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26.04.2016

Geplante Fusion: Freshfields und White & Case begleiten Hapag-Lloyd und UASC

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd und ihre arabische Konkurrentin United Arab Shipping Company (UASC) sondieren derzeit Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Sogar eine Zusammenlegung des Containerschifffahrt-Geschäfts ist denkbar, teilten die Unternehmen mit. Gemeinsam könnten sie die fünftgrößte Container-Reederei der Welt bilden.

Marius Berenbrok

Marius Berenbrok

Hapag-Lloyd wäre der deutlich größere Partner, falls beide ihr Containergeschäft zusammenlegen. Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Hamburger gut 72 Prozent halten würden, UASC 28 Prozent. Hapag-Lloyd hatte sich Ende 2014 mit der chilenischen Gesellschaft CSAV zusammengeschlossen.

CSAV ist mit 31,4 Prozent auch die größte Aktionärin des nun 9.500 Mitarbeiter starken Unternehmens, gefolgt von der Stadt Hamburg (20,6) und dem Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne (20,2). Rund 12 Prozent der Anteile gehören dem Touristikkonzern Tui, etwa 15 Prozent befinden sich im Streubesitz. Die in Dubai ansässige Reederei UASC ist zum Großteil im Besitz arabischer Staatsfonds. Sie ist Mitglied der Frachtallianz Ocean Three.

Weltweite Fusionitis in der Reederei-Branche

Hintergrund der Gespräche ist eine massive Konzentrationsbewegung in der Schifffahrt: Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass der drittgrößte Containerreeder, die französische CMA CGM, eine Seefracht-Allianz mit der chinesischen Cosco bildet. Diese wiederum soll selbst mit ihrer chinesischen Wettbewerberin China Shipping fusioniert werden.

Und auch zwei Hamburger Firmen sondieren eine gemeinsame Zukunft: Rickmers und E.R. Capital erwägen eine Zusammenlegung ihrer Schiffsmanagement-Sparten. Hinter den Firmen stehen die Brüder Erck und Bertram Rickmers. Auch bei Schiffsfinanzierungen werden neue Wege gesucht: Die Norddeutsche Landesbank (Nord LB) gründete mit der Reedereigruppe Offen und der Investmentgesellschaft Caplantic eine Beratungseinheit zur Sanierung problematischer Schiffskredite. Das Gemeinschaftsunternehmen Crystal Ocean Advisers soll die Papiere an risikofreudige Investoren vermitteln.

Roger Kiem

Roger Kiem

Berater United Arab Shipping Company
White & Case (Frankfurt): Prof. Dr. Roger Kiem (Federführung; M&A), Michiel Visserm (Doha), Dr. Markus Stephanblome (alle M&A), Florian Ziegler (Bankrecht), Associate: Dr. Jan Eichstädt (M&A)

Berater Hapag-Lloyd
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Marius Berenbrok
Inhouse Recht (Hamburg): Thomas Mansfeld (Leiter Recht)

Berater CSAV
Linklaters
(Düsseldorf): Wolfgang Sturm

Hintergrund:  Alle Berater sind aus dem Markt bekannt. Corporate-Partner Kiem verfügt über gute Kontakte in die arabische Welt. Er ist seit Jahren regelmäßig für die Qatar Holding tätig, die Investmentsparte des Staatsfonds Qatar Investment Authority. Diese beriet er etwa zu ihrer zeitweiligen Beteiligung am Autobauer Porsche. Die Mandantin vertraute Kiem schon zu Zeiten, als er noch für Shearman & Sterling tätig war und blieb ihm nach seinem Wechsel zu White & Case 2013 treu. 

Freshfields-Partner Berenbrok ist seit vielen Jahren im Umfeld der Hamburger Reederei tätig: zunächst als Berater der städtischen Beteiligungsholding, als diese 2008 einstieg, später dann auch für Hapag-Lloyd selbst. So begleitete er etwa 2011 Gespräche mit CSAV, die aber ergebnislos abgebrochen wurden. Auch drei Jahre später stand er der Reederei zur Seite, als sie dann doch mit CSAV zusammenging. Die Chilenen setzten auch damals auf den Corporate-Experten Sturm von Linklaters.

Die Sondierungsgespräche zwischen den Rickmers Reedereien flankieren Hamburger Teams von Gleiss Lutz und Allen & Overy. Mit der Gründung des Joint Ventures zur Weitervermittlung notleidender Schiffskredite war ein Team um Dr. Michael Demuth von der Hamburger Sozietät Rose & Partner befasst. Aufseiten der Offen-Gruppe betreute General Counsel Andreas Lübben die Neugründung, beurkundet wurde sie von Dr. Verena Brandt vom Hamburger Notariat Spitalerstraße. (Sonja Behrens)

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