiten von JP Morgan. (Laura Bartels)

Aktualisierung am 22. Oktober 2015: Deutsche Wohnen hat die Übernahme der LEG abgesagt. Nach wie vor lehnt das Unternehmen eine Übernahme durch Vonovia ab.

Ergänzung vom 10.Februar 2016: Vonovia nimmt von der geplanten Transaktion Abstand. Sie teilt mit, dass die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent zur Übernahme der Deutschen Wohnen nicht erreicht wurde. Ihr wurden nur rund 30,4 % Prozent der Deutsche Wohnen Aktien angedient.

  • Teilen