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30.03.2017

Röntgenpraxen: Orrick und Görg begleiten DBAG-Premiere im Gesundheitssektor

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) investiert erstmals im Gesundheitssektor und steigt bei einer Radiologie-Praxiskette ein. Die Kette unterhält 15 Praxen im Ruhrgebiet, insgesamt sind dort 87 Ärzte beschäftigt. Verkäufer ist eine Gruppe von Ärzten, die die Praxen gegründet haben. Sie bleiben mit etwa 44 Prozent beteiligt.

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Florian Döring

Die Praxen sind Komplettanbieter für radiologische und nuklearmedizinische Untersuchungen, also Röntgen, Ultraschall, CT und MRT. Neben den 87 Ärzten sind dort auch rund 500 medizinische und nicht-medizinische Mitarbeiter tätig. Über die Höhe des Kaufpreises ist nichts bekannt.

Betrachtet man den Umsatz der Praxen von 54 Millionen Euro im vergangenen Jahr und den Wert der teuren Radiologiegeräte, dürfte der Kaufpreis jedoch deutlich im dreistelligen Millionenbereich liegen. Verkäufer ist eine Gruppe von 18 Ärzten, die die Praxen seit einigen Jahren als Gesellschafter geführt haben. Sie haben ihre Anteile im Rahmen eines Management-Buy-outs an den DBAG-Fonds VII verkauft, werden sich aber mit rund 44 Prozent rückbeteiligen.

Dem Kauf war ein Bieterprozess vorausgegangen, in den die Gewinnerin DBAG erst spät eingestiegen war. Als Bieter waren nach Marktinformationen zuletzt auch noch der Investor Waterland und eine internationale Radiologie-Praxiskette im Rennen. Die Gesundheitsbranche ist in den vergangenen Jahren für Investoren immer attraktiver geworden – trotz hoher Regulierungshürden. Dabei sind nicht mehr nur Krankenhäuser begehrte Objekte, sondern auch zunehmend die Praxen niedergelassener Ärzte.

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Oliver von Rosenberg

Berater DBAG
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Florian Döring (Leiter Recht und Steuern); Maria Rostock-Bagdasarova (Steuern)
Orrick Herrington & Sutcliffe (München): Dr. Christoph Brenner (Federführung), Dr. Thomas Schmid (beide Private Equity/M&A), Dr. Stefan Schultes-Schnitzlein (Steuerrecht; Düsseldorf), Dr. André Zimmermann (Arbeitsrecht), Dr. Christian Schröder (IP/IT), Dr. Felix Schäfer (Immobilienrecht; alle Düsseldorf); Associates: Dr. Andrea Köhler, Bernhard Schmaderer, Dr. Markus Schmid (alle Private Equity/M&A), Sophie Ratzke (IP/IT; Düsseldorf) 
Novacos Heil Hübner Natz Oeben Stallberg (Düsseldorf): Maria Heil, Dr. Marc Oeben (beide Healthcare)
Linklaters (München): Dr. Jann Jetter (Steuern)
Taylor Wessing (Frankfurt): Ulf Gosejacob (Finanzierung)
Reed Smith (München): Tilman Siebert; Associate: Helge Aulmann (beide Kartellrecht)

Berater verkaufende Ärzte
Görg (Köln): Dr. Oliver von Rosenberg, Dr. Andrea Zimmermann, Ursula Lier, Dr. Andreas Groten (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Marcus Richter (Arbeitsrecht) und Dr. Christian Bürger (Kartellrecht)

Berater Waterland
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Alexander Nolte (Private Equity/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater Internationale Radiologie-Praxiskette
Willkie Farr & Gallagher (Frankfurt): Mario Schmidt (Private Equity/M&A) – aus dem Markt bekannt

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Christoph Brenner

Hintergrund: Auf DBAG-Seite wurde die Beteiligung maßgeblich von General Counsel Döring gesteuert. Er griff auf eine Handvoll vertrauter Berater zurück, von denen einige aus den Reihen der insolventen Einheit King & Wood Mallesons stammen. Das gilt etwa für den renommierten PE-Experten Brenner, der im vergangenen Dezember zu Orrick gewechselt war, und Kartellrechtler Siebert, der Anfang des Jahres zu Reed Smith ging. Auch der für die Finanzierung zuständige Gosejacob ist ein ehemaliger King & Wood-Anwalt. Er war mit einem Team um Sabine Schomaker im vergangen Herbst zu Taylor Wessing gewechselt. Orrick und Taylor Wessing hatten die DBAG jüngst auch beim Kauf des Prothesenherstellers Polytech beraten. 

Erstmals dabei ist das Team des Clifford Chance-Spin-offs Novacos, das zu den Regulierungsfragen im Gesundheitswesen beriet. Die Kanzlei kam auf Empfehlung von Orrick-Associate Köhler ins Mandat, die ebenfalls zuvor bei Clifford arbeitete.

Auf Görg-Seite hat von Rosenberg den ersten großen Deal in seiner neuen Kanzlei abgeschlossen. Er war im November vergangenen Jahres von Freshfields Bruckhaus Deringer gewechselt. Görg, die vor allem für Restrukturierung und Distressed-M&A bekannt ist, will mit dem erfahrenen Private-Equity-Experten die klassische Transaktionsberatung weiter ausbauen. Für die verkaufende Ärztegemeinschaft übernahm von Rosenberg sowohl die Rolle des M&A-Advisors, der den Bieterprozess aufsetzte und steuerte, als auch die umfassende rechtliche Beratung. Er kam über eine Empfehlung ins Mandat.

Die steuerlichen Komponenten hat auf Käuferseite die Inhouseanwältin Rostock-Bagdasarova mit betreut. Für die Steuerstrukturierung hat die DBAG wie häufig Jetter von Linklaters beauftragt, die Steuerklauseln hat Orrick-Partner Schultes-Schnitzlein verhandelt. Aufseiten der Ärzte wurden zwei lokale Player tätig: Thomas Ketteler-Eising aus der Kölner Einheit Laufenberg Michels und Uwe Helgers aus Dortmund. (Christiane Schiffer)

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