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03.05.2017

Sanders-Insolvenz: Grosso-Holding steigt mit Buchalik Brömmekamp ein

Die Wiener Grosso Holding hat mehrheitlich den insolventen Bettwarenhersteller Gebr. Sanders übernommen. Der strategische Investor zahlt 18,5 Millionen Euro. Zudem soll Geschäftsführer Hans-Christian Sanders nach Abschluss des Insolvenzverfahrens Mitinhaber mit einer Beteiligung von deutlich über 20 Prozent werden.

Jörg Nerlich

Jörg Nerlich

Der Bettwarenhersteller mit Sitz im niedersächsischen Bramsche hatte 2013 eine Anleihe in Höhe von 22 Millionen Euro begeben, deren Zinssatz sich auf 8,75 Prozent belief. Geschäftsleitung und Anleihegläubiger waren sich zunächst uneins über die Zukunft des Unternehmens: Während der Bettwarenhersteller eine Insolvenz in Eigenverwaltung unter Aufsicht des Sachwalters Michael Mönig anstrebte, forderte eine Gläubigergruppe um Robus Capital Management als Vertreter des Anleihegläubigers Prime Capital, der knapp elf Prozent der Schuldverschreibungen hält, den Verkauf. Nach derzeitiger Schätzung können Gläubiger nun mit einer Quote von 20 bis 30 Prozent rechnen. 

Die Grosso Holding ist eine Beteiligungsgesellschaft des österreichischen Sanierers Erhard Grossnig. Sie will das Unternehmen fortführen und die rund 700 Arbeitsplätze erhalten. Sanders stellt Kissen und Bettdecken her und beschäftigt in zwei Werken in der Ukraine 570 Mitarbeiter, in Bramsche und Bad Bentheim weitere 170. Der Umsatz lag zuletzt bei rund 55 Millionen Euro. Etwa ein Drittel davon erwirtschaftet Sanders mit dem Möbelriesen Ikea.

Das Unternehmen war Ende September in Zahlungsschwierigkeiten geraten, nachdem die Commerzbank einen Kontokorrentkredit in Höhe von über fünf Millionen Euro gekündigt hatte. Ab Oktober befand sich Sanders in einem Schutzschirmverfahren, seit Januar wird der Bettwarenhersteller im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverwaltung geführt. Sanders gehört zu den größten Insolvenzverfahren des vergangenen Jahres.

Berater Grosso Holding
Buchalik Brömmekamp (Düsseldorf):  aus dem Markt bekannt

Berater Gebr. Sanders
Görg (Köln): Dr. Jörg Nerlich (Restrukturierung/Insolvenzrecht), Dr. Frank Wilke (Arbeitsrecht), Dr. Boris Ober (Restrukturierung/Insolvenzrecht), Guido Utsch

Sachwalter
Mönig und Partner (Münster): Michael Mönig

Gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger
BRL Boege Rohde Luebbehusen (Hamburg): Stefan Denkhaus

Hintergrund: Geschäftsführer Sanders erteilte Görg das Mandat, nachdem er den Insolvenzexperten Nerlich kontaktiert hatte.

Die Insolvenzrechtler von BRL kamen über die Vertretung einer Vermögensmanagementgruppe aus Dortmund ins Mandat. Diese Gruppe vertritt mehrere private Anleihegläubiger und gehört zum Ad-hoc-Komitee. BRL ist fokussiert auf Sanierungs- und Krisenberatung sowie Insolvenzverwaltung. In der Vergangenheit begleitete die Kanzlei unter anderem die Insolvenzen von Prokon und dem Energieunternehmen EEV. Zudem ist BRL-Partner Denkhaus als Sachwalter der insolventen KTG Agrar tätig. (Geertje de Sousa)

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