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03.08.2016

Neue Modemacher: Insolvenzverwalter verkaufen Strenesse und dress-for-less

Das Modeunternehmen Strenesse und der Betreiber des Onlineportals dress-for-less sind verkauft: Somit konnten die jeweiligen Verwalter mit ihren Beraterteams für beide insolventen Modeanbieter eine Lösung finden. Dress-for-less wird von Signa Retail übernommen, hinter der der österreichische Karstadt-Eigentümer René Benko steht. Das Traditionsunternehmen Strenesse geht an das niederländische Family Office Maeg.

Jörg Nerlich

Jörg Nerlich

Der Nördlinger Modekonzern Strenesse hatte im April 2014 ein Insolvenzverfahren beantragt. Seinerzeit konnte eine fällige Unternehmensanleihe nicht fristgerecht bedient werden. Der bekannte Insolvenzverwalter Michael Pluta aus der gleichnamigen Kanzlei wurde als Chief Restructuring Officer in das Familienunternehmen berufen. Der Kölner Görg-Partner Dr. Jörg Nerlich wurde gerichtlich für die angestrebte Sanierung in Eigenverwaltung zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Im Herbst schied Pluta, der mit der Eigentümerfamilie Strehle wohl nicht immer einer Meinung war, aus dem Vorstand aus. Die Sanierung sei weitestgehend abgeschlossen, hieß es damals, Nerlich stimmte seinem Ausscheiden zu.

Die Altgläubiger von Strenesse werden nun in einem Debt-for-Equity-Swap beteiligt, die Anleihegläubiger sollen auch von weiteren Asset-Verwertungen profitieren. Der Gläubigerausschuss hat die Verkaufsvereinbarung bereits abgesegnet. Über die neue Mehrheitseignerin, die Maeg Holding aus Amsterdam und die dahinter stehenden Investoren, ist bislang nichts bekannt. Es ist Maegs erste Investition in den deutschen Luxusbekleidungsmarkt. Doch das Family Office hat angekündigt, weitere Modemarken erwerben zu wollen, Verhandlungen laufen bereits.

Zügige Lösung für den Onlineshop

Jan Plathner

Jan Plathner

Bei dress-for-less war das Insolvenzverfahren ungleich kürzer: Es wurde Anfang Juni beim Amtsgericht Darmstadt anmeldet. Die 1999 gegründete Firma betreibt den gleichnamigen Onlineshop, der als Outlet für Designermarken dient. 2011 erwarb die spanische Firma Club Privalia den Modeanbieter, doch als jene sich Ende letzten Jahres zurückzog, übernahm das Management selbst das Ruder. Am hessischen Standort Kelsterbach sind derzeit rund 245 Mitarbeiter tätig. Letzte Woche wurde der sanierungserfahrene Dr. Jan Plathner von Brinkmann & Partner als Insolvenzverwalter offiziell bestätigt.

Er kann den Online-Händler ohne Arbeitsplatzabbau an die Signa Retail übergeben. Diese hatte im Frühjahr bereits die Mehrheit an dem deutschen Sportausrüster Outfitter erworben und möchte sich weiter als Multi-Channel-Handelsunternehmen positionieren. Signa Retail, zu der auch Karstadt und die KaDeWe-Gruppe gehören, erwirtschaftet mit mehr als 20.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 3 Milliarden Euro. Die jüngste Transaktion ist eine Übertragung im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens und bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörden sowie der Gläubigerversammlung.

Verkauf von dress-for-less

Matthias Kampshoff

Matthias Kampshoff

Berater Signa Retail
McDermott Will & Emery (Düsseldorf): Dr. Matthias Kampshoff (Federführung), Dr. Marc Oberhardt, Ulrike Witt (alle Distressed M&A), Dr. Sandra Urban-Crell (Arbeitsrecht), Dr. Anja Zelfel (Real Estate), Dr. Claus Färber (IT/IP; München), Anna Steudner (Corporate; Frankfurt)

Insolvenzverwaltung dress-for-less
Brinkmann & Partner (Frankfurt): Dr. Jan Plathner

Berater Insolvenzverwalter
Brinkmann & Partner (Frankfurt): Bastian Messow; Associate: Philipp Meyer 
Wellensiek (Frankfurt): Richard Scholz, Prof. Dr. Markus Stadler (München); Associate: Kristian Franz

Verkauf von Strenesse

Sylwia Bea

Sylwia Bea

Berater Maeg Holding
Wellensiek (Frankfurt): Sylwia Bea (Federführung), Prof. Dr. Markus Stadler (München); Associates: Anne Schwall, Daniel Herper

Sachwalter
Görg (Köln): Dr. Jörg Nerlich

Berater Sanierungsverwalter/Verkäufer
Grub Brugger & Partner (Stuttgart): Volker Muschalle (Federführung; M&A), Björn Bertram (Arbeitsrecht)

Hintergrund: Sylwia Bea ist auf Krisen- und Sanierungsberatung spezialisiert und wurde hier erstmalig für die ausländische Mandantin Maeg tätig. Die Juristin, die Anfang des Jahres als erste Frau in der Partnerriege von Wellensiek aufgestiegen war, kam über Netzwerkkontakte ins Mandat. Die multidisziplinäre Wellensiek-Gruppe ist im Distressed M&A-Bereich gut vernetzt.

Die Verkaufsverhandlungen für Strenesse führte maßgeblich Volker Muschalle von Grub Brugger, der regelmäßig zum Verkauf stehende süddeutsche Unternehmen aus der Schieflage herausführt. Die Kanzlei kam über die Empfehlung von Pluta ins Mandat und blieb auch nach dem Ausscheiden von Pluta als eigenverwaltender Vorstand dabei. Sie hatte Strenesse bereits im Eigenverwaltungsverfahren rechtlich beraten. Maßgeblich bestimmten auch Chief Operating Officer Gerhard Geuder und der Diplombetriebswirt Marcus Katholing von Pluta die Verhandlungen. Sie hatten schon den gesamten Restrukturierungsprozess von Strenesse intensiv begleitet, während die MDP-Einheit Ebner Stolz den M&A Prozess umfassend betriebswirtschaftlich vorbereitete.

Signa, die sich bei dress-for-less in einem Bieterprozess durchsetzte, ist eine Stammandantin von McDermott. Partner Kampshoff ist mit Transaktionen von krisengeschüttelten Unternehmen bestens vertraut. Er beriet beispielsweise kürzlich die Investoren, die die insolvente Frauenmode-Kette Zero übernahmen. Als die Signa Retail im Frühjahr Outfitter erwarb, stand er allerdings auf Seiten der verkaufenden o5 Holding. Bei der Akquisition von dress-for-less wurde Signa Retail auch von der Beratungsgesellschaft Retail Capital Partners unterstützt, die viele operative Fragen klärte. 

Richard Scholz

Richard Scholz

Der Insolvenzverwalter Plathner hatte für die Fortführung der Geschäfte sowohl Kanzleikollegen an der Seite, als auch ICS Partners, die kaufmännische Aufgaben abdeckte. Die Sanierungsberatung hww Unternehmensberater bereitete zeitgleich den strukturierten, internationalen Investorenprozess betriebswirtschaftlich vor. Die Federführung für den Verkaufsvertrag, ein Share-Deal im Insolvenzplanverfahren, hatte Wellensiek-Partner Scholz, der mit der Geschäftsführung von dress-for-less schon vor der Antragstellung zur Insolvenz bekannt war. So konnte er sie auch beim Amtsgericht vertreten und war frühzeitig in die Verkaufsverhandlungen eingebunden. (Sonja Behrens)

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