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23.06.2016

Wohnbau-Offerte: Lone Star umwirbt Isaria-Aktionäre mit Sullivan & Cromwell

Der US-Investor Lone Star hat den Münchner Projektentwickler Isaria Wohnbau ins Visier genommen. In einem öffentlichen Übernahmeangebot bietet Lone Star 4,50 Euro in bar pro Isaria-Aktie. Sofern die Hälfte der Aktionäre sowie die Aufsichts- und Kartellbehörden zustimmen, soll die Transaktion im Herbst abgeschossen sein.

Konstantin Technau

Konstantin Technau

Der Bauträger Isaria, der 1994 gegründet wurde und einst als JK Wohnbau firmierte, ist als einziger deutscher Projektentwickler im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Erwidmet sich dem Neubau von Wohnimmobilien wie dem Diamalt-Quartier in München, aber auch der Revitalisierung von Bestandsgebäuden wie dem ehemaligen Siemens-Hochhaus. Im vergangenen Jahr kamen Hamburger Projekte hinzu.

Das Unternehmen gehört zu rund zehn Prozent der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Helvetic Private Investments, weitere 8,8 Prozent hält die Hamburger Captree, die wiederum Nachfolgerin der One GRP Verwaltungs Gesellschaft ist. Neben Family Offices wie der Schweizer Aeris Capital und institutionellen Investoren, die Aktien halten, befinden sich gut 60 Prozent der Anteilsscheine im freien Handel.

Parallel zu der Bar-Offerte, die sich auf gut 100 Millionen Euro addiert, hat sich der US-Bieter verpflichtet, im Zuge einer möglichen künftigen Kapitalerhöhung Stammaktien zurückzukaufen. Durch diese Kapitalmaßnahme erwartet der Isaria-Vorstand Einnahmen in Höhe von 53 Millionen Euro, die in neue Projekte fließen könnten. Das Führungsgremium hat bereits signalisiert, dass es der Übernahme positiv gegenübersteht – in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und vorbehaltlich einer Prüfung der offiziellen Angebotsunterlagen. Nach der Übernahme ist ein Delisting der Immobilien-Firma vorgesehen.

Das Private-Equity-Unternehmen Lone Star hat seinen Hauptsitz in Dallas. In Deutschland war Lone Star auch an der DüsselHyp beteiligt und hat der Bundesbank ein milliardenschweres Paket von Lehman-Immobilienkrediten abgekauft. Zu den Investoren gehören US-amerikanische Pensionskassen und Versicherer. Das Gesamtvermögen, das Lone Star verwaltet, beläuft sich auf rund 65 Milliarden Dollar.

Berater Lone Star
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Konstantin Technau, Dr. Carsten Berrar (beide Federführung; beide M&A/Kapitalmarktrecht), Max Birke, Lars Rueve (beide Real Estate); Associates: Martin Gross-Langenhoff, Veronika Koepfer, Alexander Koch (alle M&A/Kapitalmarktrecht)
DLA Piper (Frankfurt): Dr. Konrad Rohde (Steuerrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Hudson Advisors Germany; Frankfurt): Katrin Rudolph – aus dem Markt bekannt

Berater Isaria
Noerr (Frankfurt): Dr. Laurenz Wieneke, Dr. Stephan Schulz (beide Federführung; Kapitalmarktrecht), Dr. Matthias Geurts, Dr. Jens Kunz (beide Aufsichtsrecht); Associates: Dr. Dominik Kloka, Hans-Christian Mick (beide Kapitalmarktrecht), Dr. Dennis Lepczyk (Real Estate)

Berater Helvetic Private Investments
Broich (Frankfurt): Ferdinand von Rom – aus dem Markt bekannt

Berater Aeris Capital
Beiten Burkhardt (Frankfurt): Dr. Christoph Schmitt – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Noerr hatte Isaria bereits 2013 bei der Übernahme der One Group unterstützt. Hier bereitete die Kanzlei dem Vernehmen nach die strategische Transaktion mit vor. Den Konzern-Jahresabschluss 2015 hatte die Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Nörenberg Schröder erstellt.

Die Mandatsbeziehung zwischen Sullivan und Lone Star ist nach JUVE-Informationen noch recht jung. Erste Kontakte dürften bei dem Börsengang des Gewerbeimmobilienkonzerns TLG entstanden sein. Dieser gehörte mehrheitlich Lone Star, bevor er mit Hilfe von Sullivan & Cromwell im vergangenen Jahr an die Börse ging. Hudson Advisors Germany wiederum fungiert als Asset-Manager für die Private-Equity-Fonds von Lone Star in Deutschland und steuert die Transaktionen auch juristisch mit Katrin Rudolph. DLA Piper-Partner Rohde klärt nach JUVE-Recherchen mit seinem Team häufig steuerrechtliche Fragen für die Mandantin.

Das Schweizer Family Office Aeris Capital, hinter dem der SAP-Mitgründer Klaus Tschira steht, ließ sich von dem Beiten-Partner Schmitt beraten, der früher auch für die Credit Suisse tätig war.

Die Aktionärin Captree mandatiert ebenso wie die One Group presserechtlich die bekannte Medienkanzlei Scherz Bergmann. Ob sie auch Corporate- oder Kapitalmarktjuristen mandatiert hat, ist noch nicht bekannt. (Sonja Behrens)

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