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02.03.2017

Verzögert, nicht geplatzt: Flughafen-Hahn-Verkauf bleibt auch mit Warth Klein spannend

Der Flughafen Hahn ist verkauft – beinahe. Das Land Rheinland-Pfalz hat seinen Mehrheitsanteil von 82,5 Prozent an die chinesische HNA-Gruppe abgetreten. Hessen, das die restlichen Anteile am Flughafen hält, hat jedoch den Termin zur Vertragsunterzeichnung abgesagt – es gab noch offenen Fragen zur Struktur des Käufers ADC. Dieser will künftig gemeinsam mit HNA den Flughafen betreiben.

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Martin Jonas

Es bleibt holprig beim Verkauf des Regionalflughafens. Nachdem der Verkauf an die chinesische Shanghai Yiqian im vergangenen Sommer spektakulär scheiterte, weil der Kaufpreis nicht rechtzeitig überwiesen wurde, ist nun ein Notartermin geplatzt, bei dem Hessen den Anteilsverkauf an ADC besiegeln wollte.

ADC ist eine kleine örtliche Projektentwicklerin, die über den Sinologen und ehemaligen rheinland-pfälzischen Staatssekretär Siegfried Englert gute Kontakte nach China unterhält. Englert sagte dem Sender SWR, man habe Verständnis dafür, dass die hessische Seite noch Klärungsbedarf sehe. Es gehe jetzt noch um die Klärung juristischer Dinge, die bei Verkäufen dieser Größenordnung über zwei Kontinente hinweg über das übliche Maß hinausgingen. Geplatzt sei der Deal damit nicht.

ADC und HNA wollen Medienberichten zufolge den Flughafen Hahn gemeinsam betreiben. Christoph Götzmann, ehemaliger Hahn-Vertriebsmanager und damit bestens vertraut mit den Gegebenheiten, hat für HNA die Verkaufsverhandlungen schon seit dem Bieterverfahren geführt. Er soll dann auch bei der Betreibergesellschaft eine tragende Rolle spielen.

Der chinesische Großkonzern, der viele internationale Geschäfte in der Luftfahrt- und im Tourismusbranche führt, gehörte auch schon beim ersten Anlauf zu den Bietern. Unter den letzten Dreien waren auch die MG Holding, ein kasachischer Immobilienentwickler, und das Konsortium Henan American Machinery.

Berater Bieterkonsortium HNA/ADC
Schauer Häffner & Partner (Angelbachtal): Erich Häffner – aus dem Markt bekannt (für ADC)
Weil Gotshal & Manges (Frankfurt): Dr. Christian Tappeiner, Dr. Kamyar Abrar (beide Corporate/Restrukturierung) – aus dem Markt bekannt (für HNA)

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Hans-Georg Kamann

Berater Rheinland-Pfalz
Warth & Klein Grant Thornton (Frankfurt): Prof. Dr. Martin Jonas (Leiter Corporate Finance & Advisory Services), Marc Ostwald (M&A), Stefan Lengermann (M&A), Sebastian Rondorf (M&A), Robert Giesler (M&A); Christian Knake (Governance, Risk & Compliance), Jan Brune (Governance, Risk & Compliance), Daria Golbeck (Governance, Risk & Compliance)
Warth & Klein Grant Thornton Rechtsanwälte: Dr. Manfred Elkemann-Reusch (Düsseldorf), Christoph Rupp (München; beide Federführung), Henk Berkels, Yana Rosenova Stoilova (beide München; alle Corporate/M&A)
Kapellmann und Partner: Prof. Dr. Robin van der Hout (Beihilferecht; Brüssel), Dr. Hendrik Röwekamp (Vergaberecht; Düsseldorf), Dr. Ivo Du Mont (Fusionskontrolle; Mönchengladbach); Associates: Sarah Blazek (Behiliferecht), Philip Lux (Fusionskontrolle; beide Brüssel)

Berater Hessen
WilmerHale (Frankfurt): Prof. Dr. Hans-Georg Kamann (Beihilferecht), Dr. Christian Crones (M&A), Dr. Peter Gey (Beihilferecht); Associate: Christian Schwedler (Beihilferecht)

Berater MG Holding
Dentons (Frankfurt): Dr. Christoph Papenheim, Sven-Oliver Friedrich (beide Corporate/M&A)

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Christoph Papenheim

Hintergrund: Der Flughafen-Verkauf hat auch auf Beraterseite hohe Wellen geschlagen. Die Anwälte und Berater von KPMG Law und KPMG hatten für Rheinland-Pfalz schon seit Anfang 2013 die Privatisierung begleitet. Dazu gehörte neben dem Verkaufsprozess, der vor zwei Jahren begann, seit 2013 auch ein umfangreiches Beihilfe- und Entschuldungsverfahren.

Die Berater gerieten jedoch unter massiven Beschuss, als im Sommer der Verkauf platzte. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie den Käufer Yiqian Trading nicht umfassend durchleuchtet haben. Zu diesem Zeitpunkt kam Warth Klein ins Spiel: Deren Vorstandsmitglied Jonas gilt als Mann für heikle Fälle. Er hat etwa für die Landesregierung Baden-Württemberg den Kauf der EnBW-Anteile vom französischen EdF-Konzern begutachtet. Der Deal war von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus initiiert worden. 2010 haben sich daran jahrelange Rechtsstreitigkeiten zwischen allen Beteiligten entzündet. Außerdem hat Jonas 2015 für die Bundesregierung ein Gutachten zu den Rückstellungen für den Atomausstieg erstellt.

Warth Klein und KPMG haben den zweiten Bieterprozess zum Flughafenverkauf anfangs mehrere Monate gemeinsam vorbereitet. Im November zog das Land jedoch einen Schlussstrich unter die Zusammenarbeit mit KPMG, und Warth Klein übernahm mit seinen Beratern und Rechtsanwälten vollständig. Für beihilfe- und vergaberechtliche Fragen zog man die Spezialisten von Kapellmann hinzu.

Über die Mandatsbeziehung auf Käuferseite ist wenig bekannt, allerdings hat dem Vernehmen nach vornehmlich der Flughafenexperte Götzmann die Verkaufsverhandlungen für das Konsortium geführt und nur punktuell Anwälte als juristische Berater hinzugezogen. So sind beispielsweise nach JUVE-Informationen die beiden Weil Gotshal-Partner Tappeiner und Abrar für Fragen zur Fusionskontrolle durch HNA beauftragt.

Das Land Hessen ließ sich über den gesamten Verkaufsprozess von seinem beihilferechtlichen Stammberater Kamann vertreten.

Ein Team um Dentons-Partner Dr. Christoph Papenheim hat den kasachischen Investor MG bei seiner Suche nach einem Investment in Deutschland beraten. MG hatte zunächst ein Auge auf den insolventen Flughafen Magdeburg geworfen, kam aber dort nicht zum Zug. So beteiligte sich der Investor am Bieterwettbewerb um den Flughafen Hahn. (Christiane Schiffer)

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