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11.03.2016

Rückzug: Deutsche Börse verkauft US-Tochter mit Allen & Overy

Mitten in den Fusionsverhandlungen mit der Londoner Börse hat sich die Deutsche Börse von ihrer US-Tochter International Securities Exchange (ISE) getrennt. Käufer ist die US-Technologiebörse Nasdaq, die dafür 1,1 Milliarden Dollar auf den Tisch legt. Wenn die Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden keine Einwände erheben, kann die Transaktion in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden.

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Hartmut Krause

ISE betreibt drei Aktienoptionsbörsen in den USA. Der Frankfurter Dax-Konzern hatte die ISE 2007 für 2,8 Milliarden Dollar gekauft. Kurz darauf begann die Finanzkrise, und hohe Abschreibungen wurden fällig. Die ISE war nach Angaben der Deutschen Börse bei Erwerb bilanziell dem Segment  European Exchange (Eurex) zugeordnet worden, der Terminbörse für Finanzderivate.  Durch die Veräußerung der ISE reduziere sich der heutige Firmenwert des Eurex-Segmentes jedoch nur teilweise, so dass ein Veräußerungsgewinn im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich auf Konzernebene erwartet werde.

In Europa ist derweil der dritte Anlauf zur Fusion mit der Londoner Börse (LSE) nach 2000 und 2005 im vollen Gange. Bisher ist geplant, dass das entstehende Gemeinschaftsunternehmen seinen rechtlichen Sitz in London hat und vom bisherigen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter nach britischem Recht geführt wird. Bis spätestens 22. März müssen die beiden Unternehmen nach britischem Recht ein bindendes Angebot zur Fusion abgeben. Andernfalls müssten sie den Deal vorerst abblasen. 

Berater Deutsche Börse
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Roger Müller (General Counsel), Dr. Daniel Mirtschink – aus dem Markt bekannt
Allen & Overy: Dr. Hartmut Krause (Frankfurt), Peter Harwich (New York; beide Corporate/M&A; beide Federführung), Dr. Heike Weber (Steuern; Frankfurt), Elaine Johnston (New York), John Roberti (Washington; beide Kartellrecht), Jack Heinberg, Dave Lewis (beide Steuern; New York), Chris Salter (Bank- und Finanzrecht; New York), Brian Jebb (Corporate/M&A; Washington), Maura Rezendes (Regulatory; Washington); Associates: Peter Seidel, Dr. Dominic Paschke (beide Steuern; beide Frankfurt), Puja Patel (New York), Erik Raven-Hansen (Washington; beide Kartellrecht), Ruth Ducena, Shira Selengut, Keren Livneh, Mark Sorensen (alle Corporate/M&A; alle New York), Brian Schultz, Dustin Plotnick (beide Steuern; beide New York), Matthew Daigler, Kimberly Chehardy (beide Bank- und Finanzrecht; alle Washington)

Berater Nasdaq
Wachtell Lipton Rosen & Katz (New York): David Lam; Associate: Sebastian Fain (beide M&A/Corporate) – aus dem Markt bekannt
Jones Day (Washington): David Wales (Kartellrecht/Regulierung)

Hintergrund: Die Deutsche Börse setzte auf bewährte Berater. Erst vor wenigen Monaten begleitete ein Team um Allen & Overy-Partner Krause die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens von Deutscher Börse, Shanghai Stock Exchange und China Financial Futures Exchange. Aktuell führten Krause und der New Yorker Partner Harwich das Mandat gemeinsam. 

Regelmäßig setzt der Dax-Konzern auch auf Linklaters. Die Kanzlei ist etwa bei den Fusionsverhandlungen mit der Londoner Börse mandatiert, federführender Partner ist Dr. Ralph Wollburg. Auch die vor fünf Jahren geplante und letztlich geplatzte Fusion von Deutscher Börse und New Yorker Börse (NYSE) hatte Wollburg begleitet.

Als Financial Advisor für die Deutsche Börse fungierte hier die Investmentberatung Perella Weinberg Partners. Federführend waren Andrew Bednar und Michael Grace, beide sind in New York tätig.

Die US-Praxis von Jones Day beriet zu regulatorischen Themen. Diese dürften nach dem Abschluss des Kaufvertrags in den Vordergrund rücken, denn nun prüfen sowohl Wettbewerbs- wie auch Finanzaufsichtsbehörden die geplante Transaktion. (Marc Chmielewski)

 

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