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12.07.2016

Buchhandel: Lupp steuert für Verlegerfamilie Zukauf von Thalia

Der Private-Equity-Investor Advent International hat seine Anteile an der Buchhandelskette Thalia an die Freiburger Verlegerfamilie Herder verkauft. Daneben stiegen auch der Digitalunternehmer Leif Göritz und der Thalia-CEO Michael Busch als geschäftsführende Gesellschafter ein, die schon beteiligte Unternehmerfamilie Kreke kaufte zu.

Matthias Lupp

Matthias Lupp

Herder, Göritz und Busch halten künftig gemeinsam 65 Prozent an der Buchhandelskette, die Familie Kreke erhöhte ihren Anteil von 16 auf 35 Prozent. Das Konsortium zahlte für Thalia einen Betrag im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, wie das ‚Handelsblatt‘ aus Unternehmenskreisen berichtete. Die Kartellbehörden müssen die Transaktion noch genehmigen.

Thalia mit Hauptsitz in Hagen beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter und unterhält in Deutschland mehr als 200 Buchhandlungen, 70 weitere in der Schweiz und in Österreich. Lange hatte Thalia zur Handelsgruppe Douglas der Familie Kreke gehört. Nach dem Einstieg von Advent bei Douglas 2012 wurden zunächst die Süßwarenkette Hussel und der Schmuckhändler Christ verkauft.

Als Advent die Parfümeriekette Douglas im Sommer vergangenen Jahres an CVC Capital weiterverkaufte, blieben Thalia und die Modekette AppelrathCüpper bei Advent und den Krekes. Über ihre gemeinsame Holding Moda verkauften sie erst vor wenigen Wochen AppelrathCüpper an den britischen Finanzinvestor OpCapita.

Nun glückte auch der Verkauf von Thalia. Mit Herder machte dabei eine der ältesten deutschen Verlegerfamilien das Rennen um die Buchhandelskette. Zu ihr gehört der gleichnamige Freiburger Verlag, der vor allem für seine Publikationen aus den Sparten Theologie und Religion bekannt ist. JUVE-Informationen zufolge zeigte auch Hugendubel lange Interesse an einer Übernahme von Thalia. Begleitet wurde Hugendubel von den Banken UniCredit und BayernLB.

Daniel Wiegand

Daniel Wiegand

Berater Herder/Erwerberkonsortium
Lupp + Partner (München): Dr. Matthias Lupp (Federführung), Ksenia Ilina (beide Corporate/M&A), Patrick Schwarzbart (IP/IT), Christiane Conrads (Immobilienrecht), Dr. Maia Welters (Corporate); Associate: Felix Stützer (Corporate/M&A)
Friedrich Graf von Westphalen (Freiburg): Gerhard Manz, Dr. Barbara Mayer (beide Corporate/M&A)
DLA Piper: Dr. Kai Bodenstedt (Arbeitsrecht; Hamburg), Jan Dreyer (Kartellrecht; Köln)

Berater Advent
Hengeler Mueller: Dr. Daniel Wiegand, Prof. Dr. Hans-Jörg Ziegenhain (beide M&A; beide München), Dr. Thorsten Maeger (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Matthias Scheifele (Steuerrecht), Dr. Nikolaus Vieten (Finanzierung; beide Frankfurt); Associates: Dr. Jakub Lorys, Dr. Benedikt Läufer, Achim Spengler (alle M&A; alle München), Dr. Georg Heiß (Finanzierung; Frankfurt)

Berater Hugendubel
Gleiss Lutz (München): Dr. Ralf Morshäuser, Roland Sterr (beide Gesellschaftsrecht/M&A) – aus dem Markt bekannt
Dissmann Orth (München): Dr. Arne Friese (Steuern) – aus dem Markt bekannt
Lindemann Schwennicke & Partner (Berlin): Dr. Ludwig von Moltke (Finanzierung) – aus dem Markt bekannt

Berater UniCredit und BayernLB
Ashurst (München): Dr. Bernd Egbers, Carsten Endres (beide Finance) – aus dem Markt bekannt

Berater IKB Deutsche Industriebank
Latham & Watkins (Frankfurt): Cora Grannemann (Federführung); Associate: Rafal Szala (beide Bank- und Finanzrechtt)

Hintergrund: Der Kontakt zwischen Lupp und dem Erwerberkonsortium kam über den Digitalunternehmer Leif Göritz zustande. Die Münchner Corporate-Boutique setzte sich dann in einem Pitch gegen mehrere andere Kanzleien durch. Namenspartner Matthias Lupp ist insbesondere für seine Expertise bei Private-Equity-Deals bekannt und war bis Mai 2015 Partner bei DLA Piper, seither baut er seine eigene Kanzlei auf. Für arbeits- und kartellrechtliche Fragen im Rahmen der Due Diligence zog er seine ehemalige Kanzlei hinzu. Für die finanzielle und steuerrechtliche Due Diligence zeichnete Ebner Stolz verantwortlich.

Soweit bekannt beriet Lupp die Konsorten gemeinsam. Ansonsten pflegt der Münchner P+P Pöllath + Partners-Partner Dr. Wolfgang Grobecker eine enge Beziehung zu den Krekes. So stand er der Familie sowohl bei der Übernahme von Douglas durch Advent als auch beim Verkauf an CVC zur Seite. Als Advent und die Krekes vor wenigen Wochen AppelrathCüpper verkauften, beriet allerdings ein Pöllath-Team um Dr. Frank Thiäner den britischen Käufer OpCapita. Advent vertraute auf ein Team von Milbank Tweed Hadley & McCloy um die Partnerin Andrea Eggenstein.

Friedrich Graf von Westphalen-Partner Manz beriet die Familie Herder im Hintergrund als Senior Advisor gegenüber den Co-Investoren.

Die Hengeler-Partner Wiegand und Ziegenhain hatten Advent auch bereits vor einem Jahr beim Verkauf der Parfümeriekette Douglas an CVC sowie zu dem alternativ erwogenen Börsengang beraten.

Für die Finanzierung der aktuellen Transaktion kam die IKB Bank zum Einsatz. Die Federführung lag bei Counsel Cora Grannemann, die im April von der Bank in das Latham-Team von Alexandra Hagelüken gewechselt war. Wie Hagelüken arbeitete Grannemann früher für Clifford Chance. (Christine Albert)

Anmerkung: Der Beitrag wurde am 06. September 2016 um die Finanzierungsaspekte ergänzt.

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