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16.08.2016

Offshore in Zeiten der EEG-Novelle: Vattenfall kauft mit Trûon Nordsee-Windpark

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall investiert weiter in Offshore-Windenergie. Das Unternehmen hat für einen nicht genannten Preis den Windpark Global Tech II gekauft. Verkäuferin ist die Erste Nordsee-Offshore-Holding, eine Tochter der österreichischen Strabag und Etanax. Dem Verkauf war ein Bieterprozess vorangegangen.

Dirk Büllesfeld

Dirk Büllesfeld

Global Tech II liegt in der deutschen Nordsee rund 85 Kilometer nördlich der Insel Borkum. Das Projekt befindet sich im Entwicklungsstadium, auf einer Fläche von 47 Quadratkilometern sind bis zu 79 Windenergieanlagen geplant, die 2022 ans Netz gehen sollen. Nach den Windparks Sandbank 24 und DanTysk bei Sylt ist Global Tech II das dritte Offshore-Projekt der deutschen Vattenfall-Gesellschaft in der Nordsee.

Die Realisierung des Windparkprojekts Global Tech II hängt nun von den weiteren Schritten ab, die das Anfang Juli beschlossene Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) und das Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) vorschreiben. Global Tech II hat bereits die Entwicklungsstufe erreicht, um an weiteren Genehmigungsverfahren teilzunehmen. Dafür sind Auktionsrunden im März 2017 und 2018 angesetzt. Das neue EEG sieht unter anderem vor, dass nur die Anlagen mit den niedrigsten Einspeisepreisen einen Netzanschluss und Baugenehmigungen bekommen.

Experten gehen davon aus, dass durch die Auflagen und den Preisdruck zukünftig viele Projekte bei der Verteilung leer ausgehen werden. Vor allem die von kleinen und mittelständischen Projektentwicklern geprägte deutsche Wind- und Solarwirtschaft könnte dabei das Nachsehen haben, da das unternehmerische Risiko steigt. Man geht deshalb davon aus, dass sich die Branche über Zusammenschlüsse und Übernahmen deutlich konsolidieren wird. Unterschiedliche Interessenverbände haben bereits rechtliche Schritte gegen die EEG-Novelle angekündigt.

Malte Jordan

Malte Jordan

Berater Vattenfall
Trûon (Hamburg): Dr. Dirk Büllesfeld (Federführung), Dr. Sonja Tegtmeyer; Associates: Nina Schaube, Dr. Felix v. Stackelberg, Valentina Caldeweyher (alle Öffentliches Wirtschaftsrecht)
Voigt Wunsch Holler (Hamburg): Dr. Oliver Wunsch; Associates: Dr. Jan Brosius, Niklas Rickers (alle Corporate Due Diligence)
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Gisela Drozella, Michael Buggenhagen (beide M&A), Dr. Maren Jasper-Winter, Philipp Buchloh (beide Öffentliches Wirtschaftsrecht)

Berater Erste Nordsee-Offshore-Holding
Watson Farley & Williams (Hamburg): Dr. Malte Jordan (Federführung; Corporate/Energierecht), Dr. Christine Bader (Regulierung), Gerrit Bartsch (Steuern); Associates: Dr. Wolfram Böge (Corporate/Energy), Jörg Walzer (Steuern), Matthias Annweiler (Corporate/Energierecht)

Berater Weitere Bieter
White & Case (Düsseldorf): Thomas Burmeister (Corporate/Energierecht) – aus dem Markt bekannt
Hengeler Mueller (Berlin): Dr. Nicolas Böhm (Corporate/Energierecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Vattenfall, deren Rechtsabteilung Deals auch regelmäßig Inhouse abwickelt, hat sich hier zum zweiten Mal bei einem Offshore-Engagement auf das Team um die Trûon-Gründungspartner Büllesfeld und Tegtmeyer verlassen. Der schwedische Energieriese kaufte mit den Öffentlichrechtlern bereits den Offshorepark Sandbank 24. Die Kanzlei, spezialisiert auf Immobilien- und Planungsrecht, ist als Freshfields-Spin-off vor sechs Jahren in Hamburg an den Start gegangen. Genau wie die Kollegen von Voigt Wunsch Holler, die sich ein Jahr vor Trûon selbständig gemacht hatten, und hier für die Due Diligence an Bord waren.

Aus Freshfieldstagen kennen sich auch Büllesfeld und Watson Farley-Partner Jordan. Dieser wechselte 2008 von Freshfields in die jetzige Kanzlei und gehört inzwischen zu den führenden Köpfen für Transaktionen und Finanzierungen bei erneuerbaren Energien. Er und sein Team haben Strabag bereits Ende 2014 beim Verkauf des Offshore-Windparkprojektes ‚Albatros‘ an EnBW beraten.

Hengeler und White & Case haben mit ihren führenden Energietransaktionsexperten zwei unterschiedliche, zuletzt unterlegene Bieter beraten.

Die beschlossenen Änderungen im EEG werden in den kommenden Jahren zu vermehrtem Beratungsbedarf führen, meinen Energierechtler. Und das nicht nur beim Genehmigungsverfahren, sondern auch auf Gerichtsebene. Der Wirtschaftsverband Windkraft hat schon eine Verfassungsbeschwerde angekündigt, nachdem ein von ihm in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten des Dresdner Verfassungsrechtler Prof. Dr. Martin Schule Verfassungsverstöße bei der EEG-Novelle annimmt. (Christiane Schiffer)

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