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20.09.2016

Braas Monier im Visier: Standard Industries bietet mithilfe von Sullivan

Standard Industries möchte Braas Monier vollständig übernehmen. Der US-Baustoffhersteller hat ein öffentliches Übernahmeangebot für alle Anteile an dem Dachziegelfabrikanten aus Oberursel vorgelegt. Der erste Vorschlag des Großaktionärs stößt jedoch nicht nur auf Gegenliebe.

Carsten Berrar

Carsten Berrar

Erst im Mai war Standard Industries bei Braas Monier eingestiegen und hält seitdem ein Aktienpaket von 29,1 Prozent. Das freiwillige Übernahmeangebot an alle Aktionäre lautet auf 25 Euro pro Aktie. Die Bar-Offerte selbst kommt von der Marsella Holdings, einer hundertprozentigen Tochter von Standard Industries mit Sitz in Luxemburg.

Der Verwaltungsrat von Braas Monier lehnte das Angebot schon im Vorfeld per englischer Ad-hoc-Mitteilung ab. Diese ging über den Ticker, noch bevor die Offerte von Marsella von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht freigegeben und somit hierzulande publik wurde. Nach Auffassung des Verwaltungsrates sei die Gesellschaft mit etwa 1,9 Milliarden Euro samt Schulden unterbewertet. Der angebotene Barpreis pro Anteilsschein läge noch unter dem Schlusskurs vom 14. September.

Standard Industries hatte im Mai mit ihrer Portfoliogesellschaft 40 North ein Aktienpaket von den Hedgefonds Apollo, York Capital und Towerbrook erworben, die als Großaktionäre ihre Aktivitäten in der Moniers Holding gebündelt hatten. Sie halten weiterhin 10 Prozent der Braas Monier-Anteile, haben sich aber – so wie auch 40 North – gegenüber Marsella verpflichtet, ihre Anteile gegebenenfalls zu verkaufen.

Braas Monier, die ihr Hauptquartier in Luxemburg hat und rund 7.700 Mitarbeiter beschäftigt, ist seit 2014 an der Börse notiert. Im vergangenen Jahr erzielte die im SDax notierte Firma einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro. Im Juni hatte der Dachziegel-Hersteller über seine Tochtergesellschaft BMBG Bond Finance eine besicherte Anleihe über 435 Millionen Euro begeben und eine neue Kreditlinie über 200 Millionen Euro mit einem internationalen Bankenkonsortium abgeschlossen. Diese Kapitalverpflichtungen müsste Standard Industries dann ebenfalls eingehen.

Standard Industries beschäftigt etwa 7.500 Mitarbeiter weltweit. Anfang des Jahres übernahm sie sich über die Tochterfirma GAF schon die dänische Baustoffproduzentin Icopal für rund eine Milliarde Euro.

Berater Standard Industries/40 North
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar (Federführung), Dr. York Schnorbus (M&A; Corporate), Juan Rodriguez (Kartellrecht), Krystian Czerniecki, Krishna Veeraraghavan (New York; beide US-Recht)
Inhouse Recht (New York): Jason Pollack (General Counsel)

Berater Monier Holdings (Altaktionäre)
Kirkland & Ellis (München): Dr. Björn Holland (Corporate), Paula Riedel (Kartellrecht; London); Associate: Thomas Komanek (Corporate)

Karsten Schmidt-Hern

Karsten Schmidt-Hern

Berater Braas Monier
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Karsten Schmidt-Hern, Dr. Peter Weyland; Associates: Dr. Lucina Berger, Dr. Daniel Moeritz (alle Corporate/M&A)
Inhouse Recht (Oberursel): Hanno Schultze Enden (Group Director Legal Tax Insurance)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Bei Braas Monier betreut intern Chefjurist Schultze Enden den Übernahmeversuch, er kam 2010 von Jones Day zu dem Unternehmen. Hengeler-Partner Dr. Johannes Tieves begleitet das Unternehmen schon seit vielen Jahren und stand ihm auch zusammen mit der US-Kanzlei Cravath Swaine & Moore zur Seite, als es die Refinanzierung im Frühsommer vornahm. Aktuell liegt die Federführung bei den Partnern Schmidt-Hern und Weyland. Zu der Offerte ließ sich der Verwaltungsrat zudem von Rothschild beraten.

Kirkland wiederum hatte die Altinvestoren schon 2009 unterstützt, als sie im Zuge eines Debt-to-Equity-Swaps bei dem Dachpfannenhersteller einstiegen. Und auch Sullivan-Partner Berrar ist mit Monier bestens vertraut, schließlich begleitete er das Unternehmen 2014 an die Börse. Doch schon im Frühjahr war er an der Seite der neuen Großaktionärin Standard Industries beziehungsweise ihrer Tochter 40 North zu sehen. Die US-Kanzlei wurde zuvor auch von der Tochter GAF bei der Übernahme des dänischen Wettbewerbers Icopal mandatiert. (Sonja Behrens)

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