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17.11.2016

Software-Coup: Siemens kauft mit Latham für 4,5 Milliarden Dollar US-Spezialist Mentor

Für 4,5 Milliarden US-Dollar kauft Siemens das Softwarehaus Mentor. Das US-Unternehmen ist in 32 Ländern tätig und erzielte zuletzt einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar. Die Aktien wurden am Handelstag vor der Kaufankündigung mit etwa 29 Dollar gehandelt. Siemens zahlt damit eine 21-prozentige Prämie auf jede Aktie.

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Rainer Traugott

Siemens erhofft sich durch den Kauf des Industriesoftware-Herstellers Fortschritte etwa bei der Entwicklung mikroelektronischer Automatisierungssysteme. Der Zukauf wird im Markt als eine sinnvolle Investition gewertet, denn das Zielunternehmen passt strategisch in das Siemens-Portfolio. Der Konzern hatte angekündigt, die Bereiche Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung auszubauen. 

Berater Siemens
Latham & Watkins: Dr. Rainer Traugott (München), Adel Aslani-Far (New York; beide Federführung), James Gorton, Eli Hunt (New York; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Catherine Drinnan (London; Steuer), Michael Egge (Kartellrecht), Jeremiah Wolsk (IT-Recht), Les Carnegie (Litigation), James Barret (alle Washington D.C.; Umwelt- und Planungsrecht), Dara Denberg (Immobilienrecht), Lisa Watts (beide New York; Steuern)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Brüssel): Dr. Frank Montag (Kartellrecht)
Inhouse Recht (München): Anton Steiger (Head of M&A; Federführung), Andreas Hoffmann (General Counsel)

Berater Mentor Graphics
O’Melveny & Myers (New York): Paul Scrivano (Federführung; M&A), Courtney Dyer (Kartellrecht; Washington), Riccardo Celli, Christian Peeters (beide Kartellrecht; Brüssel)
Inhouse Recht (Wilsonville, Oregon): Dean Freed (General Counsel)

Hintergrund: Mentor Graphics ist ein regelmäßiger Mandant von O’Melveny. Paul Scriviano ist seit 2005 Partner bei der Kanzlei. Er gilt als einer der führenden M&A-Anwälte der USA.

Dass Siemens sich unter anderem von Traugott federführend beraten lässt, ist keine Überraschung. Traugott pflegte bereits in seiner Zeit bei Linklaters sehr gute Kontakte zu Siemens. Von diesen Kontakten profitiert jetzt das Münchener Latham-Büro, in das der Gesellschaftsrechtler und M&A-Experte im März dieses Jahres gewechselt war.

Bei Latham stand zuvor vor allem Corporate-Partner Dr. Jörg Kirchner für die Mandatsbeziehung zu Siemens, doch hatte Kirchner Latham im Sommer 2015 – ein halbes Jahr vor dem Wechsel von Traugott zu Latham – in Richtung Kirkland & Ellis verlassen.

Auch die kartellrechtliche Beratung durch den Brüsseler Freshfields-Partner Montag überrascht nicht. Montag berät Siemens seit Jahren regelmäßig im Kartellrecht, so auch beispielsweise bei der prominenten US-Akquisition von Dresser-Rand. Auch damals hatte Siemens auf eine Kombination aus Beratern von Latham und Freshfields vertraut. Beim Mentor-Deal koordiniert Montag mit seinem Team die weltweite Fusionskontrolle und regelt Fragen zum EU- und japanischen Kartellrecht.

Über die an der Brückenfinanzierung der Transaktion beteiligten Banken liegen keine Informationen vor. Bekannt ist allerdings, dass der New Yorker Hedge Fonds Elliot Management Anfang Oktober erst einen Aktienanteil von über acht Prozent an Mentor erworben hat. Eliott Management unterstützt den Verkauf seiner Anteile an Siemens nach eigenem Bekunden. (Martin Ströder)

Der Artikel wurde am 18.November 2016 ergänzt

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