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21.04.2017

Geld für Sport: Sonntag & Partner begleitet VfB Stuttgart beim Einstieg von Daimler

Der VfB Stuttgart hat den Daimler-Konzern als potenziellen Ankerinvestor für seine Profifußballabteilung gewonnen. Diese will der Verein bald ausgliedern. Sollte der aktuelle Tabellenführer der 2. Fußball-Bundesliga in die 1. Bundesliga aufsteigen, erhält er von dem Autobauer 41,5 Millionen Euro für 11,75 Prozent der Anteile an der neuen VfB-AG. Verpasst der Club den Aufstieg, investiert Daimler lediglich 10,5 Millionen Euro und erhält dafür 5 Prozent der Anteile.

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Thomas Dehesselles

Darauf haben sich Verein und Autobauer nach längeren Verhandlungen geeinigt. Voraussetzung für die Investitionen ist jedoch, dass die Mitgliederversammlung des Vereins am 1. Juni sich mit mindestens 75 Prozent der Stimmen für eine Ausgliederung der Profifußballsparte und deren Umwandlung in eine AG entscheidet. Geben die Mitglieder grünes Licht, will der Verein in den kommenden Jahren weitere Anteile verkaufen – maximal 24,9 Prozent. Dadurch will der VfB bis zu 100 Millionen Euro einnehmen. Der gesamte Vereinswert des VfB Stuttgart wird derzeit auf rund 300 Millionen Euro taxiert.

Die Deutsche Fußball Liga soll ihre erforderliche Zustimmung bereits signalisiert haben, nachdem die Pläne des VfB mit Satzung und Ligastatut vereinbar sind, insbesondere mit der sogenannten 50+1 Klausel, die eine mehrheitliche Beteiligung von Investoren an Clubs bislang ausschließt.

Mit einer möglichen Ausgliederung der Profiabteilung beschäftigt sich der Club bereits seit Jahren. Nach einiger Unruhe, unter anderem infolge des Abstiegs in die 2. Liga im vergangenen Jahr, scheint nun nicht zuletzt aufgrund des zurückgekehrten sportlichen Erfolges das Umfeld für den Schritt offenbar weit besser. Mit dem Daimler-Konzern hat der Club dabei einen Großinvestor an der Hand, mit dem er schon länger nicht nur räumlich eng verbunden ist.

Seit Langem engagiert sich der Dax-Konzern im Sponsoring des Traditionsclubs, aktuell ziert der Name der Daimler-Tochter Mercedes-Benz-Bank das Trikot des Bundesligateams. Auch das Stadion trägt den Namen Mercedes-Benz-Arena. Die geplante Investition des Autobauers soll vollständig in die sportliche Entwicklung fließen. Ins operative Geschäft will Daimler nicht eingreifen. Allerdings sollen Daimler-Repräsentanten zwei von neun Sitzen im Aufsichtsrat der VfB-AG erhalten: einen soll Daimler selbst erhalten, den anderen die Mercedes-Benz Bank, die ihr Engagement als Hauptsponsor im Falle einer Ausgliederung ebenfalls weiter ausbauen will.

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Marc-Oliver Kurth

Berater Daimler
Taylor Wessing: Marc-Oliver Kurth (Berlin), Dr. Frank Koch (Hamburg; beide Corporate/M&A, Aktienrecht)  – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Stuttgart): Dr. Rainer Beckmann, Dr. Michael Hörtig – aus dem Markt bekannt

Berater VfB Stuttgart
Sonntag & Partner (Augsburg): Dr. Thomas Dehesselles (Federführung; Steuer- und Vereinsrecht), Dr. Thomas Rau, Christine Ploss (beide Gesellschafts- und Aktienrecht)
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Hamburg): Dr. Johan-Michel Menke (Arbeitsrecht)
Inhouse Recht (Stuttgart): Dr. Jan Räker

Berater DFL
Inhouse (Frankfurt): Jürgen Paepke, Jonathan Wilkens

Hintergrund: Der VfB Stuttgart mandatierte für die Ausgliederung und die damit zusammenhängenden steuer- und vereinsrechtlichen Fragen einen der versiertesten Experten auf diesem Gebiet. Thomas Dehesselles hat schon eine Vielzahl Ausgliederungen von Profiabteilungen begleitet und konzeptioniert , schon als er einst noch unter dem Dach von Arnecke Siebold (heute Arnecke Sibeth) tätig war. Aktuell ist er in diesem Zusammenhang auch für den 1. FC Nürnberg tätig.

Typische Fragen bei diesen Projekten drehen sich um die Trennung der gemeinnützigen von der wirtschaftlichen Sparte. Das erfordert neben dem Gesellschafts- und Vereinsrecht insbesondere Know-how im Steuerrecht, etwa wenn es um das Heben stiller Reserven geht. Ansonsten setzt der VfB Stuttgart regelmäßig auch auf seine Haus- und Hofkanzlei Haver & Mailänder und in IP-Fragen auf die Hamburger Boutique von Appen Jens. Eine Rechtsabteilung in Person von Jan Räker, der als Direktor Recht direkt an den Vorstand berichtet, hat der VfB Stuttgart seit drei Jahren. Räker kam damals von der Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall. Begonnen hatte er seine Karriere als Justiziar beim Hamburger SV.

Über die Mandatsbeziehung von Taylor Wessing und Daimler ist bislang wenig bekannt. Allerdings dürfte die Kanzlei sicher von ihrer einschlägigen Erfahrung bei Investments in der Sportbranche profitiert haben, insbesondere durch Partner Frank Koch. Zusammen mit Marc-Oliver Kurth begleitete er schon den Einstieg des Prvate-Equity-Hauses KKR beim Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. (René Bender)

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