Artikel drucken
18.03.2016

Bankenfusion: Schweizer Deal mit Schellenberg und Lenz & Staehelin

Die Tessiner Privatbank BSI wird für etwa 1,33 Milliarden Schweizer Franken weiterverkauft. Eine entsprechendes Übernahmeangebot machte die nationale Wettbewerberin EFG International (EFGI). Sofern Aufsichtsbehörden und EFGI-Aktionäre zustimmen, bildet sich durch den Zusammenschluss der fast gleich großen Finanzinstitute ein neues Schwergewicht im Schweizer Bankensektor. Die bisherige BSI-Eignerin BTG Pactual bleibt über Kapitalmaßnahmen an Bord.

Oliver Triebold

Oliver Triebold

BSI, die 1873 als Banca della Svizzera Italiana gegründet wurde, ist eine der ältesten Privatbanken der Schweiz. Mit rund 1.900 Mitarbeitern verwaltet sie derzeit ein Kundenvermögen von rund 88 Milliarden Schweizer Franken. Neben dem Hauptsitz in Lugano ist ihr zweitgrößter Standort Singapur.

Seit September gehört BSI der brasilianischen Investmentbank BTG Pactual, die die Schweizer Bank für 1,5 Milliarden Franken von dem italienischen Versicherer Generali erworben hatte. Die brasilianische Eignerin geriet jedoch in Schwierigkeiten, nachdem ihr Chef wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet wurde.

Der aktuelle Transaktionswert von 1,33 Milliarden Schweizer Franken für die BSI soll zu zwei Dritteln in bar und zu einem Drittel mit Aktien abgegolten werden. Finanziert wird dies durch eine Kapitalerhöhung, die rund eine halbe Milliarde Franken umfassen soll, sowie Obligationen. Neben neuen strategischen Investoren, die über die Kapitalerhöhung (PIPE-Tranche) einsteigen könnten, wäre die brasilianische BTG Pactual durch einen Aktientausch über eine britischen Holding schließlich mit rund 20 Prozent an EFG beteiligt. Sollte die Kapitalerhöhung nicht stattfinden, würde ihre Beteiligung höher ausfallen.

Die Züricher Vermögensverwaltungsbank EFGI ist an der Schweizer Börse Six gelistet. Ihre größte Aktionärin ist mit rund 35 Prozent die EFG Group, die indirekt von der griechisch-schweizerischen Unternehmerfamilie Latsis kontrolliert wird. Die nächste Generalversammlung der EFGI-Aktionäre, bei der über die Transaktion abgestimmt wird, findet Ende April statt. Die Bankengruppe beschäftigt weltweit rund 2.200 Mitarbeiter.

Berater EFG International
Schellenberg Wittmer (Zürich): Oliver Triebold, Martin Weber (beide Corporate/M&A; beide Federführung), Olivier Favre, Martin Lanz (beide Bank- und Finanzrecht), Roland Mathys (IT-Recht), Peter Burckhardt (Litigation/Compliance); Associates: Pascal Hubli, Zlatina Iliev, Marcel Jakob (alle Corporate/M&A)
Inhouse Recht: Andrew Stone (Group Legal Director; London), Andreas Müller (Senior Legal Counsel; Zürich) – aus dem Markt bekannt

Berater EFG Group
Niederer Kraft & Frey (Zürich): Thomas Brönnimann – aus dem Markt bekannt

Hans-Jakob Diem

Hans-Jakob Diem

Berater BTG Pactual
Lenz & Staehelin (Zürich): Hans-Jakob Diem (Federführung; Corporate), Dr. Pascal Hinny (Steuerrecht), Astrid Waser (Wettbewerbsrecht), Dr. Patrick Schleiffer (Kapitalmarktrecht); Associates: Simone Ehrsam, Nicolas Bonassi, Nicolas Jacquemart, Stefan Brandner, Lukas Aeb
Skadden Arps Slate Meagher & Flom (London): Michelle Gasaway (Finanzierungen) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht
(Sao Paulo): Jon Bisgaier (General Counsel) – aus dem Markt bekannt

Schweizer Übernahmekommission
Susan Emmenegger (Präsidentin), Jean-Luc Chenaux, Thomas Rufer

Hintergrund: Die Schweizer Übernahmekommission (UEK) hatte die komplexe Offerte der EFGI International vorab zu prüfen. Diese ist mit zusätzlichen Vereinbarungen zwischen den Beteiligten verknüpft. Ende Februar bestätigte die UEK, dass für EFG oder BTG aus der Transaktion keine Pflicht entstehe, allen EFGI-Aktionären ein öffentliches Kaufangebot zu unterbreiten. Im Prüfungsausschuss saß auch UEK-Neumitglied Jean-Luc Chenaux, der zuvor viele Jahre bei Carrard & Associés – die nach einer Fusion seit September als Kellerhals Carrard firmiert  in Lausanne tätig war.

Lenz & Staehelin ist mit dem Übernahmeziel und der Mandantin BTG bestens vertraut: Hans-Jakob Diem, Leiter der Corporate- und M&A-Praxis, beriet die Brasilianer bereits beim Kauf der BSI. Die Investmentbank hatte ihn damals aufgrund einer Empfehlung mandatiert. Skadden hingegen berät das Finanzinstitut fortlaufend.

Als Generali sich von der BSI trennte, wurde sie von einem kombinierten Team unter der Federführung von Homburger-Seniorpartner Heinz Schärer beraten, zu dem auch die Sozietät Niederer Kraft & Frey (NKF) gehörte. Nun ist NKF dem Vernehmen nach wieder beteiligt, allerdings an der Seite der EFG Group auf Holdingebene. NKF begleitete vor rund zehn Jahren auch den Börsengang der Privatbankengruppe. Namenspartner Hans Niederer ist seitdem Mitglied des EFGI-Verwaltungsrates und dürfte somit in die Vorbereitungen zur anstehenden Hauptversammlung involviert sein.

Schellenberg Wittmer berät EFGI seit Jahren in bankrechtlichen Fragen und wurde nun für das Transaktionsmandat hinzugezogen. Martin Weber leitet die M&A-Gruppe des Züricher Standortes. Triebold ist häufig bei Private-Equity-Deals zu sehen und unterstützte beispielsweise 2013 den Softwareriesen SAP, als jener Hybris kaufte, ein Schweizer E-Commerce-Unternehmen.

Die behördlichen Genehmigungen für die aktuelle Bankenfusion außerhalb der Schweiz holt nach JUVE-Informationen ein Londoner Team von Linklaters ein. (Sonja Behrens)

  • Teilen