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02.01.2017

Rückblick: Das waren die Top-Deals des Jahres 2016

Das Transaktionsgeschäft 2016 glich der beliebten ‚Paukenmesse‘ von Joseph Haydn: Lange Anläufe, spektakuläre Höhepunkte und eine zeitweise komplexe Harmonik. Dabei war der von Bayer angekündigte Monsanto-Kauf der fulminanteste Aufschlag. Das Ringen zwischen Edeka und Rewe um Kaiser’s/Tengelmann wurde begleitet von stetigen Trommelwirbeln. Als harmonisches Duett hingegen vollzog sich eine der größten Fusionen in der deutschen Bankenlandschaft.

Rund 17 Milliarden Euro betrug das Transaktionsvolumen, als die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank im vergangenen Jahr fusionierten. Zusammen bilden sie nun die drittgrößte deutsche Geschäftsbank. Auch bei der Deutschen Börse regte sich wieder die Hochzeitslaune. Sollte die Vermählung mit dem Londoner Partner LSE genehmigt werden, läge der Transaktionswert bei rund 13,3 Milliarden Euro.

Länderübergreifend sind auch die Windturbinen-Allianz von Siemens mit der spanischen Gamesa, dem Vernehmen nach etwa 6,6 Milliarden Euro schwer, und die Ehe der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd mit dem arabischen Wettbewerber United Arab Shipping Company – sie wird auf etwa 4,8 Milliarden Euro taxiert. Mit fast ebenso viel Geld verabschiedete sich laut Presseberichten der Familienkonzern Oetker aus dem Seemannschor: Er verkaufte seine Schiffssparte an die Container-Großreederei Mærsk.

Daneben gab es 2016 auch auffallend viele öffentliche Übernahmeangebote – allen voran die 60-Milliarden-Euro-Offerte von Bayer. Es wäre der größte Zukauf, den je eine deutsche Firma gestemmt hat. Auch andere Player näherten sich ihren Auserkorenen über das Parkett: Die Immobiliengesellschaft Vonovia überzeugte schon rund 70 Prozent der Anteilseigener des österreichischen Konkurrenten Conwert. Der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea umwarb die Kuka-Aktionäre und zahlt mehr als vier Milliarden Euro für die bisher größte chinesische Firmenübernahme in Europa. Diesen Rekord könnte ChemChina in diesem Jahr locker brechen, wenn ihr die 43-Milliarden-Dollar-Übernahme des Basler Konzerns Syngenta gelingt.

Mitten im US-Wahlkampf quer über den Teich

Auch der Kölner Spezialchemie-Konzern Lanxess hat ein milliardenschweres Übernahmeangebot vorgelegt, und zwar für das US-Unternehmen Chemtura. Siemens bietet etwa 3,7 Milliarden Euro für das Softwarehaus Mentor Graphics. Es sind nur zwei Beispiele, die zeigen: Investitionen in den Vereinigten Staaten stehen weit oben auf der Agenda deutscher Industriekonzerne. Evonik kaufte für 3,8 Milliarden Dollar eine Sparte des US-Konzerns Air Products. Der Konsumgüterkonzern Henkel erwarb die Waschmittelfirma Sun, BASF den Oberflächen-Spezialisten Chemetall und der Gabelstaplerhersteller Kion den US-Logistiker Dematic.

Umgekehrt kauften auch US-Investoren hierzulande ein: Blackstone angelte sich die IVG-Tochter Office First samt Immobilienportfolio, das Washingtoner Private-Equity-Haus Carlyle übernimmt die Berliner Spezialchemiefirma Atotech, Lone Star aus Dallas greift sich den Baustoff-Hersteller Xella, und die New Yorker KKR sicherte sich die Verteidigungselektronik-Sparte von Airbus sowie Anteile an dem Marktforschungskonzern GfK.

Fast aus der Reihe fällt da eine deutsch-spanische Transaktion, die immerhin die 5-Milliarden-Euro-Hürde nahm: Der Krankenhausbetreiber Helios und sein Mutterkonzern Fresenius kaufen den größten privaten Klinikbetreiber Spaniens Quirónsalud. Die spanische Kartellbehörde hat das Geschäft kurz vor Weihnachten ohne Auflagen genehmigt.

Die Orchestrierung wird immer komplexer

Welches Gewicht den Kontroll- und Regulierungsbehörden zukommt und wie unmittelbar sich politische Stimmungen auf Genehmigungsverfahren auswirken können, das bekamen zuletzt die Beteiligten zu spüren, als Aixtron und die Osram-Lampensparte verkauft werden sollten. Nicht jedem sind die chinesischen Bieter willkommen, und umgekehrt hat auch die chinesische Regierung zahlreiche Auflagen für den Kapitalverkehr und für Auslandsinvestitionen angekündigt. Es bleibt abzuwarten, welche asiatischen Klänge sich in künftige Deal-Kompositionen mischen werden.

Das Brexit-Votum vom Juni hat jedenfalls im Börsenorchester deutliche Spuren hinterlassen. Mehrere IPOs wurden auf unbestimmte Zeit verschoben, andere Firmeneigner gaben attraktiven Direktofferten im Dual Track-Verfahren nach. Davon unbeirrt legte die RWE-Tochter Innogy im Herbst den größten deutschen IPO seit der Jahrtausendwende aufs Parkett und rückte – wie die E.on-Abspaltung Uniper – kurz vor Weihnachten in den MDax auf.

Aus eins mach zwei, drei, vier

Auch das Carve-Out-Geschäft mit anschließender Börsennotierung beschäftigt nach wie vor viele Kanzleien und Großkonzerne. Das in dieser Hinsicht schon erfahrene Dax-Schwergewicht Siemens gliederte zuletzt seine Healthcare-Sparte aus. Und auch Metro spaltet sich für künftige Börsenflirts in ein Großhandels- und ein Elektronik-Unternehmen auf.  

Der Taktstock der Vorstände trieb die Chor- und Orchestermitglieder – also Kanzleien und Rechtsabteilungen – im vergangenen Jahr mehrfach an ihre Belastungsgrenzen. Der Eifer im Übernahmegeschäft wirkt auf viele Beobachter wie ein Wettlauf gegen herannahende Sturmtiefs. Angesichts des derzeitigen Zinsumfelds könnte man sagen: Die Liquidität im Markt sucht sich bisweilen triumphale Schlussakkorde. (Sonja Behrens)

 

Die Top-Deals 2016*

1  Rekorddeal: Bayer kauft Monsanto, Sullivan und A&O unterstützen Inhouse-Team 

2  Klinikkauf in Spanien: Helios-Juristen stemmen Milliardendeal mit Freshfields und Hengeler

3  Roboterindustrie: Chinesen wollen mit Freshfields-Hilfe bei Kuka einsteigen

Oetker-Reederei: Maersk übernimmt mit Freshfields Hamburg Süd

Software-Coup: Siemens kauft mit Latham für 4,5 Milliarden Dollar US-Spezialist Mentor

Spezialchemie: Evonik finanziert den Milliarden-Zukauf mit Hilfe von White & Case

Verkauf nach IPO-Absage: Office First geht an Hengeler-Mandantin Blackstone

Milliardenfinanzierung steht: King & Spalding, Cleary und Clifford ermöglichen US-Zukauf von Henkel

US-Milliardenzukauf: Kion vertraut bei Dematic-Übernahme auf Gleiss und Hengeler

 10  Atotech: Carlyle gewinnt Bieterrennen um Chemiefirma von Jones Day-Mandantin Total

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