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27.06.2017

Otto Bock lässt einen rein: Investoren bieten gleich dreimal mit Hengeler

Der Prothesenhersteller Otto Bock hat zum ersten Mal in seiner Geschichte Anteile an einen familienfremden Investor abgegeben. Das schwedische Private-Equity-Unternehmen EQT setzte sich in einem Bieterprozess durch und kaufte von der Inhaberfamilie Näder 20 Prozent der Anteile. Otto Bock wird mit über drei Milliarden Euro bewertet. Nach Schätzungen von Branchenexperten würde der Kaufpreis demnach bei rund 600 Millionen Euro liegen.

Steffen Oppenländer

Steffen Oppenländer

JPMorgan steuerte den Bieterprozess, bei dem zuletzt nach JUVE-Informationen auch die Investoren KKR und CVC noch im Rennen waren. Mit EQT steigt nun ein Investor ein, der Branchenerfahrung mitbringt. EQT ist unter anderem an der ehemaligen Siemens-Hörgerätesparte (jetzt Sivantos) beteiligt und am italienischen Endoprothesenhersteller Lima.

Otto Bock hegt seit einiger Zeit Börsenpläne. Diese seien nach dem Einstieg EQTs nicht aufgehoben, aber nun eher weiter nach hinten verschoben worden, teilt das Unternehmen mit. Es gibt seit Längerem Pläne für eine Rechtsformumwandlung in eine SE & Co KGaA, in der die Familie Näder auch nach einem Börsengang das Sagen haben könnte.

Hans Georg Näder besitzt und leitet Otto Bock, nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Prothesenherstellung, in dritter Generation. Die Familie hat nach fast hundert Jahren nun zum ersten Mal einen familienfremden Gesellschafter ins Haus geholt. Den Erlös will Näder überwiegend in die Firma stecken, und auch der Investor soll helfen, Expansion und Zukäufe zu finanzieren. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz von Otto Bock bei 885 Millionen Euro, weltweit arbeiten rund 7.000 Mitarbeiter für den Arm- und Beinprothesenhersteller aus Duderstadt in Niedersachsen.

Berater EQT
Hengeler Mueller: Dr. Steffen Oppenländer (London), Prof. Dr. Hans-Jörg Ziegenhain (beide Federführung; beide M&A), Dr. Viola Sailer-Coceani (Corporate; beide München), Dr. Daniela Böning (Finanzierung), Hendrik Bockenheimer (Arbeitsrecht), Dr. Thomas Kraft (Steuerrecht; alle Frankfurt), Dr. Markus Röhrig (Kartellrecht; Brüssel), Prof. Dr. Dirk Uwer (Regulierung, Healthcare/Life Sciences; Düsseldorf), Dr. Mathias Link (Steuerrecht; Frankfurt), Dr. Andrea Schlaffge, Patrick Wilkening (beide IP/IT; beide Düsseldorf); Associates: Dr. Michael Born, Dr. Konrad Rotthege (beide London), Hermann Dahlitz (Berlin; alle Corporate/M&A), Stefanie Budde (Kartellrecht; Düsseldorf), Eckbert Mueller (Arbeitsrecht; Frankfurt), Dr. Susanne Koch, Dr. Deniz Tschammler (beide Regulierung, Healthcare/Life Sciences; Düsseldorf)

Berater Familie Näder
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt, Dr. Nils Koffka (beide Corporate/M&A), Dr. Michael Ramb (Konfliktlösung), Dr. Mario Hüther (Bank- und Finanzrecht), Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt (Arbeitsrecht), Dr. Katrin Gaßner (Kartellrecht), Dr. Alexander Schwahn (Steuerrecht); Associates: Till Burmeister, Dr. Jil Rollmann, Jörg-Peter Kraack, Dr. Neda von Rimon, Eva-Maria Lohse, Christoph Herig, Jan Bochow (alle Corporate/M&A), Sascha Arnold (Konfliktlösung), Alexander Pospisil, Andreas Ruthemeyer, Christian Klöpper (alle Bank- und Finanzrecht), Patrick Wendler (Arbeitsrecht), Benjamin Schoo, Mariusz Motyka-Mojkowski (Kartellrecht), Dr. Mareike Schmidt (Steuerrecht)

Christoph Seibt

Christoph Seibt

Berater Otto Bock
Inhouse Recht (Duderstadt): Regina Thums (Leiterin Recht)

Berater CVC
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Christof Jäckle (Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater KKR
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Maximilian Schiessl (Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Orth Kluth (Düsseldorf): Dr. Kai-Michael König – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Ungewöhnlich ist, dass Hengeler nicht nur den erfolgreichen Bieter EQT, sondern nach Marktinformationen noch zwei weitere Bieter beraten hat. Neben EQT, die bekanntermaßen ein Team um den Londoner Partner Oppenländer und Ziegenhain in München mandatiert hatte, haben auch CVC und KKR bis zuletzt mit Hengeler-Partnern in Düsseldorf und Frankfurt für Otto Bock geboten.

Zu allen Investoren bestehen regelmäßige Kontakte: Ziegenhain und Oppenländer waren vor einigen Monaten zuletzt von EQT mandatiert, als der Investor seine Beteiligung an dem deutsche Energiedienstleister SAG verkaufte. CVC kaufte mit Jäckle vor kurzem das Onlinereiseportal Etraveli von ProSiebenSat.1. Der Düsseldorfer Partner Schiessl wiederum ist bei vielen großen KKR-Deals involviert, zum Beispiel beim Kauf von GfK-Anteilen und der Airbus-Sparte ‚Verteidigungselektronik‘ (nun Hensoldt). Wie auch beim Kauf der GfK-Anteile war auch diesmal ein Orth Kluth-Team für die Due Diligence zuständig.

Das Hamburger Freshfields-Büro hat Otto Bock als Gesellschaft, damals im Wesentlichen identisch mit der Eigentümerfamilie, schon zuvor bei einer grenzüberschreitenden Verschmelzung und dem Abschluss einer Mitbestimmungsvereinbarung beraten. Die damals im Vordergrund stehenden gesellschafts- und arbeitsrechtlichen Fragen fielen in den Verantwortungsbereich von Seibt und Hohenstatt, die auch beim aktuellen Anteilsverkauf wieder beteiligt sind. Hinzu kam nun für die Private-Equity-Elemente der Hamburger Partner Koffka. (Christiane Schiffer)

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