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21.03.2016

Rüstungsdeal: Hengeler-Mandantin KKR macht Rennen um Airbus-Sparte

Der Flugzeughersteller Airbus hat seine Sparte für Verteidigungselektronik an den US-Finanzinvestor KKR verkauft. Für 1,1 Milliarden Euro erhielten die Amerikaner den Zuschlag und setzten sich gegen den letzten verbliebenen Konkurrenten Carlyle durch. Die Behörden müssen dem Deal aber noch zustimmen. Zudem will die Bundesregierung dafür sorgen, dass Deutschlands Sicherheitsinteressen auch nach dem Verkauf der Airbus-Rüstungselektroniksparte an KKR gewahrt bleiben.

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Maximilian Schiessl

Neben den beiden US-Investoren KKR und Carlyle hatte auch der von der Bundesregierung favorisierte deutsche Bieter, der Rüstungskonzern Rheinmetall, Interesse gezeigt, sowie zwei weitere Private-Equity-Häuser – Blackstone und Cinven. Gemeinsam mit Cinven bot der Bremer Luftfahrtspezialist OHB. Ihnen erteilte Airbus aber schon vor längerer Zeit Absagen, ebenso dem fünften Mitbewerber, dem französischen Konzern Thales. Ihre Offerten sollen deutlich unter denen von KKR und Carlyle gelegen haben. Die Verteidigungselektroniksparte von Airbus hat ihren Sitz in Ulm und erwirtschaftet jährlich mit weltweit etwa 4.000 Mitarbeiter rund eine Milliarde Euro.

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Ralph Kogge

Zum Angebot gehören unter anderem elektronische Schutzsysteme für Flugzeuge und Fahrzeuge sowie Radare. Airbus mit Hauptsitz in Toulouse hatte die Sparte zum Verkauf gestellt, weil er sich angesichts sinkender Verteidigungsausgaben in Europa im Rüstungssegment stärker auf den Verkauf von Flugzeugen, Raketen und Satelliten konzentrieren will. Der Konzern durchläuft einen größeren Umbau, in dem er Teile seines Geschäfts im Rahmen eines sogenannten Carve-out ausgliedert, bündelt und teilweise verkauft. Der Verkauf des Verteidigungselektronikgeschäfts sollte eigentlich schon bis zum Jahresende 2015 abgeschlossen sein, verzögerte sich aber dann, unter anderem durch Gespräche mit der Bundesregierung, die Wert darauf legt, dass Deutschlands Sicherheitsinteressen auch nach dem Verkauf der Airbus-Rüstungselektroniksparte gewahrt und Arbeitsplätze hierzulande erhalten bleiben.

Der Bund hat Medienberichten zufolge ein Vorkaufsrecht für die Airbus-Sparte. Die Bundesregierung führt mit KKR Gespräche über den Abschluss eines Abkommens zum Schutz der betroffenen Sicherheitstechnologien. Geklärt werden musste auch, ob der Teilverkauf ins Ausland nach dem Außenwirtschaftsgesetz möglich ist.

Berater KKR
Hengeler Mueller: Dr. Maximilian Schiessl, Dr. Christian Schwandtner (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Wolfgang Meyer-Sparenberg (M&A; alle Düsseldorf), Heinrich Knepper (Finanzierung; Frankfurt), Dr. Vera Jungkind, Dr. Dirk Uwer (beide Regulierung), Dr. Thorsten Mäger (Kartellrecht; alle Düsseldorf), Dr. Martin Klein (Steuern), Hendrik Bockenheimer (Arbeitsrecht; beide Frankfurt), Dr. Mathias Link (Steuern; Frankfurt), Dr. Astrid Harmsen, Patrick Wilkening, Dr. Andrea Schlaffge (alle IP/IT; alle Düsseldorf) ; Associates: Dr. Martin Ulbrich, Dr. Katharina Hesse, Dr. Daniel Doetsch, Dr. Gerrit Forst (alle Gesellschaftsrecht/M&A; alle Düsseldorf), Dr. Sonnhild Heinsch (Arbeitsrecht), Dr. Alexander Kredig (Steuern; beide Frankfurt), Dr. Deniz Tschammler (Regulierung), Dr. Matthias Rothkopf (IP), Dr. Marc Wetzig (IP/IT; alle Düsseldorf)

Berater Airbus
Inhouse Recht: Edouard Eltvedt (Leiter Legal M&A), Chris Crowder (beide Toulouse)
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Ralph Kogge, Dr. Torsten Schreier (beide Federführung), Patrick Tardivy, Dr. Ferdinand Fromholzer, Dr. Patrick Cichy (alle Gesellschaftsrecht), Dr. Norbert Schneider, Dr. David Beutel (beide Steuerrecht), Dr. René Döring (Arbeitsrecht), Thomas Wessely (Kartellrecht), York Jetter (Finanzrecht), Associates: Dr. Maximilian Lasson, Dr. Christoffer Bortz, Anke Allenhöfer, Elizabeth Reiner-Oberholzer, Fabian Behrens (alle Gesellschaftsrecht), Dr. Philipp Redeker, Björn Junior (beide Steuerrecht), Thoralf Knuth (Konfliktlösung), Nina Heym (Finanzrecht)
Milbank Tweed Hadley & McCloy (Frankfurt): Dr. Arndt Stengel – aus dem Markt bekannt

Berater Bundesregierung
Herbert Smith Freehills (Berlin): Dr. Dirk Hamann (Federführung), Dr. Ralf Thaeter; Associates: Dr. Ralf Tietz, Genevieve Baker, Alexander Kern, Niklas Eckhardt (alle Gesellschaftsrecht/M&A)

Berater finanzierende Banken
Linklaters: Nick Syson (London), Marc Trinkaus; Associates: Przemyslaw Lipin, Michael Schnurr (alle Bank- und Finanzrecht), Jonas Hermann (Corporate; alle Frankfurt)

Unterlegene Bieter

Berater Carlyle
Latham & Watkins: Dr. Henning Schneider (Federführung; Corporate/M&A; Hamburg), Stefan Süß (Steuerrecht; München), Dr. Dirk Kocher (Corporate/M&A; Hamburg), Dan Lennon, Paul Sheridan (beide Corporate/M&A; beide Washington DC), Dr. Jörn Kassow, Dr. Christian Engelhardt (beide Corporate/M&A), Dr. Norma Studt (Arbeitsrecht), Panu Siemer (Immobilienrecht), Dr. Jana Dammann de Chapto (Kartellrecht; alle Hamburg), Thies Deike (IT; Frankfurt); Associates: Dr. Nils Roever, Benjamin Kaiser, Dr. Jan Feigen, Malte Ingwersen, Friederike Rickers, Dr. Vanessa Rendtorff, Dr. Mathias Hansen (alle Corporate/M&A; alle Hamburg), Dr. Philipp Friedrichs (Düsseldorf), Marion Schuster (München; beide Corporate/M&A), Dr. Alexander Beck, Christoph Seidler (beide Arbeitsrecht)
WilmerHale (Berlin): Martin Seyfarth, Dr. Olaf Weiß, Robert Kimmitt (Washington) – aus dem Markt bekannt
Baker & McKenzie: Dr. Marc Gabriel (Federführung; Berlin), Alexia Robbes (Paris), Morvarid Nilsson (Stockholm), Francesco Goisis (Mailand); Associates: Andreas Schulz, Verena Bärenbrinker, Ilya Levin (alle Berlin), Katharina Weiner (Düsseldorf), Julia Pfeil (Frankfurt), Pierre Sikorav (Paris), Caroline Bostrom (Stockholm; alle Vergaberecht)

Berater Rheinmetall
Willkie Farr & Gallagher
(Frankfurt): Georg Linde, Mario Schmidt – aus dem Markt bekannt

Berater Blackstone
Gleiss Lutz: Dr. Jan Bauer, Dr. Cornelia Topf (beide Frankfurt), Dr. Thomas Menke (Düsseldorf; Corporate/M&A)

Berater Cinven/OHB
Allen & Overy – aus dem Markt bekannt

Berater Thales
Orrick Herrington & Sutcliffe (Düsseldorf): Dr. Oliver Duys, Dr. Sven Greulich (beide Corporate/M&A), Dr. Christian Schröder (IP/IT), Dr. Stefan Schultes-Schnitzlein (Steuerrecht), Dr. Till Steinvorth (Kartellrecht), Dr. André Zimmermann (Arbeitsrecht), George Rigo (M&A/Private Equity, Paris), David Syed (Finanzrecht), Douglas Lahnborg (Kartellrecht, beide London), Harry Clark (Handelsrecht, Washington), Dr. Felix Schäfer (Immobilienwirtschaftsrecht), Thomas Strassner (Corporate/M&A, München), Dr. Nikita Tkatchenko (Corporate/M&A); Associates: Christopher Mayston (München), Julia Overhage, Dr. Nicholas Mähner (München), Dr. Johannes Rüberg (alle Corporate/M&A), Clarissa Otto, Sophie Ratzke (beide IP/IT), Olivier Vuillod (M&A/Private Equity), Sarah Fleury (Immobilienwirtschaftsrecht, beide Paris), Julia Schmitz (Arbitration)

Hintergrund: Hengeler gehört zu einem überschaubaren Kreis von Kanzleien, die KKR regelmäßig für Akquisitionen hinzuzieht. Erst vor wenigen Monaten beriet die Sozietät etwa beim Einstieg in das Internet-Reiseportal GetYourGuide, ebenso Anfang 2015, als KKR mit dem Investor Deutsche Immobilien Chancen-Gruppe (DIC) eine gemeinsame Plattform schuf, die sich auf den Ankauf und die Entwicklung von deutschen Gewerbeimmobilien fokussiert. Als KKR aber im Sommer bei der Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser einstieg, setzten die Amerikaner auf Clifford Chance. Daneben gehörten in den vergangenen Jahren auch Gleiss Lutz sowie Freshfields zu den regelmäßigen Beraterinnen.

Freshfields berät Airbus schon seit Jahren. So begleiteten die Partner Schreier und Kogge, letzterer damals noch Associate, den Flugzeughersteller schon 2008 beim Verkauf seines Werks in Laupheim an den Nürnberger Technologie- und Rüstungskonzern Diehl und seinen französischen Partner Thales. Auch in der Folge stand die Sozietät dem Luftfahrtunternehmen und dessen Mutter EADS immer wieder zur Seite, so etwa 2010 beim Kauf des Weltraumgeschäfts der Thüringer Firma Jenoptik. 2013 benannte sich EADS um, seither firmiert das gesamte Unternehmen nach der Flugzeugtochter Airbus. Vor gut einem Jahr kaufte der Konzern – ebenfalls mit Freshfields-Hilfe – eine Bank, die Salzburg München Bank vom österreichischen Raiffeisenverband.

Während des jetzigen Verkaufs hatten die Freshfields-Anwälte auch intensiv mit einem Ex-Kollegen zu tun, dem Corporate-Experten Dirk Hamann, der im Sommer 2014 zu Herbert Smith Freehills wechselte. Er stand nun mit seiner neuen Kanzlei an der Seite des Bundes, der bei dem Verkauf des militärisch hoch sensiblen Geschäfts ein wichtiges Wort mitspricht. So ist der Verkauf, der bis zum ersten Quartal 2017 abgeschlossen sein soll, noch nicht in trockenen Tüchern.

Latham hingegen gilt als Hauskanzlei des knapp unterlegenen Bieters Carlyle in dessen US-Heimatmarkt. Die Kanzlei war auch hierzulande schon häufiger für den Investor tätig, so 2013 bei der milliardenschweren Übernahme einer Sparte des Chemiekonzerns DuPont und wenig später bei der Übernahme des Pflegeheimbetreibers Alloheim. Bei letzterem Deals beriet Latham gemeinsam mit Milbank, die ebenfalls zu den bevorzugten Sozietäten des Investors zählt. (René Bender)

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