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02.12.2015

Konzernumbau: RWE plant Neuausrichtung mit Hengeler

Er wolle lieber „Fast Follower“ statt „First Mover“ sein, sagte Peter Terium einmal, als er auf die Umstrukturierungspläne von Konkurrentin E.on angesprochen wurde. Nun folgt der RWE-Chef schnell, um dem unter finanziellen Druck geratenen Energiekonzern wieder Zugang zum Kapitalmarkt zu verschaffen. Am 11. Dezember soll der RWE-Aufsichtsrat über die Aufspaltung des Konzerns entscheiden. 

Hartwin Bungert

Hartwin Bungert

Schon seit dem Sommer ist klar, dass der oft als Energie-Dinosaurier gescholtene Konzern seine Strukturen verändern muss, um sich den Herausforderungen des veränderten Energiemarktes zu stellen. Aktuelle Pläne des Vorstands sehen vor, die Geschäftsfelder erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb in einer neuen Tochtergesellschaft zu bündeln. Die Zuständigkeit für die konventionellen Kraftwerke soll dagegen bei RWE bleiben. Zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollen dann möglichst schon Ende 2016 im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse gebracht werden.

Erste Pläne zum Umbau stellte Terium im August vor, allerdings sahen diese noch ganz anders aus. Damals sollte die RWE-Welt eher neu geordnet statt komplett umgekrempelt werden. Die neue Struktur sah eine Management-Holding vor, die sich in eine operative Gesellschaft wandelt und die deutschen RWE-Gesellschaften weitestgehend darin bündelt. Mehrere Tochtergesellschaften sowie Vorstands- und Geschäftsführungsposten sollten weg fallen.

Die am Dienstag präsentierten Pläne der Abspaltung der erneuerbaren Energie, Netz und Vertrieb sind radikaler. Mit ihnen rückt der Versuch, frisches Geld ins Unternehmen zu bringen, in den Vordergrund. Denn in den vergangenen Monaten hat sich die finanzielle Situation bei RWE dramatisch verschärft, weil der Konzern mit seinen Kraftwerken kaum noch Geld verdient. Zuletzt war es für RWE fast unmöglich geworden, neues Kapital aufzunehmen, zwischenzeitlich drohte das Energieunternehmen sogar aus dem Dax zu fallen. Auch ein angestrebtes Joint Venture mit einem arabischen Investor scheiterte.

Andreas Austmann

Andreas Austmann

Die neue „grüne“ Tochter, so das Kalkül, wird es leichter haben, Kapital aufzunehmen. In der noch namenlosen Gesellschaft kommen der Geschäftsbereich erneuerbare Energien mit einem Portfolio von gut 3,5 Gigawatt Leistung, die Stromnetze mit einem insgesamt 550.000 Kilometer langen Verteilnetz und der Vertrieb mit gut 23 Millionen Kunden in zwölf europäischen Ländern zusammen. Nach Angaben von RWE wird die neue Tochter einen Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro mit rund 40.000 der knapp 60.000 Mitarbeiter des alten RWE-Konzerns erwirtschaften.

Der Vorstand gab auch bekannt, dass nach dem angestrebten Börsengang weitere Anteile an der neuen Gesellschaft veräußert werden könnten. In der knappen Erklärung von RWE heißt es zudem, dass durch die Neustrukturierung das für die Erfüllung ihrer finanziellen Verpflichtungen zur Verfügung stehende Vermögen nicht verändert wird. Damit ist die Haftungsmasse für die Rückstellungen zum Abbau der Atommeiler gemeint.

Die Möglichkeit, die Atommeiler in eine eigene Gesellschaft auszulagern, quasi eine Atom-Bad-Bank, sind aufgrund der neuen Gesetzgebung des Bundes zur Nachhaftung der Atomkonzerne ohnehin vom Tisch. Terium hatte sich diesen Weg im August noch offen gehalten. Konkurrentin E.on musste ihre Pläne hierzu aufgrund der Gesetzesinitiative aus dem Wirtschaftsministerium zuletzt revidieren. Während dort am Ende des Umstrukturierungsprozesses zwei völlig eigenständige Gesellschaften stehen werden, verspricht Terium – wohl auch mit Blick auf die schwierige Eigentümerstruktur des Unternehmens – Kontinuität: RWE wolle auch langfristig Mehrheitsgesellschafter der neuen Gesellschaft bleiben.

Zudem wird in Berlin weiter über ein Stiftungsmodell für die Atomrückstellungen diskutiert. Nach Bekanntwerden der Abspaltungspläne schoss der Aktienkurs von RWE gestern zeitweise um mehr als acht Prozent in die Höhe.

Berater RWE
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Hartwin Bungert, Dr. Andreas Austmann (beide Federführung; Gesellschaftsrecht), Dr. Wolfgang Groß (Kapitalmarktrecht), Dr. Hendrik Haag (Finanzierung), Dr. Christian Hoefs (Arbeitsrecht; alle Frankfurt), Dr. Thomas Schmidt-Kötters (Öffentliches Recht; Düsseldorf); Associates: Dr. Matthias Cloppenburg, Mauritz Rogier (beide Gesellschaftsrecht), Andreas Lischka (Finanzierung; Frankfurt)
Inhouse Recht (Essen): Dr. Claudia Mayfeld (General Counsel), Dr. Gunnar Janson (Leiter Gesellschaftsrecht), Dr. Christian Kuhn

Hintergrund: Dass Hengeler die Umstrukturierung bei RWE betreut, ist schon seit August bekannt. Die Kanzlei ist seit Jahren die angestammte Beraterin von RWE in gesellschaftsrechtlichen Fragen. Für die Umstrukturierung wurde die Kanzlei daher mandatiert, obwohl sie nicht zu den ausgewählten Panel-Kanzleien von RWE gehört.

In atomrechtlichen Fragen, insbesondere bei den Klagen gegen die Stilllegung von Atommeilern und der Verfassungsklage gegen den Atomausstieg, wird RWE von Freshfields Bruckhaus Deringer beraten. (Ulrike Barth)

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