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04.01.2017

Kartendienst Here: Intel und Chinesen steigen mit Nauta Dutilh und Morrison & Foerster ein

Nachdem ein asiatisches Konsortium aus Tencent, NavInfo und GIC bereits in den Kartendienst Here investiert hat, steigt nun auch der US-Chiphersteller Intel mit einer Beteiligung ein. Mit dem Verkauf der beiden Beteiligungen schmiedet das Inhaberkonsortium um die Automobilhersteller BMW, Daimler und Audi ein schlagkräftiges Joint Venture.

Christoph Wagner

Christoph Wagner

Here ist ein digitaler Kartendienst, der seinen Nutzern echtzeitnahe Informationen anbietet. Dies gilt als Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren. BMW, Daimler und Audi hatten den Anbieter 2015 für rund 2,5 Milliarden Euro erworben. Ziel war, die eigene Abhängigkeit von Apple und Google in den Bereichen Navigation, Assistenzsysteme und autonomes Fahren zu reduzieren. Denn sowohl Apple als auch Google investierten in den vergangenen Jahren verstärkt in das autonome Fahren.

Bereits im Anschluss an den Erwerb der ehemaligen Nokia-Tochter hatte das Konsortium der Automobilhersteller angedeutet, kein exklusiver Club bleiben zu wollen, sondern weitere geeignete Partner zu suchen, um Here zu einem führenden Anbieter für digitale Mobilitätstechnik zu machen. Sowohl das chinesische Konsortium als auch Intel haben die Autobauer aus Ingolstadt, München und Stuttgart aus strategischen Gründen überzeugen können.

Chinesischer Markt und amerikanisches Know-how

Nicole Englisch

Nicole Englisch

Das chinesische Konsortium bestehend aus dem chinesischen Kartenanbieter NavInfo, dem chinesischen Internetkonzern Tencent und dem Staatsfond GIC aus Singapur geht mit Here eine strategische Partnerschaft ein, die den chinesischen Markt für Here öffnen, aber auch die eigenen Produkte etwa von Tencent optimieren soll. Die drei chinesischen Unternehmen übernehmen gemeinsam 10 Prozent der Here-Anteile. Bekannt ist zudem, dass Here mit NavInfo in China ein Technologieunternehmen gründen will, das Kartendienste mit dem Internet und Automobilen verknüpft. 

Intel ist bereits an anderer Stelle ein enger Partner von BMW: Zusammen mit dem israelischen Kamerahersteller MobilEye wird bereits in einer strategischen Allianz an der Zukunft des autonomen Fahrens gearbeitet. Mit der 15-prozentigen Beteiligung an Here konzentriert sich der amerikanische Chiphersteller weitergehend auf den Mobilitätssektor. Teil des Erwerbs ist ein Abkommen über eine Forschungs- und Entwicklungskooperation, um den Kartendienst für das autonome Fahren weiterzuentwickeln.

Berater Tencent
Morrison & Foerster (Honkong): Thomans Chou (M&A), Dr. Christoph Wagner (M&A/Medien; Berlin; beide Federführung), Chuan Sun, Jinghua Zou (beide M&A); Associates: Dr. Felix Helmstädter (Kartellrecht), Robin Eyben, Johannes Hieronymi (beide M&A), Jens Wollesen (Arbeitsrecht; alle Berlin), Nikita Tucket (IP-Recht; San Francisco), Gigi Yuen (M&A), Matthew Lau (Steuerecht)

Berater Intel
Nauta Dutilh (Rotterdam): Dr. Martin Grablowitz (Corporate/M&A); Associates: Edger Kleijer, Kathrin Bungenberg, Jeanine Evertse, Ole de Vries (alle Corporate/M&A), Ewoud Zweers (Arbeitsrecht), Rema Tewarie (Versicherungsrecht), Joyce van den Heijkant (Prozessführung)
Inhouse Recht (London): Ian Stoodley (General Counsel) – aus dem Markt bekannt

Berater Here (Audi/BMW/Daimler)
Clifford Chance (München): Dr. Nicole Englisch (Federführung; Gesellschaftsrecht), Dr. Joachim Schütze (Kartellrecht; Düsseldorf); Floor van der Steenstraten (Gesellschaftsrecht; Amsterdam); Associates: Ellen Römkens (Amsterdam), Nico Basener (beide Gesellschaftsrecht; München), Dr. Florian Wiesener (Kartellrecht; Düsseldorf) – aus dem Markt bekannt
Hogan Lovells (Washington): William Curtin (M&A) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Chicago): Janet Lee (General Counsel) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die drei chinesischen Konsortialpartner beschäftigten jeweils eigene M&A-Berater. Für die M&A-Beratung griff NavInfo auf die Erfahrung von Fangda Partners, einer chinesischen Kanzlei zurück, GIC auf Paul Wise, eine New Yorker Kanzlei mit Büros in China. Exklusiv für Tencent arbeiteten die beiden M&A-Partner von Morrison & Foerster Chou und Wagner. Die Kanzlei kam über ihr Honkonger Büro ins Mandat und war darüber hinaus auch für das gesamte Konsortium tätig. Diese Beratung betraf das Innenverhältnis der Konsortialpartner, aber auch alle transaktionsrelevanten grenzüberschreitenden sowie regulatorischen und insbesondere kartellrechtlichen Fragen des Deals.

Die Beratung des Konsortiums um den Kartendienst Here leistete dem Vernehmen nach ein Team bestehend aus Hogan Lovells- und Clifford Chance-Anwälten. Das Hogan Lovells-Team um den Washingtoner Partner William Curtin, der als langjähriger Rechtsberater von Daimler gilt und der bereits ausschlaggebend für die Mandatierung von Hogan Lovells beim Erwerb des Kartendienstes war, leitete erneut federführend die Verhandlungen, speziell den Erwerbsteil der Transaktionen. 

Clifford Chance-Partnerin Englisch beriet mit ihrem Team zu den kartell- und gesellschaftsrechtlichen Fragen des Deals. Auch hier dürfte die Mandatierung beim Erwerb des Kartendienstes ausschlaggebend für das Folgemandat gewesen sein. Damals pochten die nicht mit Hogan Lovells und Curtin verbandelten Automobilhersteller auf eine zweite Kanzlei an der Seite von Hogan Lovells.

In der niederländischen Kanzlei Nauta Dutilh, die für Intel tätig war, leitet Grablowitz von Rotterdam aus den German Desk der Kanzlei. Er verfügt über eine deutsche und niederländische Anwaltszulassung. In Deutschland hat Nauta Dutilh keine Büros. (Martin Ströder)

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