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23.02.2016

Börsengang: Allen & Overy, Weil Gotshal und White & Case begleiten Senvion

Der Hamburger Windanlagenhersteller Senvion – früher als Repower Systems bekannt soll an die Börse zurückkehren. Der Mehrheitseigner Centerbridge will das Unternehmen noch im ersten Halbjahr an das Premiumsegment der Frankfurter Börse bringen. Der geplante Zuschnitt der Transaktion ist eher ungewöhnlich.

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Gerhard Schmidt

Mithilfe eines Konsortiums um die Deutsche Bank, die Citi und JP Morgan soll zunächst ein Minderheitsanteil aus dem Paket der bisherigen Eigentümer Centerbridge und Arpwood bei institutionellen Investoren platziert werden. Angestrebt wird ein Erlös von rund einer halbe Milliarde Euro. Insgesamt dürfte das Unternehmen mit bis zu 1,5 Milliarden Euro bewertet werden. Die gewählte Dealstruktur verschafft Senvion angesichts der derzeit besonders wackeligen Kapitalmärkte eine höhere Transaktionssicherheit als ein klassischer Börsengang. Einen ähnlichen Weg hatte 2014 auch schon der Autozulieferer Hella gewählt.

Der auf den Kauf angeschlagener Unternehmen und dessen Sanierung spezialisierte US-Investor Centerbridge und der indische Fonds Arpwood Capital hatten Senvion erst vor gut einem Jahr für rund eine Milliarde Euro in bar vom finanziell angeschlagenen indischen Energieunternehmen Suzlon übernommen. Parallel zum Verkauf stand schon damals auch ein Börsengang des Windradbauers im Raum. Die Notierung war seinerzeit an der Londoner Börse geplant.

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Rebecca Emory

Senvion installiert Windenergieanlagen an Land und auf hoher See und beschäftigt weltweit 3.900 Mitarbeiter. 2015 erwirtschaftete das Unternehmen 2,1 Milliarden Euro und einen bereinigten Betriebsgewinn von 210 Millionen Euro. Die wirtschaftliche Situation verbesserte sich zuletzt deutlich. Rund 420 Millionen Euro stehen als liquide Mittel zur Verfügung. Das Geld soll nach dem IPO für eine vorzeitige Kündigung einer ausstehenden Anleihe über 400 Millionen Euro verwendet werden. Senvion war unter dem Namen Repower bereits von 2002 bis 2011 an der Börse notiert und sorgte dort für einige Furore: Der Kurs vervielfachte sich vor der Finanzkrise binnen weniger Jahre.

In einem spektakulären Bieterkampf hatte Suzlon den Windradbauer 2007 für 1,3 Milliarden Euro von der französischen Areva-Gruppe übernommen. Die Finanzkrise und das in der Folge schwächelnde Geschäft belasteten Senvion und auch Suzlon in der Folge. 2011 nahmen die Inder die Firma von der Börse, im vergangenen Jahr stiegen sie dann aus.

Der nun geplante Börsengang wäre der größte im arg schwächelnden Kapitalmarkt des noch jungen Jahres.

Berater Centerbridge
Weil Gotshal & Manges (Frankfurt): Prof. Dr. Gerhard Schmidt, Dr. Barbara Jagersberger (beide Corporate)

Berater Senvion
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Oliver Seiler, Marc Plepelits (beide Federführung); Associate: Simon Weiss (alle Kapitalmarktrecht)
Inhouse Recht (Hamburg): Dr. Livia Musso (Vice President, Compliance & Legal) – aus dem Markt bekannt

Berater Banken
White & Case (Frankfurt): Rebecca Emory, Gernot Wagner (beide Federführung), Dr. Benedikt Gillessen, Dr. Lutz Krämer (alle Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Deutsche Bank; Frankfurt): Marco Tautges – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Weil Gotshal-Partner Gerhard Schmidt gilt hierzulande schon seit vielen Jahren als engster Berater von Centerbridge. So beriet ein Team unter seiner Führung die Amerikaner unter anderem auch im vergangenen Jahr, als sie die Mehrheit an Senvion übernahmen. An der Seite von Senvion stand damals DLA Piper und deren Hamburger Partner Dr. Benjamin Parameswaran, der den Windradbauer seit Jahren in M&A-Fragen betreut. Für die jetzige IPO-Arbeit kam allerdings Allen & Overy ins Spiel, JUVE-Informationen zufolge auf Empfehlung von Gerhard Schmidt. Allen & Overy hatte zuletzt etwa auch die Reederei Hapag-Lloyd bei deren IPO beraten, dem letzten großen Börsenstart 2015.

Die Banken, die für den vor Jahresfrist geplanten IPO von Senvion an der Londoner Börse noch Herbert Smith Freehills hinzugezogen hatten, wählten nun White & Case – und damit die Kanzlei, der sie schon bei der Finanzierung der Senvion-Übernahme vertrauten. Das rund 1,5 Milliarden Euro schwere Finanzierungspaket bestand seinerzeit aus einer Hochzinsanleihe sowie mehreren Kreditfazilitäten. Seit Ende 2014 ein Team um Gernot Wagner von Allen & Overy zu White & Case stieß, hat die Kanzlei schon bei mehreren ähnlich gelagerten Deals beraten, also komplexen Refinanzierungsmaßnahmen, die dann den Weg bereiteten für einen Börsengang.

So unterstützten Wagner und Emory etwa noch unter dem Dach von Allen & Overy den Autozulieferer Stabilus, als dieser sich durch eine Hochzinsanleihe und einen revolvierenden Kredit refinanzierte und damit einen möglichen Börsengang einleitete. Dies brachte sie auch in Position für den anstehenden Börsengang. Diesen begleiteten sie im vergangenen Frühjahr schon unter der Flagge von White & Case. Das Gleiche gilt für den IPO von Hapag-Lloyd, bei dem das Team um Wagner und Emory allerdings wie nun auch die begleitenden Banken berieten. (René Bender)

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