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25.05.2016

Hafenprivatisierung: Freshfields verschafft Griechenland Milliardeneinnahme

Die Privatisierungsmaßnahmen in Griechenland kommen voran: Rund 368 Millionen Euro zahlt der Reedereikonzern China Ocean Shipping Company (Cosco) dem Hafenbetreiber Piraeus Port Authority (PPA) für 67 Prozent der Anteile. Darüber hinaus verpflichtete sich das chinesische Staatsunternehmen zu Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro. Da Griechenland auch noch mit Konzessionszahlungen rechnen kann, addiert sich die Gesamtleistung der Asiaten auf 1,5 Milliarden Euro.

Marius Berenbrok

Marius Berenbrok

Cosco wird zunächst 51 Prozent an dem börsennotierten Hafenbetreiber für 280,5 Millionen Euro erwerben. Weitere 16 Prozent kann er nach fünf Jahren für 88 Millionen Euro übernehmen, sofern die notwendigen Investitionen getätigt wurden. Die Modernisierungsmaßnahmen über die nächste Dekade wurden in dem gleichzeitig verhandelten Konzessionsvertrag fixiert, der zwischen PPA und der Hellenischen Republik ausgehandelt wurde. Griechenland rechnet allein aus dem Hafen Piräus mit Konzessionseinnahmen in Höhe von 410 Millionen Euro. Es wurde eine Laufzeit bis 2052 gewährt.

Der Hellenic Republic Asset Development Fund (HRADF) hatte für den Verkauf des Hafens, der vor den Toren Athens liegt, ein zweistufiges internationales Bieterverfahren aufgesetzt. Die Privatisierung des größten Hafen Griechenlands war eine der wichtigen Bedingungen für das sogenannte dritte Hilfspaket, das Griechenland von internationalen Geldgebern erhalten soll. Insgesamt soll griechisches Staatseigentum im Wert von 50 Milliarden Euro veräußert werden. Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport hat sich bereits 14 Regionalflughäfen dort gesichert.

Für Cosco, der 2009 bereits den Containerdock Pier II am Hafen Piräus übernommen hatte, ist der Zukauf ein strategischer Schritt, um den Export Chinas auszubauen. Die Umwandlung des griechischen Hafens in einen Logistikhub gehört zu dem staatlichen Großprojekt „One Belt, One Road“, welches die neue Seidenstraße bilden soll.

Raymond Li

Raymond Li

Berater China Ocean Shipping Company (Cosco)
Paul Hastings (Hongkong): Raymond Li, Vivian Lam, Pei Fang, Garrett Hayes (London), Pierre Kirch (Kartellrecht; Brüssel); Associates: May Lun, Echo Huo, Crystal Liu, Dominic Rose, David Prowse (beide London)

Berater Hellenic Republic Asset Development Fund (HRADF) 
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Marius Berenbrok, Dr. Natascha Doll (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Michael Schäfer (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Andreas von Bonin (Kartell- und Wettbewerbsrecht), Dr. Alexander Schwahn (Steuerrecht); Associates: Adrian von Prittwitz, Dr. Arne Krawinkel, Christian Kutschmann, Dr. Moritz von Hesberg (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Sascha Arnold (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Pinelopi Stamou (Kartell- und Wettbewerbsrecht), Ayk Meretzki (Steuerrecht)

Hintergrund: Freshfields war bereits an der Seite des griechischen Privatisierungsfonds, als 2013 der erste große Verkauf aus Staatseigentum erfolgte: Die beiden Kölner Partner Juliane Hilf und Andreas von Bonin sowie der Londoner Corporate-Partner Chris Mort koordinierten seinerzeit den Anteilsverkauf am Glücksspielunternehmen und Lotteriebetreiber OPAP. Dessen Aktien gingen für 652 Millionen Euro an das tschechisch-griechische Konsortium Emma Delta.

Hier kamen nun die Hamburger Freshfields-Kollegen zum Einsatz, die sich im Schifffahrtsgeschäft bestens auskennen. Berenbrock, der häufig involviert war, wenn hierzulande Hafenbetreibergesellschaften umstruktuiert wurden, betreut auch die angelaufene Privatisierung der Hafengesellschaft Thessaloniki. Daneben berät er Hapag-Lloyd in den Sondierungsgesprächen mit United Arab Shipping Company (UASC) zur möglichen Zusammenlegung des Containerschifffahrt-Geschäftes.

Sein Kanzleikollege Michael Schäfer hat sich zwischenzeitlich mit Teammitgliedern selbständig gemacht und zum Mai die neue Sozietät Chatham Partners gegründet, die vor allem Projektgeschäfte im öffentlich-rechtlichen Umfeld betreuen möchte.

Paul Hastings-Partner Raymon Li, einer der bekanntesten Transaktionsanwälte Asiens, berät Cosco schon seit einigen Jahren. Er unterstützt sie auch in den Fusionsgesprächen mit der China Shipping Group. Die beiden Schifffahrtsunternehmen sollen zusammengeführt und zu einer schlagkräftigen internationalen Einheit aufgestellt werden. Auch bei diesen Verhandlungen trifft Li auf Freshfields-Partner: Sie wurden von China Shipping mandatiert. (Sonja Behrens)

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