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20.04.2016

Amor-Schmuck: Gilde Buy Out geht wieder mit Kirkland shoppen

Der Schmuckanbieter Amor wechselt den Besitzer: Nach gut fünf Jahren verkauft der britische Private-Equity-Investor 3i seine Mehrheitsbeteiligung an Fonds, die von dem niederländischen Private-Equity-Haus Gilde Buy Out Partners verwaltet werden. Auch das aktuelle Management von Amor investiert in den Schmuckhändler. Die Wettbewerbsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Volker Kullmann

Volker Kullmann

Amor, 1978 in Obertshausen bei Frankfurt gegründet, vertreibt mit gut 400 Angestellten Schmuck in 24 Ländern. Der Transaktionswert der Firma, der beim Einstieg von 3i Ende 2010 noch im unteren dreistelligen Millionenbereich lag, soll sich mittlerweile signifikant gesteigert haben. Ein Grund dafür dürfte sein, dass seitdem europaweit weitere 1.000 Verkaufsstellen eröffnet wurden. In welchem Umfang sich das Management um CEO Marcus Hoffmann an Amor beteiligt, ist nicht bekannt. Nach Marktinformationen war auch der Schweizer Investor Capvis an einem Einstieg interessiert.

3i und seine Fonds, die seinerzeit rund 99 Millionen Euro für die Mehrheitsbeteiligung investierten, meldeten für den Weiterverkauf von Amor einen Erlös, der dem 2,5-fachen des eingesetzten Kapitals entspricht. Dabei hatten sie aus einer Refinanzierung bereits 46 Millionen Euro an Rückflüssen erhalten. Der börsennotierte Investor hatte sich 2014 auch die bekanntere Juwelierkette Christ von Douglas gesichert.

Die Beteiligungsfirma Gilde ist für Mid-Cap-Investments in den Beneluxländern und dem deutschsprachigen Europa bekannt. Hierzulande ist sie beispielsweise bei der Eismann-Gruppe, einem Hersteller von Tiefkühlprodukten, und bei dem Weiterbildungsanbieter Comcave engagiert. Insgesamt verwaltet sie Assets im Wert von drei Milliarden Euro. Den jüngsten Zukauf finanziert Gilde mit der Mittelstandsbank IKB, die die Darlehen weiter syndiziert.

Berater Gilde
Kirkland & Ellis (München): Volker Kullmann, Dr. Christian Zuleger (beide Federführung; beide Corporate), Dr. Markus Feil (Finanzierung), Dr. Roderic Pagel (Steuern); Associates: Dr. Bernhard Guthy, Dr. Matthias Söhner, Patrick Heinrichs (alle Corporate), Marc Zimmermann (Kreditfinanzierung)

Mario Schmidt

Mario Schmidt

Berater 3i
Willkie Farr & Gallagher (Frankfurt): Mario Schmidt (Federführung; Corporate), Dr. Jasmin Dettmar, Jan Wilms (beide Finanzierung), Susanne Zühlke (Kartellrecht), Dr. Christian Rolf (Arbeitsrecht); Associates: Daniel Zakrzewski, Stefan Bührle, Johannes Eckhardt, Andreas Knödler, Martin Waskowski (alle Corporate), Dr. Laura Pfirrmann (Finanzierung), Jochen Riechwald (Arbeitsrecht)
Inhouse Recht (London): Alastair Richardson (Head of Legal, Private Equity)

Berater Amor
Schalast & Partner (Frankfurt): Prof. Dr. Christoph Schalast, Kristof Schnitzler

Berater IKB
Clifford Chance (München): Thomas Weitkamp (Federführung), Philipp Kropatscheck (Frankfurt, beide Bank – und Kapitalmarktrecht), Dr. Felix Mühlhäuser (Steuerrecht; Frankfurt) Markus Muhs (Corporate/Private Equity); Associates: Jennifer Seipelt, Alexander Lang (beide Bank – und Kapitalmarktrecht), Dr. Heiko Kermer (Steuerrecht; Frankfurt), Dr. Wenzel Richter (Corporate/Private Equity)

Berater Capvis
Hengeler Mueller (München): Dr. Daniel Wiegand (M&A) – aus dem Markt bekannt
Ashurst (München): Dr. Bernd Egbers (Finanzierung) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Corporate-Partner Volker Kullmann, der im Dezember auch die Rodenstock-Gruppe beim Einstieg von Compass Partners als zusätzlichem Investor beriet, eröffnete 2004 für die US-Kanzlei Kirkland & Ellis den ersten deutschen Standort in München. Zusammen mit Christian Zuleger ist er seit vielen Jahren an der Seite von Gilde Partners zu sehen. Das Duo beriet das Investmenthaus bereits, als beide noch für Clifford Chance tätig waren. 

Hier standen sie nun ihrem ehemaligen Kollegen von Clifford Chance gegenüber: Mario Schmidt, seit 2007 bei Willkie, hatte 3i schon begleitet, als der Investor sich bei Amor einkaufte. Er beriet die britische Beteiligungsgesellschaft auch, als sie den Wettbewerber Christ von Douglas erwarb. In die Amor-Transaktion involviert ist auch die Fusionskontrollspezialistin Susanne Zühlke. Die frühere Partnerin von Latham & Watkins war im vergangenen Herbst – nach einem Ausflug in die Selbstständigkeit – zum Willkie-Team gestoßen.

Schalast stand dem Amor-Management schon zur Seite, als 3i dort einstieg und konnte nun auch deren Neubeteiligung regeln.

Hengeler Mueller-Partner Wiegand wiederum begleitete die Capvis jüngst auch bei dem Erwerb der deutschen Hennecke-Gruppe von der Münchner Industriegruppe Adcuram. Ashurst-Partner Egbers, der für eine mögliche Akquisitionsfinanzierung hizugezogen wurde, hatte die Schweizer Beteiligungsgesellschaft auch 2012 beraten, als es um die Finanzierung der Übernahme des Medizintechnikherstellers Ondal ging.

Bei der hiesigen Transaktion war das Clifford-Team für die Finanzierungsfragen zuständig, das regelmäßig für die IKB-Bank tätig ist. (Sonja Behrens)

Der Artikel wurde am 21. und 22.April 2016 aktualisiert.

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