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22.03.2016

Anleihen-Refinanzierung: Ekosem-Agrar gewinnt Zeit mit Görg

Ekosem-Agrar, die deutsche Holding des russischen Milchproduzenten Ekoniva, darf die Laufzeit ihrer Unternehmensanleihen verlängern. Die Anleihegläubiger stimmten der Fristverlängerung ohne zusätzliche Kompensation zu. Die Refinanzierung per Schuldverschreibung beläuft sich auf 128 Millionen Euro.

Christian Becker

Christian Becker

Der Agrarkonzern hatte die Wertpapiere 2012 begeben, um Bankverbindlichkeiten abzulösen. Die Teilschuldverschreibungen in Höhe von 50 und 60 Millionen Euro wurden seinerzeit im Handelssegment Bondm der Börse Stuttgart notiert.

Eine erste Anleihegläubigerversammlung im Februar erreichte nicht das nötige Quorum von 50 Prozent in der Präsenzquote. Die zweite Anleihegläubigerversammlung fand Mitte März statt. Dort wurde der Vorschlag der Geschäftsführung angenommen, die Schludverschreibungen um vier Jahre zu verlängern. Die Zinskonditionen, die einst bei 8,50 und 8,75 Prozent festgelegt wurden, bleiben unverändert.

Ekosem-Agrar mit Sitz in Walldorf verzeichnete im letzten Jahr einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro. Ihre Tochter Ekoniva, die rund 3.500 Mitarbeiter beschäftigt, verfügt in Russland über einen Bestand von über 55.000 Rindern. Geplante Viehstallungen sind aufgrund des wirtschaftlich schwierigen Umfelds verspätet in Bau gegangen, sollen aber im nächsten Jahr mit eigenem Milchkuh-Nachwuchs bevölkert werden.

Berater Ekosem-Agrar
Görg (München): Christian Becker (Federführung; Anleiherestrukturierung), Harald Ick, Dr. Wolfram Lohse (beide Restrukturierung; beide Hamburg), Dr. Michael Nienerza (Insolvenzrecht), Dr. Daniel Rubner, Lutz Pospiech (beide Kapitalmarktrecht); Associates: Dr. Christian Lindner (Kapitalmarktrecht), Karl-Friedrich Curtze (Restrukturierung; Hamburg)

Gäubigerversammlung
Schalast & Partner (Frankfurt): Prof. Dr. Christoph Schalast (Abstimmungsleiter)
Veith (Heidelberg): Dr. Peter Veith (Notar) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Als Ekosem-Agrar 2012 die Anleihen begab, erstellte die Stuttgarter Kanzlei Schelling & Partner die Prospekte. Das Gutachten, das nun die Prolongationspläne der Geschäftsführung untermauerte, erstellte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Dort waren die beiden Münchner Dr. Frank Girotto und Ullrich Stücke eingebunden. Die Abstimmung mit den Anleihegläubigern übernahm die Beratungsgesellschaft IR.on.

Görg wiederum erarbeitete das Refinanzierungskonzept und bereitete die Gläubigerversammlung vor. Partner Becker hatte im vergangenen Jahr bereits einen ähnlichen Fall betreut: Die ebenfalls in Walldorf ansässige Ekotechnika, die über ihre Tochtergesellschaft der größte Landtechnikhändler in Russland ist, kam mit ihrer Mittelstandsanleihe ebenfalls in Straucheln. Ihre Bonds wurden schließlich über einen Debt-Equity-Swap in Aktien umgewandelt.

In der ersten Versammlung der Ekosem-Gläubiger fungierte der Frankfurter Anwalt Schalast als Notar und Abstimmungsleiter. Für die zweite Versammlung, bei der laut Schuldverschreibungsrecht nur 25 Prozent des Kapitals vertreten sein müssen, wurde nach JUVE-Informationen zusätzlich der Heidelberger Notar Veith engagiert. (Sonja Behrens)

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