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24.02.2016

Geplante Megafusion: Linklaters-Mandantin Deutsche Börse nimmt neuen Anlauf

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) unternehmen nach gut elf Jahren einen weiteren Anlauf für einen Zusammenschluss. Gelingt dies, entstünde der mit Abstand größte europäische Börsenbetreiber. Die Deutsche Börse soll an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen eine knappe Mehrheit von 54 Prozent halten.

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Ralph Wollburg

Die Deutsche Börse ist mit rund 15 Milliarden Euro bewertet und damit um 4 Milliarden Euro höher als ihr Pendant am wichtigsten Finanzplatz Europas. Geplant ist eine neue Dachgesellschaft, in der die Anteilseigner der beiden Fusionspartner ihre Aktien gegen Papiere des neuen Gemeinschaftsunternehmens eintauschen. Ihr jeweiliges Kerngeschäft wollen die beiden Börsenbetreiber aber weiter unter den bestehenden Markennamen betreiben.

Bereits 2000 und 2004 hatten die Deutsche und die Londoner Börse Anläufe zu einem Zusammengehen unternommen. Anders als heute – wo es ein Zusammenschluss auf Augenhöhe sein soll – war damals eine Übernahme der Londoner Börse durch die deutsche Wettbewerberin vorgesehen. Beide Vorhaben misslangen jedoch, wie in den folgenden Jahren auch andere Fusionsvorhaben der Deutschen Börse, allen voran 2012 der Zusammenschluss mit der New York Stock Exchange, der an der EU-Kommission scheiterte.

Erst im vergangenen Jahr kam die Deutsche Börse dann bei Zukäufen gut voran und bei gleich drei mittelgroßen Übernahmen im Wert von insgesamt 1,3 Milliarden Euro zum Ziel. Zuletzt kaufte sie die Devisenplattform 360T. Der jetzt anvisierte Zusammenschluss dürfte indes ungleich schwerer werden, angesichts der Bedeutung der beiden Wettbewerberinnen wird insbesondere das Ringen um die Freigabe der Transaktion durch die Kartellbehörden in den Fokus rücken.

Berater Deutsche Börse
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Roger Müller (General Counsel) – aus dem Markt bekannt
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Staffan Illert, Roger Barron (alle Corporate/M&A), Christian Ahlhorn (Kartellrecht; beide London; alle Federführung)

Berater London Stock Exchange
Freshfields Bruckhaus Deringer (London): Mark Rawlinson, Andrew Hutchings, Piers Jones, Dr. Andreas Fabritius, Dr. Gunnar Schuster (beide Frankfurt; alle Corporate/M&A; Bank- und Kapitalmarktrecht; alle Federführung) – aus dem Markt bekannt

Berater Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
Taylor Wessing (Frankfurt): Christoph Vaupel, Dr. Lars-Gerrit Lüßmann (beide Federführung), Ulrich Reers; Associates: Dr. Sebastian Beyer, Tobias Henke, Dorothee Barg (alle Kapitalmarktrecht)

Hintergrund: Linklaters gehört seit Jahren zum engen Beraterkreis der Deutschen Börse. Für den ursprünglichen Aufbau der Mandatsbeziehung stand insbesondere der Frankfurter Kapitalmarktpartner Dr. Herbert Harrer. In M&A-Fragen ist die Mandatsbeziehung allerdings noch nicht so lange derart eng wie in Kapitalmarktthemen. Bei dem ersten Versuch, mit der Londoner Wettbewerberin zusammenzugehen, hatte die Deutsche Börse Ende 2004 noch Ashurst mandatiert.

Den Durchbruch für Linklaters als M&A-Beraterin der Deutschen Börse bedeutete die Arbeit an der geplatzten Fusion mit der New Yorker Börse. Seither wird sie bei geplanten Zusammenschlüssen und Übernahmen regelmäßig für die Börse tätig, wie zuletzt auch bei der Übernahme der Handelsplattform 360T und dem kompletten Erwerb der Schweizer Indexanbieter Stoxx und Indexium.

Freshfields dagegen stand der Londoner Börse auch schon vor elf Jahren beim ersten Versuch eines Zusammenschlusses mit der Deutschen Börse zur Seite. An den seit vielen Jahren sehr engen Kontakten der Kanzlei zum Börsenbetreiber hat sich auch seither nichts geändert. So begleitete sie die Londoner Börse etwa erst im vergangenen Oktober beim umgerechnet rund 750 Millionen Euro schweren Verkauf von Russell Investments, einem Spezialisten für Asset-Management.

Taylor Wessing berät das Hessische Wirtschaftsministerium als zuständige Börsenaufsichtsbehörde bei der Prüfung der geplanten Fusion. Im Rahmen des Zusammenschlusses sollen LSEG-Anteile im Zuge eines sogenannten „Scheme of Arrangement“ auf eine britische Holdinggesellschaft (HoldCo) gegen Ausgabe neuer HoldCo-Aktien übertragen werden. (René Bender)

Der Artikel wurde im Mai 2016 ergänzt

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