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10.06.2016

DFL vergibt Bundesligarechte für Rekordsumme: Kanzleien flanken nur, Inhouse-Teams sind die Spielmacher

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die Medienrechte für die Übertragung der Fußball-Bundesliga in den Spieljahren 2017/18 bis 2020/21 neu vergeben und erlöst dadurch die Rekordsumme von gut 4,6 Milliarden Euro. Das bedeutet für die 36 Vereine ein Plus von 85 Prozent. Für die Zuschauer ändert sich vor allem eines: Die Livespiele sind im Fernsehen nicht mehr nur bei Sky, sondern auch bei der Bezahlsparte von Eurosports zu sehen, die Freitags- und Montagsspiele zeigen wird. Neu mit dabei sind auch der Internetanbieter Perform und der Onlinehändler Amazon. Im frei empfangbaren Fernsehen ändert sich für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF wenig.

Der mit Abstand größte Anteil der Spiele läuft weiter bei Sky. Der bisherige Alleinanbieter zeigt 572 von 612 Spielen pro Saison, konkret die Live-Spiele am Samstag, Sonntag und Montag sowie erstmals alle Partien der 2. Bundesliga. Für die restlichen Spiele, insbesondere an Freitagen, erhielt die Bezahlsparte des zum US-Konzern Discovery gehörenden Senders Eurosport den Zuschlag. damit erfüllte die Liga die Vorgaben des Bundeskartellamts, auf die sie sich vor Monaten verpflichtete. Danach darf nicht mehr nur ein Anbieter die Exklusivrechte an den Live-Spielen für alle Kanäle erhalten. Der Kauf aller TV-Live-Pakete hätte erfordert, einen Teil der Übertragungsrechte im mobilen und Internetbereich abzugeben, was Sky nicht wollte. Der Sender hat unterdessen beim Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf Beschwerde gegen das Kartellamt eingereicht und wehrt sich gegen der Zuschnitt der jetzigen Auktion. Sollte Sky damit erfolgreich sein, wird sich dies voraussichtlich nur auf zukünftige Rechtevergaben auswirken.

Dem frei empfangbaren Fernsehen blieben die Sendungen der ‚Sportschau‘ bei der ARD und das ‚aktuelle Sportstudio‘ im ZDF wie gewohnt erhalten. Sport1 zeigt weiterhin Sonntag morgens die Sendung ‚Doppelpass‘.

Ganz neu dabei ist der Onlinehändler Amazon. Mit dem Paket der Audio-Streamingrechte baut der Konzern sein sogenanntes Prime-Angebot weiter aus und wird ab 2017/18 alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga im Internetradio übertragen. Der klassische UKW-Radioempfang bleibt bei der ARD. Die Rechte für Internetclips erhielt erstmals der britische Anbieter Perform, der Medienberichten zufolge ein Streaming-Angebot plant. 

Zwei Pakete für Zusammenfassungen der Spielhöhepunkte im frei empfangbaren Fernsehen wurden noch nicht vergeben, über deren Verwertung wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Berater DFL
Inhouse Recht (Frankfurt): Audiovisuelle Verwertungsrechte national: Dr. Holger Blask (Direktor Audiovisuelle Recht), Marcus Beisiegel (Team AVR), Dr. Steffen Merkel (Referent Geschäftsführung DFL), Jürgen Paepke (Direktor Recht), Christian Frodl (Justitiar/Senior Legal Counsel); Audio-Rechte: Dr. Holger Blask (Direktor Audiovisuelle Recht), Jennifer Zumdick, Florian Wittmann (Team AVR), Laura Thoma (Justitiarin/Senior Legal Counsel)
Klinkert (Frankfurt): Dr. Hermann Schlindwein, Piet Bubenzer; Associates: Dr. André Soldner, Dr. David Jahn, Annette Rombach, Dr. Thomas Jochheim (alle Urheberrecht/Lizenzierung)
Noerr (Berlin): Dr. Katrin Westermann (Kartellrecht), Dr. Tobias Bosch (Medienrecht), Dr. Torsten Kraul (Medienrecht)

Berater Sky
Inhouse Recht (Unterföhring): Hans Gabbe, Holger Enßlin (beide Federführung), Lutz Reulecke, Antonia Gestrein (beide Kartellrecht)
Milbank Tweed Hadley & McCloy (München): Dr. Alexander Rinne, Vanessa van Weelden (Kartellrecht)

Berater Discovery/Eurosport
Inhouse Recht (München/Paris): Sascha Kojic (Vice President Sports Rights von Discovery), Stephanie Struppler (Senior Director Legal), Laurent Prud’Hommes (Directeur d’Acquisition bei Eurosport in Paris) – aus dem Markt bekannt
Oppenländer (Stuttgart): Dr. Ulrich Klumpp (Kartellrecht); Associate: Dr. Donata Beck – aus dem Markt bekannt
Nachmann (München): Dr. Thomas Summerer (Lizenz-/Vertragsrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Sport1/Constantin Medien
Inhouse Recht (München): Daniel von Busse, Dr. Andreas Blaue, Michael Zimmer – aus dem Markt bekannt
Zirngibl Langwieser (München): Jan Krekel (Federführung), Dr. Martin Gebhardt (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Amazon
CMS Hasche Sigle (Köln): Dr. Sebastian Cording (Federführung), Dr. Pietro Fringuelli, Dr. Martin Gerecke – aus dem Markt bekannt 

Berater Bayerischer Rundfunk/ARD
Inhouse Recht (München) – nicht bekannt
Bird & Bird (Düsseldorf): Dr. Jörg Witting (Kartellrecht) 

Berater Axel Springer
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Bernd Linke, Dr. Philipp-Christian Thomale – aus dem Markt bekannt
Freshfields Bruckhaus Deringer (Berlin): Dr. Frank Röhling (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Deutsche Telekom
Inhouse Recht (Bonn): Dr. Andreas Hoppmann (Lizenzrecht), Dr. Hilmar Leonhardt (Kartellrecht), Alexander Scheuer (Medienregulierung)

Berater Unitymedia
Inhouse Recht (Köln): Viktor Janik, Christoph Heuer

Hintergrund: Wie sich schon bei der letzten Ausschreibung 2012 abzeichnete, haben die großen Medienhäuser starke Inhouse-Teams aufgebaut, die solche bietergetriebenen Verfahren größtenteils selbst stemmen. Durch das Verfahren beim Bundeskartellamt wurden im konkreten Bieterverfahren nur noch punktuell externe Berater, meist in kartellrechtlichen Belangen, hinzugezogen.

Die DFL griff dabei auf altbewährte Berater zurück. Bereits bei der vorangegangenen Abstimmung mit dem Bundeskartellamt im April hatte Noerr die Liga beraten. Das Team um die anerkannte Kartellrechtlerin Westermann wurde 2009 mandatiert, als es schon zu Streitigkeiten um die Zentralvermarktung kam. Das Frankfurter Team von Klinkert, das für medienrechtliche Beratung an der Schnittstelle zum Sportrecht hoch angesehen ist, hat im Vorfeld vor allem die urheberrechtliche Lizensierung der Rechtepakete mit begleitet. Diese Rolle übernahm das Team bereits bei der letzten Vergaberunde 2012.

Das Inhouse-Team von Sky hat sich kurz vor der heißen Phase der Rechtevergabe nochmal verändert. Ende Februar dieses Jahres verließ Volker Winter den Bezahlsender und Hans Gabbe rückte an seine Stelle des Sportrechtechefs nach. Gemeinsam mit Holger Enßlin betreuten die beiden federführend das gesamte Bieterverfahren von der Marktanalyse bis zu den rechtlichen Einzelheiten mit ihrem Inhouse-Team. In kartellrechtlichen Belangen greift Sky nicht zum ersten Mal auf Milbank zurück. Partner Rinne begleitete bereits das kartellrechtliche Verfahren mit der DFL, wo Sky als Beigeladene teilnahm und gegen das der Sender nun Beschwerde eingelegt hat. 

Constantin Medien mit ihrer Tochter Sport1 stemmte den Deal maßgeblich mit ihrem Inhouse-Team. Das Team um Krekel von Zirngibl pflegt vor allem über das Kartellrecht eine längere Mandatsbeziehung zu Constantin Medien und beriet in dieser Sache punktuell.

Axel Springer setzte vor allem auf seine Inhousejuristen und zog in kartellrechtlichen Fragen den Berliner Partner Röhling von Freshfields hinzu. Diese Konstellation ist ebenfalls erprobt, so zuletzt etwa beim Zusammenschluss der Werbevermarktung von Springer und Viacom.

Der Bayerische Rundfunk, der stellvertretend auch für die ARD steht, vertraut punktuell in verschiedenen Medienthemen auf den Münchner Bird & Bird-Partner Witting. Neu war hier die kartellrechtliche Mandatierung, die sich insbesondere auf das Kartellverfahren mit der DFL bezog. (Anika Verfürth)

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