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04.05.2017

Mode: Gründer-Enkel kauft insolvente Wöhrl-Gruppe mit Stolzenberg und Leupold

Die insolvente Modehauskette Wöhrl ist verkauft. Käufer ist eine Beteiligungsgesellschaft von Christian Greiner, dem Enkel des Firmengründers Rudolf Wöhrl. Bis zuletzt gab es einen intensiven Bieterkampf um das Nürnberger Unternehmen. Zudem wurde die Transaktion durch die Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zum Sanierungserlass erschwert.

Moritz Freiherr von Hutten

Moritz Freiherr von Hutten

Mit einem Umsatz von rund 300 Millionen Euro und knapp 2.000 Mitarbeitern war Wöhrl einer der größten Krisenfälle des vergangenen Jahres. Im September kündigte das Unternehmen an, sich mit einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu sanieren.

Nach einem Bieterprozess hatte sich der Enkel des Firmengründers im Januar dieses Jahres dann durchgesetzt. Allerdings wurde die geschlossene Vereinbarung zum Erwerb des gesamten Geschäftsbetriebs von Wöhrl im Rahmen eines Sanierungsinsolvenzplans durch die jüngste Entscheidung des BFH zum Sanierungserlass zunichte gemacht.

Der BFH hatte die bisherige steuerliche Privilegierung von Gewinnen, die durch Restschuldbefreiungen oder Forderungsverzichte der Gläubiger entstehen, für die Verwaltung unmöglich gemacht. Die Folge: Der ursprünglich vereinbarte Share-Deal im Insolvenzplan hätte im Falle einer Übernahme steuerliche Risiken von knapp zehn Millionen Euro bedeutet.

Mittlerweile hat der Bundestag zwar für die Steuerbefreiung des Sanierungsgewinnes grünes Licht gegeben und damit den seit 2003 geltenden Sanierungserlass in eine gesetzliche Regelung überführt. Für den Wöhrl-Deal kam diese Regelung aber zu spät. Der Steuerbefreiung muss zudem noch die EU zustimmen.

Um den Wöhrl-Verkauf doch über die Bühne zu bringen, wurde deshalb die Erwerbsstruktur der Transaktion auf einen Asset-Deal in Verbindung mit einem verfahrensleitenden Insolvenzplan umgestellt. Greiner hat nun nicht mehr die AG, sondern das operative Geschäft erworben, das in einer neuen Wöhrl-Gesellschaft gebündelt wurde. Zuletzt musste sich Greiner zudem gegen ein konkurrierendes Angebot der zuvor bereits unterlegenen Kleider Bauer-Gruppe aus Österreich durchsetzen, die wenige Tage vor der maßgeblichen Gläubigerversammlung mit einem nachgebesserten Angebot an die Gläubiger herangetreten war. Die Gläubigerversammlung genehmigte den Plan schließlich Ende April.

Berater Christian Greiner
Stolzenberg (München): Dr. Moritz Freiherr von Hutten (Federführung), Dr. Armin Maslo, Dr. Bettina Wawretschek, Dr. Christoph Freiherr von Hutten, Dr. Stephan Degmair
Leupold & Partner (Nürnberg): Reinhard Hanisch, Prof. Dr. Heinz Helmreich (beide Steuerrecht)

Volker Böhm

Volker Böhm

Berater Wöhrl
Schultze & Braun (Nürnberg): Volker Böhm (Federführung; Sachwalter), Joachim Zobel (Arbeitsrecht); Associates: Katharina Franke (Insolvenzverwaltung), Stefanie Beck (Arbeitsrecht)
Gerloff Liebler (München): Dr. Christian Gerloff (Federführung; Chief Restructuring Officer der insolventen Wöhrl-Gesellschaften); Associates: Dr. Christian Schmitt, Christian Stoffler, Christian Rogner, Alexander Dietl, Benedikt Gatt
Flick Glocke Schaumburg (Hamburg): Dr. Günther Kahlert (Steuerrecht)
Wellensiek (München): Prof. Dr. Markus Stadler (Federführung), Associates: Christian Korth, Florian von Seyfried (alle Insolvenzpläne)
Luther (Frankfurt): Ingo Wegerich (Kapitalmarktrecht)
Görg (München): Dr. Christian Becker (Kapitalmarktrecht)
G&P Gloeckner Fuhrmann Nentwich (Nürnberg): Christian Gloeckner (Federführung), Claudia Lang (gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger)

Hintergrund: Stolzenberg pflegt eine langjährige Mandatsbeziehung zur Familie Wöhrl und berät vor allen den Unternehmer und Vater des Käufers, Rudolf Wöhrl. Die Nürnberger Kanzlei Leupold als langjährige steuerliche Beraterin der Familie Wöhrl hat wiederum mit Stolzenberg schon bei diversen Transaktionen zusammengearbeitet.

Gerloff Liebler-Namenspartner Gerloff kennt sich wie kaum ein anderer Insolvenzverwalter im Modeeinzelhandel aus. Zu seinen bekannten Fällen gehören unter  Escada und Rena Lange. Bei Wöhrl war er jedoch nicht als Verwalter bestellt, sondern als Chief Restructuring Officer (CRO) in den Vorstand berufen worden. Im Zuges des Deals holte sich Gerloff dabei weitere Spezialisten für einzelne Themen an die Seite, so etwa Flick Gocke-Partner Kahlert vor allem für umsatzsteuerrechtliche Themen.

Die finanzwirtschaftliche Beratung lag bei der Big-Four-Gesellschaft KPMG. Die Münchner Gesellschaft Goetzpartners stellten die M&A-Berater. Und für die Investor Relations zeichnete der ebenfalls in München ansässige Dienstleister One Square Advisors verantwortlich. (Daniel Lehmann)

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