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21.06.2016

Fußball-Trikots: Inhousejuristen schicken Kooperation von DFB und Adidas in die Verlängerung

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzt seine Zusammenarbeit mit Adidas auch nach dem Jahr 2018 fort. Der fränkische Sportausrüster muss dafür dann allerdings tiefer in die Tasche greifen: 50 Millionen Euro pro Jahr wird er für das Trikot-Sponsoring zahlen, um Konkurrenten wie Nike, Puma oder Under Armour aus den Kabinen der deutschen Nationalmannschaft und den Schränken ihrer Fans zu halten.

Jörg Englisch

Jörg Englisch

Am Rande der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich wurde der Zuschlag für den neuen Ausrüstervertrag, der die Jahre 2018 bis 2022 umfasst, bekannt gegeben. „Es waren die transparentesten, anspruchsvollsten und am Ende für den DFB wirtschaftlich erfolgreichsten Verhandlungen in der Geschichte unseres Verbandes“, so DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Das DFB-Präsidium entschied sich für die insgesamt 200 Millionen Euro von Adidas, die zum Teil auch in die DFB-Akademie fließen sollen. Branchenbeobachter zeigten sich von den Vertragsverlängerung mit dem deutschen Anbieter überrascht, schließlich hatte US-Wettbewerberin Nike laut Presseberichten 70 Millionen Euro pro Jahr und somit insgesamt 280 Millionen Euro geboten.

Der aktuell gültige Deal mit Adidas, der in einem Schiedsverfahren 2007 justiert worden war, sieht eine deutlich geringere Zahlung von 20 Millionen Euro pro Jahr vor. Er läuft über zehn Jahre und enthält zudem ein sogenanntes Matching Offer Right. Dadurch war Adidas über die Gebotshöhe der Konkurrenz informiert und konnte im neuen Bieterverfahren zumindest noch gleichziehen, beziehungsweise nachlegen. Im neuen Vertrag, der ab 2018 gültig ist, ist diese Klausel nicht mehr enthalten, die Laufzeit beträgt zudem nur noch vier Jahre.

Adidas mit Stammsitz Herzogenaurach ist seit mehr als einem halben Jahrhundert der Generalausrüster des DFB. Im Mai wurde bekannt, dass der Sportartikelhersteller seinen zehnjährigen Trikot-Deal mit dem britischen Club Chelsea, der bis 2023 vorgesehen war, zu Mitte 2017 aufhebt und dafür eine stattliche Rückzahlung erhält. Das börsennotierte Unternehmen, das 2015 einen Konzernumsatz von 16,9 Milliarden Euro erzielte, beschäftigt weltweit rund 55.500 Mitarbeiter.

Markus Kürten

Markus Kürten

Berater Adidas
Inhouse Recht (Amsterdam): Jens Jacobsen Jensen (Head of Sports Marketing Legal & Business Afairs), Dr. Markus Kürten (Senior Director Legal & Compliance), Maximilian Rosenberg (Legal Counsel; beide Herzogenaurach)

Berater Deutsche Fußball-Bund
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Jörg Englisch (Direktor Recht und Sportgerichtsbarkeit), Dr. Stefan Schmidt (Justiziar)

Hintergrund: Sowohl die Rechtsabteilung des DFB als auch die von Adidas sind dafür bekannt, dass sie viele Themen ohne die Hilfe externer Rechtsberater abdecken können. DFB-Chefjurist Jörg Englisch arbeitet seit mehr als 20 Jahren für den Fußballverband, dem er seit seinem Referendariat treu geblieben ist. Sein Team in Frankfurt umfasst fünf Juristen. Ein weiterer Jurist, Stefan Brost, gehörte zum Startteam für das Brüsseler Büro, das vom DFB als ständige Vertretung 2007 eröffnet wurde. Stefan Schmidt, der neben Jörg Englisch in die Neuausschreibung des Ausrüstervertrags involviert war, fungiert seit Jahren auch als Datenschutzbeauftragter des Verbands.

Der Chefunterhändler von Adidas, Jens Jacobsen Jensen, war hingegen bis 2005 Corporate-Jurist bei der angesehenen niederländischen Kanzlei Houthoff Buruma, bevor er sich dem Sportausrüster anschloss, um dessen weltweite Marketingtätigkeiten juristisch zu begleiten. Ebenso lange ist Markus Kürten dort, der die Rechtsgeschäfte für zehn Länder (Central Europe) koordiniert und 2007 auch die Verhandlungen des General Counsels Frank Dassler mit dem DFB unterstützte. Der ebenfalls einbezogene Maximilian Rosenberg, der beim Vermarkter Sportfive lernte, ist nach JUVE-Informationen erst seit Januar 2015 für das Familienunternehmen tätig. (Sonja Behrens)

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